Yahoo: Weiter 1.0 in einer 2.0-Welt

Immer noch kein Ausrufezeichen aus Sunnyvale: Fast zwei Jahre nach Übernahme der Amtsgeschäfte durch CEO Carol Bartz lässt der große Befreiungsschlag weiter auf sich warten. Die vorlegten Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal trafen in etwa die Analystenerwartungen, aber sie überzeugten nicht nachhaltig: Die Gewinne zogen dank Kostenkürzungen etwas an, die Umsätze gaben dagegen leicht nach. Solange keine neueTurnaround-Strategie erkennbar ist, dürften die Fusion-Gerüchte mit AOL nicht verstummen.

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Immer noch kein Ausrufezeichen aus Sunnyvale: Fast zwei Jahre nach Übernahme der Amtsgeschäfte durch CEO Carol Bartz lässt der große Befreiungsschlag weiter auf sich warten. Die vorlegten Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal trafen in etwa die Analystenerwartungen, aber sie überzeugten nicht nachhaltig: Die Gewinne zogen dank Kostenkürzungen etwas an, die Umsätze gaben dagegen leicht nach. Solange keine neue Turnaround-Strategie erkennbar ist, dürften die Fusion-Gerüchte mit AOL nicht verstummen.

Es ist mit Yahoo ein bisschen wie einem alternden Wunderkind, das nie sein Versprechen einlösen konnte. Da war einmal etwas vor vielen Jahren, an das man sich erinnert – etwas, wo Yahoo Pionier war, etwas, dass das einstige Internetverzeichnis zum vermeintlich kommenden Medienunternehmen neuen Zuschnitts machen sollte – doch das ist lange her.

Mehr als zehn Jahre genauer gesagt, als das boomende Online-Portal auf den letzten Metern des alten Millenniums in den S&P 500 aufstieg, sich der Kurs in wenigen Wochen Ende 1999 verdoppelte und Yahoo tatsächlich mit mehr als 100 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Teilerfolg: Gewinnanstieg durch Kostensenkung

Doch nach einem Jahrzehnt des Abstiegs vermag der Internet-Portalbetreiber auch nach der Übernahme der Geschäfte durch CEO Carol Bartz, die auch schon wieder fast zwei Jahre im Amt ist, immer noch nicht an die früheren Glanzzeiten anzuknüpfen. Immerhin: Die Bemühungen sind erkennbar – doch der große Befreiungsschlag lässt weiter auf sich warten.

Zwar verkündete Yahoo selbst stolz eine Gewinnverdopplung auf 29 Cents oder 396 Millionen Dollar. Doch maßgeblichen Anteil hatte daran der Verkauf der Online-Jobbörse HotJobs, der allein mit 13 Cent zu Buche schlug. Unterm Strich blieb also der Gewinnanstieg von 13 auf 16 Cent je Aktie – ein Achtungserfolg, da Analysten mit nur 15 Cent je Anteilsschein gerechnet hatten. Erzielt wurde das Gewinnwachstum durch einen strikten Sparkurs – die Saniererin Carol Bartz baute etwa 2000 Stellen ab.   

Analyst: "Yahoo ist weiter ganz schön unter Druck"

Doch die Enttäuschung folgte auf dem Fuße:  Die Umsätze abzüglich der Traffic-Akquisitionskosten (TAC) fielen marginal auf 1,12 Milliarden Dollar, Analysten hatten zumindest mit 1,13 Milliarden gerechnet, dem Vorjahreswert. Auch der Umsatz-Ausblick im laufenden Quartal lag mit einer Prognose zwischen 1,125 und 1,225 Milliarden Dollar unter den Analystenerwartungen.

Entsprechend fielen die ersten Reaktionen der Banken aus: "Yahoo ist weiter ganz schön unter Druck", erklärte etwa Colin Gillis von BGC Partners gegenüber Bloomberg nach Bekanntage der Ergebnisse. "Sie sehen weiter wie ein 1.0-Gebilde in einer 2.0-Welt aus", urteilte Gillies. Auch Citigroup-Analyst Mark Mahaney sieht kurzfristige keine Katalysatoren, die das Geschäft beflügeln könnten.

AOL-Gerüchte: "Kein Kommentar"

Da überrascht fast die freundliche Reaktion der Börse mit einem nachbörslichen Plus von einem Prozent auf 15,64 Dollar, zumal Yahoo mit Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22 immer noch höher bewertet wird als Wachstumsfavoriten wie Apple.

Das mag zu einem nicht unwesentlichen Teil an den anhaltenden Spekulationen um eine Fusion mit bzw. eine Übernahme durch AOL und Private Equity-Investoren liegen, die die Aktie zuletzt zweistellig beflügelt hatte. Carol Bartz gab dazu im anschließenden Conference Call jedoch die erwartete Antwort: "Kein Kommentar."

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