Der Präsident als Focus-Muselmann

Die Diskussion um “Tatort Internet“ reißt nicht ab. Jetzt hat sich Beate Krafft-Schöning, die in der Serie Männer stellt, die Sex-Kontakte zu Minderjährigen suchen, an ihre Kritiker gewandt. “Konstantingate” erschüttert DuMont. Der Verlag bat Stefan Niggemeier, die irren Kommentare, die vielleicht, vielleicht auch nicht von Konstantin Neven DuMont stammen, zu löschen. Der Focus erprobte Satire auf dem Titel und zeigte Bundespräsident Wulff als Muslimen und Schöner Wohnen feiert ein kiloschweres Jubiläum.

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Manche Zeitgenossen empfinden das Format “Tatort Internet” bei RTL II als krawallig und sehen die Persönlichkeitsrechte der vom Filmteam konfrontierten Männer verletzt. Die Journalistin Beate Krafft-Schöning, die in der Reihe die Konfrontationen übernimmt, hat auf der Website der von ihr gegründeten Initiative Netkids nun eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin heißt es u.a.: “Ich verwahre mich gegen den immer wieder erhobenen Vorwurf, Männer seien in die Falle gelockt worden. Es wird gemutmaßt, dass von mir in der Weise gechattet wurde, dass der Tatbestand der Anstiftung zu einer Straftat gegeben sein könnte. Das ist unrichtig! Ich spreche nie jemanden im Internet an, sondern ‘setze’ mich lediglich in Chaträume und warte auf Ansprache.” Sie fordert ihre Kritiker auf, Kinder und Jugendliche mal zu fragen, welche Erfahrungen sie in Chats so gemacht haben. Das könnte bei der Meinungsbildung vielleicht tatsächlich hilfreich sein. Wenig hilfreich ist dagegen, wie das ZDF in dieser Woche mit de Thema Kindesmissbrauch umgegangen ist. Die Mainzer sendeten die Doku: “Missbrauch per Mausklick – Kinderpornografie im Internet” am Mittwoch um 0.35 Uhr. Also die übliche Zeit, zu der so was in öffentlich-rechtlichen Sendern gemeinhin gezeigt wird. 20.15 Uhr war reserviert für Schmalz-Geiger André Rieu und seine “Rosen aus dem Süden”. Naja, zumindest viele Zuschauer dürfte auch “Tatort Internet” ab nächster Woche nicht mehr finden. Dann laufen beim großen Brudersender RTL wieder die lechzenden Landwirte beim Quotenrenner “Bauer sucht Frau”. Die Sendung ist zwar offenkundig menschenverachtend, darf aber politisch korrekt bejohlt und beklatscht werden.

Focus-Chef Wolfram Weimer pflegt als Focus-Chefredakteur weiter eine Vorliebe für unkonventionelle Titelbilder. Diese Woche zeigte er Bundespräsident Christian Wulff mit Fez und eindrucksvollem Schnurrbart in einer Fotomontage als Klischee-Muslimen vom Dienst auf dem Focus-Cover. Das passte zwar thematisch zur Türkei-Reise samt Rede des Präsidenten ganz gut. Dass man am Kiosk aber Focus und Titanic beinahe verwechseln könnte, da muss man sich wohl erst noch dran gewöhnen. Fragt sich vor allem, wer bei einer Verwechslung schockierter wäre: der Focus-Leser oder der Titanic-Fan…

Konstantingate” erschüttert den Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg. “Schockiert”, “entsetzt” sei man im Haus. Das hört man, wenn man Mitarbeiter fragt, wie denn so die Stimmung ist, nachdem Stefan Niggemeier enthüllt hat, dass unter der Mailadresse und IP-Nummer des Verlagserben Konstantin Neven DuMont hunderte bizarrer Kommentare unter zig verschiedenen Pseudonymen in Niggemeiers Blog abgeladen wurden. Die Reaktionen Neven DuMonts (abstreiten, verreisen, schweigen) sind nicht dazu angetan, dass man den schmallippigen Dementis aus dem Verlag sofort Glauben schenken möchte. Jetzt hat Stefan Niggemeier nachgelegt und veröffentlicht, dass er vom Verlag gebeten wurde, die ganzen Crazy-Kommentare doch bitte zu löschen. Seine naheliegende Frage, warum er das tun soll, blieb bisher unbeantwortet. Wie so vieles in diesem seltsamen und verstörenden Vorfall.

Seit 50 Jahren stimmt die G+J-Zeitschrift Schöner wohnen schon das Hohelied auf das Architektenhaus an und adelt Exemplare dieser Gattung mit dem Titel "Haus des Jahres". Die Jubiläumsausgabe dieser Woche zeigt, dass das Magazin auch im fortgeschrittenen Alter auf überaus solidem Fundament steht: Ein Kilo schwer ist das aktuelle Heft, in dem Chefredakteur Stephan Schäfer an die Inhalte der ersten Ausgabe 1960 erinnerte. "So kamen wir zum Eigenheim" oder ein "Haus für 33.000 Mark" – wer wünscht sich da nicht die alte Zeit zurück? Randvoll mit Fotos moderner Klassik, Service rund um Bauen und Einrichten und jeder Menge Anzeigen bringt es Schöner Wohnen auf mehr als 400 Seiten; auch das ist rekordverdächtig. Da gratuliert auch MEEDIA und wünscht noch viele heimelige Hefte.

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