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Zum Fremdschämen: Sixt bei Castor-Demo

Nicht lustig, Herr Sixt: In Sachen Werbung hatte der Autovermieter und seine Agentur Jung von Matt bislang ein fast schon perfektes Gespür für die richtige Aktion zur richtigen Zeit. Genau das scheint abhanden gekommen zu sein. Mit einer "beispielosen Guerilla-Aktion", wie es im Sixt-Blog heißt, infiltrierten ein paar Werber die Castor-Demo und schwenkten ein Spruchband mit der Aufschrift: "Stoppt teure Transporte! Mietet Van & Truck von Sixt!".

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Die Demostranten dürften wenig darüber begeistert gewesen sein, dass ihr ernsthafter Protestzug von einer werbefinanzierten Spaß-Guerilla unterwandert wurde. Stolz steht im Firmen-Blog: "Das hat es in der deutschen Werbegeschichte noch nicht gegeben: Werbung bei einer Protestveranstaltung."  Weiter heißt es: "In einer beispiellosen Guerilla-Aktion haben sich dazu kurzerhand einige Anhänger der Pullacher ‚Van&Truck‘-Sparte unter die Castor-Gegner gemischt um dort ihre, als Castor-Protest getarnte, Botschaft zu platzieren. Denn im Gegensatz zu den üblichen Anti-AKW-Parolen las man im Getümmel der Demonstranten plötzlich den geschickt formulierten Slogan".

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Mit dem Einsatz von "Anhängern der Pullacher ‚Van&Truck‘-Sparte", die einen "geschickt formulierten Slogan" platzieren, überschritt Sixt möglicherweise eine feine, aber klare Linie. Bislang veräppelte der Autovermieter Promis und Politiker mit ihren Werbeaktionen, die sich schnell und lustig am Tagesgeschehen orientierten.
Politiker kann man für solche Kampagnen hernehmen, sich aber respektlos gegenüber eines ernsten Anliegens von Millionen von Atomkraftgegnern zu verhalten, geht jedoch zu weit. Die Konsumenten haben ein sehr feines Gespür, wenn Werbung den Bogen überspannt. In diesem Fall könnte der "Castor-Coup" schnell zum Castor-Flop werden.

Via Facebook soll über die Aktion diskutiert werden

Doch den Werbeexperten und Öffentlichkeitsarbeitern ging es bei der Aktion weniger um den Gewinn von Neukunden unter den Atomkraftgegnern, sondern viel mehr um ein Höchstmaß an Aufmerksamekit. "Erste Aufnahmen tummeln sich bereits bei Youtube & Co. So ist es Sixt mit dieser eindrucksvollen und sicher noch für viel Gesprächsstoff sorgenden Aktion wieder einmal gelungen, sich mit wenig Geld und viel Mut in Erinnerung zu rufen", heißt es wiederum im Sixt-Blog.

Via Facebook und im Firmenblog geben die Kommunikationsprofis den Lesern und Atomkraftgegnern die Möglichkeit ihre Meinung zum Castor-Coup zu posten. Sie wissen: Je mehr darüber gesprochen wird, umso erfolgreicher war ihre Aktion. So gesehen, lässt sich die Kampagne jetzt schon als Erfolg verbuchen, allerdings als keiner, der lustig ist oder Spaß macht.

Die Aktion hat zudem noch einen Beigeschmack: Die Sixt-Agentur Jung von Matt zählt auch den AKW-Betreiber RWE zu seinen Kunden. Immerhin dort dürfte der Demo-Gag gut ankommen…

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