„Apps kannibalisieren nicht das Print-Heft“

Mobil-Applikationen müssen für Verlage längst kein Zuschussgeschäft mehr sein. Das beste Beispiel dafür liefert TV-Spielfilm. Unter den deutschen iPhone-Apps ist das Burda-Angebot mit 1,25 Mio. Downloads Lifestyle-Marktführer. Im MEEDIA-Interivew verrät Produktmanager Andreas Mauch, dass "wir dieses Jahr 30 % Mehrerlöse im digitalen Bereich durch unsere mobilen Angebote generieren." Zudem widerspricht er, dass Apps die Print-Verkäufe kannibalisieren. Neben der Apple-App startet jetzt auch eine Android-Version.

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Mobil-Applikationen müssen für Verlage längst kein Zuschussgeschäft mehr sein. Das beste Beispiel dafür liefert TV-Spielfilm. Unter den deutschen iPhone-Apps ist das Burda-Angebot mit 1,25 Mio. Downloads Lifestyle-Marktführer. Im MEEDIA-Interivew verrät Produktmanager Andreas Mauch, dass "wir dieses Jahr 30 % Mehrerlöse im digitalen Bereich durch unsere mobilen Angebote generieren." Zudem widerspricht er, dass Apps die Print-Verkäufe kannibalisieren.  Neben der Apple-App startet jetzt auch eine Android-Version.

Wie viele Downloads der TV-Spielfilm-iPhone-App gibt es bereits?
Momentan stehen wir bei etwa 1,25 Millionen Downloads.

Ist TV-Spielfilm damit wirklich weltweit unter den Top 20? An welcher Position liegt die App? Wer ist die Nummer eins?
Es ist leider ziemlich  schwierig, das genau zu belegen, weil die Download-Zahlen nirgends zentral, transparent und aktuell gelistet werden. Wir haben vor einem halben Jahr alle veröffentlichten Download-Zahlen in ein inoffizielles Ranking überführen lassen. Natürlich sind die Apps von Facebook, Twitter etc. ganz vorne zu finden. Aber wir kamen dabei unter die ersten 25 – das hat uns schon stolz gemacht. Sicher ist jedenfalls, dass wir in Deutschland die Nummer eins unter den Lifestyle-Marken sind.

Es gibt jetzt auch eine Android-App. Wie viele Downloads peilen Sie für dieses Angebot an?
Der Markt entwickelt sich sehr dynamisch. Aber Prognosen sind momentan noch schwer. Ich gehe davon aus, dass wir recht schnell einen Bereich von rund einer Million Downloads erreichen werden. Das genaue Tempo hängt aber davon ab, wie schnell sich Android verbreitet.

Wird Android langfristig erfolgreicher und wichtiger als Apple-Apps?
Derzeit spricht viel dafür. Android gewinnt im Vergleich zu anderen Betriebsystemen deutlich an Marktanteil. Immer mehr Gerätehersteller setzen auf Android, vor allem auch im mittleren Preissegment der Smartphones und Tablets, das wird für zusätzliches Wachstum sorgen. Wir kooperieren zum Start beispielsweise mit Samsung. In den ersten zehn Wochen gibt es unsere App exklusiv für Samsung-User.

Was kann die Android-App, was die Apple-Version nicht auch kann?

Funktional sind die beiden Apps sehr ähnlich. Da unsere iPhone-App so erfolgreich ist, haben wir keine größeren Anpassungen vorgenommen.

Verdienen Sie mit ihren Apps bereits Geld?  
Ja. Unter der Marke TV Spielfilm generieren wir dieses Jahr 30 Prozent Mehrerlöse im digitalen Bereich durch unsere mobilen Angebote.

Gewinnen Sie durch die Apps neue Leser oder sind die aktuellen Nutzer alle auch Print-Leser?
Eine Befürchtung, die immer wieder geäußert wird, ist: Apps kannibalisieren das gedruckte Heft. Das können wir so überhaupt nicht bestätigen. Wenn Sie sich unsere hart verkaufte Auflage im Vergleich zu den App-Nutzungszahlen ansehen, werden sie keinen negativen Effekt feststellen können. Im Gegenteil: Wir erreichen neue User, binden diese dauerhaft an uns und stärken das Marken-Image.

Sorgt die App dafür, dass eine TV-Spielfilm mehr verkauft wird oder verhindern Sie durch die Apps einfach nur, dass die Kunden zu einem anderen Mobil-Angebot abwandern?
Wir verhindern mit unserer eigenen, sehr guten App ein Abwandern zur Konkurrenz und bringen wohl auch Nutzer anderer Apps dazu, zu TV Spielfilm zu wechseln.

Sie sind sehr früh mit einer App in den Markt eingestiegen. Gilt in diesem Fall das Motto: Lieber früh und nicht ganz perfekt als zu spät?
Wir sind gar nicht so früh in den Markt eingestiegen. Andere Angebote waren vor uns im Store verfügbar. Wir haben uns bewusst Zeit gelassen bei der technischen Entwicklung der App, um ein ausgereiftes Produkt an den Markt zu bringen. Nach mehr als 13.000 Bewertungen im Store mit einerm Durschnitt von drei Sternen können wir sagen: das ist uns gelungen.  

Wiederholt man, wenn man jetzt Apps konstenlos anbietet, nicht den alten Web-Fehler, zu spät mit der Suche nach Erlösmodellen zu beginnen?
Die Frage, ob "free" oder "pay" besser ist, hängt sehr stark von der jeweiligen App-Idee ab. Wir haben beides ausprobiert, da wir zeitgleich zur TV-Spielfilm-App auch kostenpflichtige Apps von Cinema und TV Today gelauncht haben. Wir halten die grundlegenden TV-Informationen wie Sendezeiten für “Commodity”. Sie sind frei verfügbar im Netz und waren dies auch schon über Apps, bevor wir im Store waren. Wir machen bislang sehr gute Erfahrungen damit, die TV-Spielfilm-App durch Vermarktungserlöse zu refinanzieren. Unsere Vermarkter können den Kunden mit dem Dreiklang "Heft, Website, App" zudem crossmediale und sehr reichweitenstarke Lösungen anbieten.

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