Mac AppStore: die riskante Abschottung

Die Grenzen zwischen den Apple-Geräten verschwinden: In rund drei Monaten startet der Konzern seinen AppStore für den Mac. Auf dem iGeräten war der Shop ein voller Erfolg - vor allem, weil es keine Alternative zu dem geschlossenen System gibt. Mit dem Wechsel auf den Mac begibt sich Apple auf einen gefährlichen Weg: Springen die Unternehmen nicht mit auf, floppt das Projekt. Gelingt Jobs der Coup, mutiert der Mac - wie iPhone, iPad und Co. - zum geschlossenen System. Mit all seinen Nachteilen.

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Schöne, neue Apple-Welt: Vergangene Woche kündigte Steve Jobs den nächsten Schritt einer Verschmelzung seiner Betriebssysteme iOS und MacOS an. Die Tech-Szene hatte spekuliert, dass Steve Jobs den Multitouch-Gedanken auf den Mac überträgt – was das neue Betriebssystem “Lion” auch zu Teilen schaffen wird. Doch die wirkliche News war eine andere: Apple hievt den Appstore auf den Mac. Das eigenständige Programm verfügt wie der iPhone-Appstore über einen Highlight-Bereich, einen Top-Charts-Bereich und macht auf Updates aufmerksam. Er sieht genauso aus wie auf einem iPhone. Nur größer und mit eigenen Apps für den Mac.

Mutiert der Mac zum geschlossenen System?
Die Vorteile für den User liegen auf der Hand: Programme müssten nicht mehr mühsam aus der Verpackung geschält, langwierig in Verzeichnisse installiert und mit Seriennummern verifiziert werden. Apple hat mit seinen leicht konsumierbaren Apps das Verständnis von Programmen grundlegend geändert. Ein Klick – schon ist das Programm gekauft, heruntergeladen und einsatzbereit.

Wo ist also das Problem? Immerhin spricht der riesige Erfolg des Appstores mit über 300.000 verfügbaren Apps für sich. Allerdings haben iPhone-Besitzer auch keine Alternative. iPhone, iPad und iPod touch sind geschlossene Systeme. Hat Apple Erfolg mit dem Konzept auf dem Mac, dürfte nach dem iPhone auch der Mac zum geschlossenen System mutieren.

Bisher haben die User die freie Wahl, welche Software sie installieren wollen. Egal, ob es ein Client zum Download urheberrechtlich geschützer Inhalte (wie Bittorrent) ist, ein ressourcenverschlingendes Schnittprogramm (wie Final Cut) oder ein Konkurrenzprodukt zu einem bereits bestehenden Produkt (wie Firefox). Die Appstore-Logik würde solche Programme nicht mehr zulassen. Die vorgegebenen Richtlinien sprechen eine klare Sprache. Keine Testversionen dürfen es sein, keine Stromfresser, keine Filesharingdienste, keine süchtig machenden Apps, keine diffamierenden, keine Killerspiele und keine Apps, die vorinstallierte Apple-Dienste replizieren. Nicht umsonst gibt es kein anderes Mailprogramm für das iPhone als das vorinstallierte "Mail".

Appstore bietet Orientierung
Doch ein Großteil der Computeruser dürfte sich überfordert fühlen von den Möglichkeiten, die ihnen die freie Wahl von Software bietet. Welches Programm ist besser? Welches entspricht eher meinen Bedürfnissen? Lohnt sich ein Update? Und wie kann ich es installieren? Diese User brauchen Orientierung. Und die bietet der Appstore. Mit Bewertungen von Usern und Kriterien seitens Apple, die Redundanz weitestgehend ausschließen.

Der nächste Schritt erscheint logisch: Dürfte Apple mit dem Mac Appstore Erfolg haben, bestünde keine Notwendigkeit mehr, Software über andere Wege auf Macs zu installieren. Warum sollte Apple sich diese Einnahmequelle entgehen lassen? Immerhin bedeutet das Appstore-Modelle eine Gewinnbeteiligung an jeder verkauften App.

Aufmerksamkeit für einen hohen Preis
Auch Programmierer dürften sich nicht unbedingt freuen. Wer im Appstore landet, bekommt zwar die Aufmerksamkeit der User. Doch dafür Zahlen Programmierer, Unternehmen und Verlage einen hohen Preis: Denn Apples Prüfverfahren für Apps gilt als undurchsichtig. Die Entwicklung von Tools ist für Programmierer zwar kostenlos. Doch sobald Programme in den App Store sollen, werden 99 Dollar (Basisversion) oder 299 Dollar (Business) fällig. Außerdem hält Apple 30 Prozent der Verkaufserträge ein. Dafür müssen sich Programmierer bei diesem Vertriebssystem nicht weiter darum kümmern, wie ihre Software unter die Leute kommt.

Der Mac Appstore dürfte sich zudem in der Preisstruktur von iPad und Co. deutlich unterscheiden. Ein Blick auf die Appstore-Vorschau verrät, dass Apple seine iLife-Programme iPhoto, iMovie und GarageBand einzeln verkaufen will – für 15 Dollar.

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