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MySpace-Relaunch: ein letztes Aufbäumen

MySpace erinnert ein wenig an eine Dame, die nicht in Würde altern will. Die sich mit allen Mitteln der Kunst liftet, um nochmal interessant zu sein für die jungen Wilden. Das Netzwerk steckt in einer Krise, die User laufen in Scharen davon. In einer Zeit, in der das Netzwerk in weiten Teilen der Welt über die Hälfte seiner Nutzer verliert, wagt es noch einmal den Relaunch. Das erklärte Ziel: eine kreative, unterhaltsame Nische zu bilden. Irgendwo zwischen Facebook und den Möglichkeiten eines Videoportals.

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Auftrieb soll das Redesign bringen: Das neue Layout ist für US-Bürger ab sofort verfügbar. Deutsche User müssen sich noch bis Mitte November gedulden. Was sie dann erwartet, ist eine Mischung aus einem Social Network und einem Videoportal. Eine „Jetzt auf Myspace“-Box zeigt den Usern Songs und Videos, die am häufigsten abgerufen wurden. Über die Entdecken-Funktion werden in Echtzeit Songs, Videos und Spiele angezeigt, die die Freunde gerade anhören, -sehen oder spielen. Im Neuigkeiten-Mix finden die User nun News und Empfehlungen, die zu ihren Interessen passen. Das neue Layout wirkt aufgeräumter. "Wir sehen uns nicht länger als soziales Netzwerk, sondern als Unterhaltungsplattform", sagte Myspace-Chef Mike Jones im Gespräch mit der Financial Times Deutschland.

Bisher wirkte MySpace altbacken, überladen mit Elementen und chaotisch. Das neue Logo mutet minimalisitisch an. Was übrigbleibt, ist lediglich das “my” – ein Symbol für den Imagewechsel. Den hat das Social Network auch bitter nötig. Die Leerstelle nach dem “my” dürfen Kreative künftig mit eigenen, kleinen Kunstwerken füllen.

Genau darum geht es jetzt für das angeschlagene Netzwerk: eine Nische zu füllen. Man will künftig User anlocken, denen Facebook zu restriktiv ist und denen YouTube und Co. zu unaufgeräumt sind. Damit reagiert das Unternehmen auf die Entwicklungen der vergangenen Monate: "Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass unsere User eher zu Myspace kommen, um Entertainment-Inhalte zu konsumieren, weniger um mit Freunden zu kommunizieren", erklärt der Präsident Mike Jones. Neben Platz für Kreatives plant das Unternehmen mehr Entertainment für seine User. Eine Kooperation mit der Onlinevideoplattform Hulu gibt es bereits.

Mehr bleibt Jones auch nicht übrig. Das Unternehmen, das Medienmogul Rupert Murdoch vor fünf Jahren für 580 Millionen Dollar kaufte, musste im vergangenen Jahr eine drastische Sparrunde über sich ergehen lassen. Zwei Drittel der Belegschaft, rund 200 Mitarbeiter, mussten gehen.

Der Gang zurück an die Spitze der sozialen Netzwerke scheint mit Blick auf die Zahlen trotzdem unmöglich. Die Ad-Planner-Statistiken für Deutschland zeigen es: Während Facebook an der Tabellenspitze mit immer mehr Vorsprung führt, verloren vor allem wer-kennt-wen und MySpace im September. Beiden gingen mehr als 11 Prozent der August-Nutzer abhanden. wer-kennt-wen rutschte damit auf den geringsten Unique-Visitors-Wert seit Februar, MySpace sogar auf den geringsten seit November 2008. wer-kennt-wen fiel zudem hinter beide großen VZ-Netzwerke zurück.

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