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Der Reserve-Kanzler und das Medien-Biest

Der KT-Boom in den Medien erreicht einen neuen Höhepunkt. Sowohl Bunte als auch Spiegel haben das Polit-Power-Paar zu Guttenberg auf ihre Titelseiten gehievt. Während sich Bunte wegen der hässlichen Diskussion über die schöne Stephanie und ihre RTL-II-Show “Tatort Internet” sorgt, schreibt der Spiegel von den “fabelhaften Guttenbergs” und phantasiert von einem “”Paarlauf ins Kanzleramt”. Der Verteidigungsminister und seine Frau elektrisieren nicht nur Bürger, sondern in erster Linie die Medien.

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Vielleicht ist es ist nämlich in Wahrheit so, dass Medien Karl Theodor zu Guttenberg und seine Frau noch viel viel mehr brauchen, als das angeblich so nach Tatkraft lechzende Wahlvolk. Die zu Guttenbergs haben einen in der Tat erstaunlichen Aufstieg hinter sich. “KT” hat als Überraschungs-Besetzung im Wirtschaftsministeriums noch in der schwarz-roten Regierung eine gute Figur gemacht.

Dann bekam er das schwierige Verteidigungsministerium aufgehalst. Zu Überraschung einiger hat er dort nicht versagt oder ist in die Bedeutungslosigkeit abgetaucht. Stattdessen scheint es, als perle selbst die vom Vorgänger geerbte Kunduz-Affäre an ihm ab. Und nun schickt er sich sogar an, mit der als Aussetzung getarnten Abschaffung der Wehrpflicht als so ziemlich einziger Minister eine echte Struktur-Reform durchzubekommen. Das alles ist keine kleine Leistung. Der Mann hat ohne Zweifel großes politisches Talent und kommt dazu noch beim Wahlvolk gut an. Ein gefundenes Fressen für die mediale Verwertungskette.

Karl Theodor zu Guttenberg ist wegen seiner Art, seiner Herkunft und seiner Präsenz eine unwiderstehliches Spekulationsobjekt für mediale Analysen. Immer auf der Suche nach der nächsten Story, dem nächsten Hype, wurde die zu-Guttenberg-Aktie schon zigfach hoch- und runter-gejazzt.  Einmal wurde er zum “Kanzler in Reserve” (Focus) gemacht, der Spiegel höchstselbst hat ihn im Dezember vergangenen Jahres, als die Kunduz-Affäre ihn noch zu beschädigen drohte, als “Der Entzauberte” auf den Titel genommen und ihn wenig später wieder als "Der Unantastbare" geadelt. Immer eilig darum bemüht, ja auch den nächsten Gegentrend nicht zu verpassen. Unschuldig an der Schlagzeilen-Achterbahnfaht sind die zu Guttenbergs selbst natürlich nicht. Seine Vorliebe für posenhafte Fotos, als Wirtschaftsminister auf dem Times Square oder als Verteidigungsminister im Truppen-Flieger, und das Drängen seiner Frau in den Trash-Kanal RTL II, liefern immer neues Bilder- und Geschichten-Futter für den notorisch unersättlichen Medien-Apparat.

Jetzt läuft es gerade wieder gut für zu Guttenberg und der Spiegel reiht ihn und seine Frau schon ein in eine Galerie der internationalen Politiker-Paare wie Michelle und Barack Obama, Carla Bruni und Nicolas Sarkozy oder Cherie und Tony Blair. Als tristes Gegenbild muss dabei stets die Immer-Noch-Kanzlerin Angela Merkel herhalten. Sie hält keine schönen Reden, hat meistens heruntergezogene Mundwinkel und ihr Ehemann hält sich vor den Medien versteckt (was sein gutes Recht und wahrscheinlich keine so dumme Idee ist).

Den politischen Gegnern und Rivalen zu Guttenbergs kommt die aktuelle Medien-Hysterie um den Verteidigungsminister und seine schöne Frau, die bei RTL II Kinderschänder jagt, gerade Recht. Schnell wird aus einem Vorzeige- ein Zerr-Bild von macht- und aufmerksamkeitshungriger Eitelkeit. Laut Bild ist Stephanie zu Guttenberg jetzt angeblich “entsetzt” über die Art, wie über ihre reißerisch aufgemachte RTL-II-Show diskutiert wird. Das hätte man ihr vorher sagen können.

Die Entscheidung von Frau zu Guttenberg, diese vielfach kritisierte Sendung bei RTL II zu machen, war wahrscheinlich ein Fehler. Der Sache des Vereins Innocence in Danger, der sich gegen Kindesmissbrauch richtet und für den sie sich engagiert, wird die Show im Zweifel eher schaden als nützen. Ebenso lieferte sie mit ihrem exponierten Medien-Engagement überhaupt erst die Steilvorlage für die neuerlichen Polit-Power-Paar-Geschichten, die nun in großer Zahl zusammengezimmert werden. Der Politik-Berater und -Beobachter Michael Spreng hat in seinem immer lesenswerten Blog Sprengsatz bereits vom “Ikarus Guttenberg” geschrieben und die berechtigte Frage gestellt, ob mit der aktuellen Spiegel-Titelstory der “Punkt erreicht ist, an dem das Wachs seiner Flügel zu schmelzen beginnt.”

Nun bemüht sich “KT” seit diesem Wochenende mit abwertender Wortwahl (“Mumpitz”, “Bizarr”) die wild ins Kraut schießenden Kanzler-in-Reserve-Berichte im Zaum zu halten, die er selbst und seine Frau mit angefeuert haben. Die zu Guttenbergs haben das Medien-Biest eifrig gefüttert. Jetzt müssen sie aufpassen, dass sie nicht von ihm gefressen werden.

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