Bewertungs-Wettlauf: Apple gegen Öl-Multis

Der Gipfel ist in Sicht: Gerade mal eine Kurssteigerung von 19 Prozent trennen Steve Jobs noch davon, für immer in die Geschichtsbücher der Wirtschaftswelt einzugehen – diesmal als CEO des wertvollsten Konzerns. Auf dem Thron der Technologiebranche ist Apple längst angekommen: Seit Mai ist der Kultkonzern aus Cupertino wertvoller als Microsoft. Die letzten beiden Herausforderer kommen nun jedoch aus fremdem Terrain – der Ölbranche. Analysten sehen die Wachablösung nach ihren Kurszielen schon bald heraufziehen.

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Es ist wieder Ruhe eingekehrt in die Apple-Welt: Eine Woche nach der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen trudelt die Apple-Aktie wieder im ruhigen Fahrwasser: Mal einen Dollar hoch, dann wieder zwei herunter, dann eine fast unveränderte Notierung – eine Konsolidierung also.  

Jedoch auf hohem Niveau: Bei knapp 309 Dollar schloss die Apple-Aktie gestern. Das sind etwa 10 Dollar weniger als vor einer Woche, als in Erwartung der Quartalszahlen neue Allzeithochs bei 319 Dollar aufgestellt wurden. Gleichfalls jedoch liegt die Apple-Aktie seit Januar um fast 47 Prozent vorne und ist damit unter den wertvollsten Konzernen der Welt der Aufsteiger des Jahres.  

Analysten überbieten sich – Kursziele bis 500 Dollar

Glaubt man den Analysten, die immer begeisterndere neue Kursziele ausrufen, ist hierbei noch lange nicht Schluss. Im Gegenteil: Der Gipfelsturm hat vielleicht erst richtig begonnen. Nach Erhebung des Finanzinformationsdienstes Thomson First Call empfehlen 49 von 53 Analysten die Apple-Aktie zum Kauf – 27 davon sogar "aggressiv zum Kauf" ("Strong Buy").

Und so sehen die neuen Kursziele, die maßgeblich von den jüngsten Quartalszahlen befeuert wurden, auch aus: Morgan Stanley hob das Kursziel auf 375 Dollar an. Citigroup erhöhte auf 390 Dollar. Wenige Tage zuvor hatte Brian White vom Brokerhaus Ticonderoga seine Prognose auf 430 Dollar erhöht, während ein Analyst von Hudson Research gar das runde Kursziel von 500 Dollar nannte.

Marktkapitalisierung: Apple aktuelle Nummer drei

So lange brauchen Apple-Aktionäre vielleicht gar nicht zu warten, bis die letzte und höchste Stufe des Gipfelsturms erreicht ist, der im Frühjahr 2003 bei heute kaum vorstellbaren 7 Dollar je Aktie begann. Schon jenseits der Marke von 367 Dollar könnte Apple eine neue Ära einleiten, die das wohl am leidenschaftlichsten verehrte Unternehmen der Welt auch faktisch zur Nummer eins machen würde  – nämlich nach der Marktkapitalisierung zum wertvollsten.

Bei einem Börsenwert von inzwischen 283 Milliarden Dollar ist Apple schon auf dem dritten Platz angekommen. Platz eins und zwei werden derzeit noch von den weltgrößten Ölgesellschaften besetzt – PetroChina mit einem Börsenwert von 305 Milliarden Dollar und Exxon Mobil mit 337 Milliarden Dollar. Vorausgesetzt, die Notierungen der beiden Öl-Multis bleiben stabil, würde Apple ein Anstieg um 19 Prozent reichen, dann würde Exxon bei 367 Dollar überholt.

PetroChina macht es vor: 1 Billion-Dollar-Bewertungsgrenze ist möglich

Dass Apple langfristig den längeren Atem haben könnte, unterstrich die jüngst vorgelegte Unternehmensbilanz für das vierte Geschäftsquartal, in der die Gewinne um enorme 70 Prozent auf 4,31 Milliarden Dollar explodierten. Demgegenüber stehen Gewinne von 4,8 Milliarden Dollar bei Petrochina und zuletzt 7,56 Milliarden Dollar bei Exxon. Doch die Multis der Ölbranche wachsen bekanntlich traditionell langsamer und sind dabei maßgeblich an die Preisentwicklungen der Rohstoffmärkte gekoppelt,  

Apple hingegen folgt seinem eigenen Zyklus, wie der frühere Hedgefondsmanager Cody Willard herausarbeitet: "Ich glaube, Apple kann in den nächsten fünf Jahren um mindestens 30 Prozent  wachsen." Entsprechend fiel auch vor Wochen das vermeintlich absurd-ambitiöse Kursziel von 1000 Dollar aus  – das Willard allerdings bis 2015 formulierte. Folgt Apple tatsächlich diesem Wachstumspfad, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass der iPad-Hersteller auf dem Weg dahin auch noch den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt erringt.

Dass Bewertungen in dieser Größenordnung tatsächlich möglich sind, machte ausgerechnet Rivale PetroChina vor drei Jahren vor. Kurz nach seinem Zweitlisting außerhalb des asiatischen Riesenreiches knackte der Erölkonzern kurzfristig die Rekordmarke von einer Billion Dollar. Dafür wäre es  für Apple nach den jüngsten Kurssprüngen dann aber noch ein weiter Weg – die Aktie müsste bis auf 1128 Dollar steigen…            

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