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Bambi 2010: Hänger und magische Momente

Einer der Ureinwohner im Bambi-Gehege sagte treffend, worum es geht. „Bambi or not to be!“ schmetterte Fritz Wepper reichlich frei nach Shakespeare von der Bühne dem Saalvolk entgegen. Wepper ist nicht Hamlet und Bambi nicht Oscar. Aber wenn Verleger Hubert Burda zum Tanz ums goldene Kitz ruft, kommen sie gern: Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Kulturbetrieb, Show-Promis und reichlich Medienleute. Nach dem Durchhänger im vergangenen Jahr geriet die Gala in Potsdam diesmal um Längen besser.

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Fast drei Stunden dauerte es, bis alle Bambis in 16 Kategorien vergeben waren, und die vergingen gefühlt schneller als im Vorjahr. Highlights waren dabei die Live-Acts von Shakira, Unheilig, Gossip und Hurts, in der Summe erkennbar zugeschnitten auf jüngere Zielgruppen, die verstärkt für das zuletzt angestaubte Event gewonnen werden soll.

Es gab einige rührende, fast magische Momente: die Dankesrede des „Grafen“ von Unheilig, der seinen Song einem toten Freund widmete, die ergreifende Ansprache der Primaten-Forscherin Jane Goodall, die sich bemerkenswerter Weise bei den Schimpansen bedankte, dass sie mit ihnen leben durfte und dabei trotz allen Rückschlägen im immer auswegloseren Kampf um die Erhaltung der natürlichen Lebensbedingungen keine Spur von Bitterkeit zeigte – oder auch die aufrüttelnde Ansprache von Alt-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der den Millenium-Ehrenpreis überreicht bekam. Anrührend war die Laudatio des tapfer gegen das Lampenfieber ankämpfenden jungen Nationalspielers Mesut Özil auf Bundestrainer Löw oder der Dank des Bambi-Gewinners Florian David Fitz, der das Reh für seine Hauptrolle in „Vincent will Meer“ gewann.

Darin spiegelt sich die Stärke des Formats: Bambi hat eine enorm integrative Kraft, nämlich Alte und Junge, Reiche und Bedürftige, Schrille und Biedere zusammenzuführen und einen Konsens für den Augenblick zu schaffen: ein Lagerfeuer der Emotion und des guten Willens. Das zeigt sich auf der Bühne, auf der zwischen Hanni & Nanni und Jopie Heesters Extreme aller Kategorien vertreten sein können. Das ist der Schatz, den die zwar in die Jahre gekommene, aber nie auf ein rigides Zielgruppenkonzept hingetrimmte Show in sich trägt – zur Zeit als Rohdiamant, der an vielen Ecken einen Feinschliff benötigt. Von daher gesehen haben viele Kritiker, die Bambi als eher belanglos einschätzen, gleichzeitig recht und unrecht: im Detail liegen sie richtig, das große Potenzial des Events dagegen wird oft übersehen. In Deutschland, wo es nur eine Handvoll glamouröser Preis-Verleihungen dieser Art gibt, sollte man grundsätzlich froh sein, dass es Bambi gibt.

Und anders als im Vorjahr sah man in Potsdam mitreißende Augenblicke der Spontaneität, wie etwa, als Gossip-Sängerin Beth Ditto – von Karl Lagerfeld als „strammer Brummer“ angekündigt – ihren grandiosen Hit „Heavy Cross“ sang und plötzlich XXL im Publikum verschwand, die dicht an dicht gestellten Gästetafeln umkurvte, um ohne Schuhe, aber mit einem von einem Gast entwendeten Glas Wein in der Hand wieder auf der Bühne zu erscheinen. Das sind unerwartete Momente, von denen die Bambi-Gala lebt und atmet, und diese halfen über die eine oder andere Schwäche und Peinlichkeit hinweg – dazu gehörte z.B. so ziemlich alles, was sich in den Minuten der Bambi-Vergabe für das Lebenswerk an Udo Lindenberg abspielte. Der sichtlich bedröhnte Preisträger konnte der Laudatio der Schauspielerin Anna Loos dabei wohl ebenso wenig folgen wie die Zuschauer. Dazu kam ein spürbarer Overkill an Gutmenschentum und einige bei einer derart langen Sendung vermutlich kaum vermeidbaren Hänger und Spannungsabfälle.

Und natürlich wirkten wie üblich manche Kategorien konstruiert und wenig nachvollziehbar. Ganz sicher war es keine so tolle Idee, dem US-Stargast Sarah Jessica Parker, die ihr sicher gut bezahltes Programm routiniert, aber ohne authentische Herzlichkeit abwickelte, auch noch einen Überraschungs-Bambi ins Fluggepäck zu packen. Das trug eher dazu bei, die vielen verdienten Bambis an diesem Abend zu entwerten, war in der Gesamtbilanz aber letztlich eine Randnotiz, die sich bei der After-Show-Party schnell versendete. Dort gab es viel Lob für die Konzeptänderungen, bevor man sich beim Get together mit den Gewinnern dem schon traditionellen Networken unter Branchenkollegen widmete.

Burda-Vorstand Philipp Welte, der beim Münchner Medienhaus die Aufgabe übernommen hat, der Gala zu neuer Strahlkraft zu verhelfen, darf mit der ersten unter seiner Regie gelaufenen Veranstaltung zufrieden sein. Es gibt noch viel zu tun, aber verlaufen hat sich Bambi diesmal nicht. 

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