Der Angriff der Apps auf die übrige Welt

Während die meisten Apple-Jünger sich nach der jüngsten Produkte-Präsentation an den neu vorgestellten Laptop-Schönheit MacBook Air erfreuen dürften, lag die eigentliche Brisanz von Steve Jobs’ gewohnt großspurigen Ankündigungen ganz woanders: Der iGod verkündete das bei iPhone und iPad so erfolgreiche Modell der Miniprogramme, Apps genannt, auf normale Computer zu erweitern. Damit legt Apple den Grundstein für eine Revolution im Umgang mit Software, die für Medienanbieter große Chancen eröffnet.

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Die Apps sind so etwas wie das Einfallstor für attraktive Bezahl-Inhalte. Nutzer sind es gewohnt, auf iPhones und iPads für die Miniprogramme Geld zu bezahlen. Meist sind es kleinere Beträge, zwischen 79 Cent und 3,99 Euro. Selbst vergleichsweise komplexe Programme, wie die Textverarbeitung Pages, kosten überschaubare 7,99 Euro. Wenn sich dieses Modell nun auch für Laptops und stationäre Rechner durchsetzt, wäre das eine gute Nachricht für Nutzer und Medienanbieter – und eine sehr schlechte für klassische Software-Hersteller wie Microsoft.

Der Windows-Konzern verlangt für die aktuelle Version seines Textverarbeitungsprogramms Word noch über 150 Euro. Zwar bietet Word eine schier unüberschaubare Fülle an Funktionen, für die meisten Nutzer ist dieser Funktions-Overkill aber eher lästig und wird ohnehin nicht genutzt. Für den stinknormalen Heimanwender reicht die App-Version einer Textverarbeitung völlig aus. Die meisten wären ohnehin schon mit den Standard-Funktionen einer komplett kostenlosen Text-Lösung, wie dem Google Text&Tabellen-Tool, gut bedient.

Die so genannte App-Economy, der Siegeszug der leicht konsumierbaren Mini-Programme, hat in Sachen Pricing zwei wesentliche Effekte: 1. Die Bezahl-Apps sind einfacher aber auch deutlich billiger als bisherige, konventionelle Programme. Das bedeutet, das Preis-Niveau von Software sinkt drastisch. Es wird mehr Software (Apps) verkauft aber das zu viel geringerem Stückpreis. 2. Die Hemmschwelle zum Kauf sinkt beträchtlich. In der App-Economy gilt: Die Masse macht’s.

Gerade für Medienanbieter ist die Erweiterung des App-Stores auf konventionelle Computer eine gute Nachricht. Damit können Verlage und TV-Stationen ihre Bezahl-Apps bald auf jeden Rechner mit einem Apple-Betriebssystem bringen. Die potenzielle Reichweite, und damit der mögliche Umsatz, von Apps wird somit vervielfacht. Andere Computer-Hersteller können von dieser Entwicklung nur bedingt profitieren. Die Hard- und Softwarewelt außerhalb des Apple-Reichs ist nämlich sehr fragmentiert. Die einzige Firma, die ein ähnliches Konzept wie Apple theoretisch etablieren könnte, ist Google. Google hat mit dem, noch in Kinderschuhen steckenden, Betriebssystem Chrome, dem gleichnamigen Browser und dem Handy-Betriebssystem Android samt Android Market genau wie Apple alle Komponenten für eine erfolgreiche App-Erweiterung auf PCs in der Hand. Der Konkurrenzkampf Apple gegen Google dürfte sich in naher Zukunft also weiter zuspitzen. Und Microsoft schaut in die Röhre.

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