Auswärtiges Amt prüft dpa-Verträge

Das Auswärtige Amt stellt zwei hochdotierte Verträge mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf den Prüfstand. Wie das Ministerium um Guido Westerwelle MEEDIA bestätigte, werden die Bezüge mit Texten und Fotos neu ausgeschrieben, mit denen die Botschaften in aller Welt über das Geschehen in Deutschland informieren. Dem Agentur-Marktführer droht damit ein Verlust von mehr als drei Millionen Euro im Jahr, die bisher die dpa-Dienste in Englisch, Spanisch und Arabisch stützten.

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Die dpa zeichnet sich im Wettbewerb mit anderen Nachrichten-Dienstleistern unter anderem darin aus, dass sie von allen hiesigen Agenturen das größte Korrespondentennetz vorhält, das durch die deutsche Brille blickt. Dazu tragen nicht nur mehrere Dutzend entsandte Reporter bei, die explizit für den sogenannten Basisdienst arbeiten, der Verlage und Sender in der Heimat beliefert. Vielmehr hilft sich die dpa mit drei zusätzlichen Welt-Angeboten: Für Medien in Spanien und Lateinamerika betreibt die dpa von Madrid aus einen spanischen Dienst, für den ungefähr 60 feste Kräfte arbeiten. Ein arabischer Dienst operiert von Kairo aus mit zirka 70 festen Mitarbeitern. Und für einen englischen Dienst schreiben mehr als 100 Mitarbeiter, deren Arbeit von Berlin aus gesteuert wird und vor allem Kunden im Nahen Osten und Südost-Asien erreicht. Die dpa kann für ihr deutsches Kernprodukt jederzeit auf dieses Personal und ihr Meldungsangebot zurückgreifen.

Noch ist das Auswärtige Amt ein großer Kunde dieser drei Welt-Dienste. Es bezieht diese Angebote, damit seine Auslandsvertretungen das Material zusammenstellen und verbreiten können. So informiert die Botschaft in Washington wöchentlich mehrere zehntausend Bezieher eines Newsletters über die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Deutschland und auch darüber, wie deutsche Politiker und Unternehmen im Ausland agieren – in Wort und Bild. Dieser Großkunde aber steht für die dpa jetzt auf der Kippe. Wie das Auswärtige Amt auf Anfrage von MEEDIA bestätigt hat, werden die dpa-Verträge schnellstmöglich auslaufen, die Abonnements der dpa-Textdienste sogar schon mit dem Auslaufen des Jahres 2010. Die Bezüge der dpa-Fotodatenbank, die das Auswärtige Amt auch für die Bebilderung der Webseite und eigener Publikationen nutzt, hat das Ministerium hingegen erst zum Jahreswechsel 2011/2012 gekündigt. Für beide Lieferverträge sollen europaweite Ausschreibungen folgen. Diese Entscheidung geht auf Anmerkungen des Bundesrechungshofes zurück.

Bei der Neuvergabe dürfen also auch Konkurrenten der dpa auf einen Zuschlag hoffen, allen voran der neue dapd. Auch er bietet zweifellos eine umfangreiche Berichterstattung über das Geschehen in Deutschland an, ebenfalls sowohl in Wort als auch in Bild. Sein Netz an deutschen Korrespondenten allerdings ist mit etwa einer Handvoll eigener Kräfte im Ausland äußert mickrig im Vergleich zu dem der dpa. Die mehr als 2.000 Reporter der Associated Press (AP), mit denen der dapd hausieren geht, weil er deren Inhalte für sein eigenes Angebot ausschlachten darf, schauen indes nicht durch eine deutsche Brille auf das Geschehen im Rest der Welt. Das könnte bei einem möglichen Einstieg in die Ausschreibung zu einem Problem werden. Die Agence France-Presse (AFP) zumindest wird den beiden Agenturen immerhin nicht in die Quere kommen: Wie Clemens Wortmann, der Teil der Geschäftsführung des deutschen AFP-Ableger ist, zu MEEDIA sagte, wolle sich sein Dienst nicht an der anstehenden Offerte des Auswärtigen Amtest beteiligen.

Bei einer Ausschreibung hat das Auswärtige Amt in jedem Fall wenig Spielraum, die dpa zu bevorzugen – sei es aus Tradition oder weil sie die dpa als "Verlegeragentur" gegen den von Investoren getragenen dapd schützen wollte. Hinzu kommt, dass sich bis zum Auswärtigen Amt rumgesprochen haben dürfte, dass der dapd sehr streitbar ist, wenn er Probleme im Wettbewerb sieht: Jüngst hat er dem Bundespresseamt mit Klage gedroht, weil das für dpa-Abonnements deutlich mehr bezahlt als für Meldungen und Fotos des dapd. Die Verträge für die Versorgung der Bundesregierung und des Bundespräsidialamtes, die an das Bundespresseamt angedockt sind, haben mit den Agentur-Abos für das Auswärtige Amt nichts zu tun, das die deutschen Dependancen bedient und für das dpa-Material zuletzt in Summe jährlich etwas mehr als 3,5 Millionen Euro zahlte.

Letztlich könnte die dpa, die den Vorgang nicht kommentieren wollte, durchaus erneut zum Zuge kommen. Sie könnte diesen Großauftrag aber eben auch genauso gut an einen Mitbewerber verlieren. Dann müsste sich die dpa freilich überlegen, ob sie ihre Welt-Dienste in diesem Umfang überhaupt noch halten kann, mit möglichen Folgen für die Angebote auf dem deutschen Markt. Denn während der arabische Dienst zuletzt für Gewinne sorgte, ist der spanische Dienst dem Vernehmen nach seit jeher ein deutliches Verlustgeschäft. Und die fetten Jahre sind nun mal auch beim Marktführer bekanntlich längst vorbei.
Sie wollen mehr über den Konkurrenzkampf von dpa, dapd & Co. erfahren? Über das Geschehen auf dem Markt der Nachrichtenagenturen klärt das MEEDIA-Tickerblog auf.

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