„Frust und Entmutigung“ beim dapd

Bei der Nachrichtenagentur dapd greift die Unzufriedenheit weiter um sich. So warnt jetzt auch der sonst äußerst brave Betriebsrat das Management um Cord Dreyer. Konkret ist davon die Rede, dass sich "die Stimmung im Unternehmen weiter verschlechtert" habe. Viele Mitarbeiter fühlten sich "noch immer allein gelassen". Außerdem warte die Agenturleitung mit einem bisweilen "fragwürdigen Umgangston" auf. Die Folge der üppigen Probleme: Krisenstimmung beim dpa-Rivalen.

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Lange hat sich der Betriebsrat des neuen Newsdienstleisters dapd mit deutlicher Kritik am Management zurückgehalten. Nun aber nimmt die Vertretung der Mitarbeiter keinen Blatt mehr vor den Mund. Die "Betriebsrats-INFO 12/10", verfasst noch nostalgisch auf ddp-Briefpapier, ist jedenfalls deutlich an das Führungsteam um Cord Dreyer gerichtet, der Chefredakteur und Geschäftsführer in Personalunion ebenso ist wie Vorstand der dapd-Holding.In dem Schreiben heißt es unter anderem, der Betriebsrat komme nach "zahlreichen Gesprächen mit Mitarbeitern" zu der Einschätzung, dass sich die Stimmung im Unternehmen "weiter verschlechtert" habe. Als Gründe führte die Vertretung der oftmals schon seit Jahren unter finanzieller Entbehrung arbeitenden Belegschaft etwa an, viele Kollegen fühlten sich "offensichtlich mit den Anforderungen neuer Arbeitsabläufe und Instrumente immer noch allein gelassen". Außerdem werde in den Ressorts und Außenbüros der gestiegene Arbeitsaufwand für die eingeführte neue Technik wie das von der österreichischen APA eingekaufte Redaktionssystem Mars sowie die Kundenplattform dapd-Newsplaner "mit Sorge gesehen", da dieser Mehraufwand "zulasten des redaktionellen Dienstes" gehe.Massive Kritik übt die Personalvertretung auch an den internen Abläufen des dapd, der Anfang September 2010 aus den einstigen Diensten der deutschen Associated Press (AP) und Deutschem Depeschendienst (ddp) hervorgegangen war. Im Zentrum des neuen Unmuts steht die sogenannte Herausgabe der Meldungen, sprich das Redigieren und Freigeben der Reporterstücke. Während ddp und AP dafür noch zentrale Stellen installiert hatten, wälzt der neu gewachsene dapd diese Funktion immer stärker auf die einzelnen Ressorts ab. Zuletzt sei dadurch "sowohl in der Zentrale in Berlin wie auch in den Landesdiensten der Eindruck entstanden, dass die Herausgabe weniger effektiv ist als früher am Zentraldesk und überdies Kapazitäten aus den redaktionellen Abläufen abzieht". Aus den Büros in den Ländern werde ferner beklagt, dass Meldungen "oft lange im Speicher liegen" und damit "insbesondere in der Stoßzeit am Nachmittag" nicht rasch an die Kunden bei Verlagen und Sendern versendet würden. Raubt die interne Struktur also dem neuen dapd die Schlagkraft, die er für den Wettbewerb mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dringend braucht?Auch in der Zentralredaktion unweit der Bundspressekonferenz in Berlins Mitte häufen sich der Betriebsrats-Info zufolge die Klagen. So störten sich die Redakteure in den Fachressorts daran, dass "aufgrund des hohen Meldungsaufkommens aus den Ländern regelmäßig im Dienstplan nicht als Herausgeber eingeplante Redakteure in die Herausgabe einsteigen müssen und dadurch nur noch wenige eigene Basis-Beiträge verfasst werden können". Darüber hinaus fühlten sich viele Redakteure in ihrer neuen und regelmäßigen Rolle als Herausgeber "unwohl". Dies liege vor allem an der Zahl der Herausgeber-Dienste, die in einigen Fällen mehr als ein Drittel der gesamten Diensttage einnähmen. "Unter der Vielzahl der Herausgeber und der daraus resultierenden Unübersichtlichkeit für die Landesdienste scheint bisweilen auch die Stringenz zu leiden", mahnte die Personalvertretung.Und noch ein Problem benannte der Betriebsrat deutlich: Die miserable interne Kommunikation der Geschäftsführung. So trage die Information der Mitarbeiter über neue dapd-Projekte anhand von Pressemitteilungen "ebenso wenig zur Vertrauens- und Teambildung bei, wie kommentarlose Stellenausschreibungen und in Einzelfällen ein fragwürdiger Umgangston". Dass vieles in der Agentur noch nicht optimal laufe, sorge überdies "für Unmut und in vielen Fällen für Frust und Entmutigung". Ferner ist die Rede von teils "ineffektiven und impulslosen" Konferenzen und etlichen Fehlern der Technik.Cord Dreyer wollte auf MEEDIA-Anfrage nicht auf die Vorwürfe reagieren. Er ließ einen Sprecher lediglich mitteilen, dass der Betriebsrat in seinem Schreiben selbst darauf hingewiesen habe, dass es sich "auch hierbei" um interne Informationen handele. "Daran halten wir uns selbstverständlich."Doch zumindest ein Problem könnte bald gelöst werden. Auf das Schreiben des Betriebsrates, der bereits am 27. Oktober tagte, folgte nämlich bereits Anfang November eine ganz besondere Ausschreibung, die bei der Belegschaft auf Wohlgefallen stieß. Der dapd sucht einen Referenten für die interne Kommunikation.
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