Medien-Elefanten in der Zeitschleife

Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sprach beim traditionellen Medien-Gipfel zur Eröffnung der Münchner Medientage ein großes Wort gelassen aus: "Das ist ein Ritual seit Jahren, wir kommen damit nicht weiter." In der Tat wirkte die Elefantenrunde der Medienmächtigen wie in einer Zeitschleife gefangen. Seit Jahren sattsam bekannte Argumente wurden ausgetauscht und immergleiche Forderungen erhoben. Wie zum Beispiel die nach einer Werbefreiheit von ARD und ZDF.

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Privatrundfunk-Cheflobbyist und VPRT-Präsident Jürgen Doetz, vom Dauer-Moderator Helmut Markwort liebevoll als "Dauer-Präsident" eingeführt, kann es offenbar selber auch kaum noch hören. Er werde diesmal nicht die Werbefreiheit von ARD und ZDF fordern, das sei ja alles schon lange bekannt und Ministerpräsident Horst Seehofer stelle sich dahin und sage, man mache das jetzt mal und so weiter und sofort, schimpfte Doetz.

In der Tat hat sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in seiner Eingangsrede als Anhänger einer Werbefreiheit von ARD und ZDF zu erkennen gegeben. Aber auch gleich eingeschränkt, man werde darüber erst diskutieren, wenn die nun anstehende Gebührenreform hin zu der auch nicht ganz unumstrittenen Haushaltsabgabe vollzogen ist. Gut möglich, dass die Werbefreiheit dann tatsächlich erst am "St. Nimmerleinstag", wie Doetz argwöhnte, auf der politischen Tagesordnung steht.

Die Diskussion mit den Granden von ARD (SWR-Intendant Peter Boudgoust), ZDF (Intendant Markus Schächter), RTL (Anke Schäferkordt), ProSiebenSat.1 (Andreas Bartl), Verlagswesen (Döpfner und Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen) und Internet (Google-Europa-Chef Philipp Schindler) schleppte sich lange Zeit zähflüssig dahin. Leistungsschutz ja, nein, vielleicht, und wenn, dann wie? Gebühren wozu und wie viel? Ist Google jetzt das neue Grosso, wie Kallen meint, oder doch nicht, und was ist mit den Apps?

Einen Neuigkeits-Partikel warf Peter Boudgoust in die Runde, als er ankündigte, die ARD werde künftig auch kostenpflichtige Apps für mobile Geräte wie iPhone oder iPad produzieren. Um der Sache aber gleich wieder die Brisanz zu nehmen, beeilte er sich zu versichern, dass die von Verlegern so gefürchtete "Tagesschau"-App selbstverständlich gratis bleibe.

Ein wenig Leben kam erst in die Runde, als Helmut Markwort pointiert und spitz nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Privatfernsehens am Beispiel RTL fragte. "Da benutzen jeden Nachmittag Tätowierte Ausdrücke, die ich in meiner Jugend höchstens auf dem Pissoir gelesen habe", so Markwort. Der Bohlen verhunze die deutsche Sprache, und Shows wie "Das Supertalent" seien zwar "ein Mega-Knaller" aber als niveaulose Freakshow gesellschaftlich bedenklich. Markwort: "Früher gab es auf Jahrmärkten die Dame ohne Unterleib, heute zeigt RTL beim Supertalent einen Mann samt seinem Unterleib, der mit dem Penis Bilder malt."

RTL-Chefin Schäferkordt reagierte angefressen von den Vorwürfen und verwies darauf, dass ihr Sender ja auch anderes zeige. Die eigentliche Verteidigung überließ sie aber Springer-Chef Döpfner, der sich bei Niveau-Diskussionen als oberster Bild-Zeitungs-Manager immer gleich mit angegriffen fühlt. Es gehe nicht darum, mit Müll Geld zu machen, beschied er dem offenbar ehrlich entrüsteten Markwort, sondern darum, mit Geist Geld zu machen, aber auf unterschiedlichen Niveaus. Es gebe nun auch mal niedere Instinkte und Unterhaltungsbedürfnisse, und die sollten von Medien genauso befriedigt werden wie kulturell hochstehende.

Am Ende blieb die Erkenntnis, dass nicht nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk, das Pressewesen und das Verhältnis von klassischen Medien und Digitalunternehmen reformiert gehört, sondern auch der Mediengipfel auf den Medientagen München. Dringendste Maßnahme: Verkleinerung des Panels. Filmhändler Herbert Kloiber kam kaum zu Wort und der Bayerische Landesmedienanstalts-Präsident Wolf-Dieter Ring saß wohl ohnehin nur aus medienpolitischem Proporz bzw. aus alter Gewohnheit mit dabei. Also: Maximal fünf Teilnehmer. Je ein Vertreter von öffentlich-rechtlichen Sendern und vom Privatfunk, einer von Verlagen, einer aus der Politik und ein Externer plus Moderator. Dann wird’s im nächsten Jahr vielleicht auch was mit der Diskussion. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – nicht nur, was die Werbefreiheit von ARD und ZDF betrifft.

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