Der Axel-Springer-Chef gibt den Winnetou

Am Anfang stand ein langer Witz und am Ende ein Zitat aus “Winnetou 3”. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, hielt eine souveräne Keynote zum Mediengipfel der Medientage München. Dabei gab er zwar viel Altbekanntes von sich, hatte aber auch neue, unkonventionelle Vorschläge parat. Er riet zu Kompromissen im Streit zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. ARD und ZDF sollten für Apps Geld nehmen, so Döpfner, dann gebe es keine Wettbewerbsverzerrung mehr.

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Natürlich ging der Vorschlag, dass ARD und ZDF für Apps Geld verlangen Hand in Hand mit der Forderung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender dann auch auf Werbung und jede Form von Sponsoring verzichten mögen. Wie sich im Laufe der folgenden Diskussionsrunde zeigte, eine immer wieder gerne gestellte Forderung, deren Realisierung aber noch in weiter Ferne liegt, um das Mindeste zu sagen.

Wahrscheinlich glaubt der Springer-Chef auch selbst nicht so ganz daran, dass dieser Vorschlag in absehbarer Zeit in die Tat umgesetzt wird. Döpfner ging es wohl eher darum, einen neuen Gedanken in die Runde zu werfen und klar zu machen, dass es durchaus lohnen kann, Kompromisse zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Verlagen auszuloten. Abseits von der von Döpfner konstatierten Wettbewerbsverzerrung durch ARD und ZDF im Digitalgeschäft und der von Verlagen selbst geförderten Gratis-Mentalität, malte er die digitale Zukunft für Medienanbieter in rosigen Farben.

Als eindrucksvolles Beispiel nannte er den bekannten japanischen Videospielehersteller Nintendo. “Was glauben Sie, wie alt die Firma Nintendo ist”, fragte er in die Runde und gab die Antwort gleich selbst: 120 Jahre. Nintendo ist nämlich nicht als Videospiel-Produzent groß geworden, sondern hat seine unternehmerischen Wurzeln im Bedrucken von Spielkarten. Die Analogie zur Verlagswelt war überdeutlich.

Trotzdem sei das Trägermedium Print nicht am Ende. Microsoft-Gründer Bill Gates habe mal das Ende von Print für das Jahr 2000 vorhergesagt aber immer noch würden gute Renditen mit gedruckten Zeitungen und Zeitschriften erwirtschaftet, so Döpfner. Der Trend hin zum Digitalen sei aber trotzdem unumkehrbar.

Neue mobile Geräte wie Smartphones oder Tablet-PCs bezeichnete er nicht zum ersten Mal als Riesenchance, weil es beim Publikum bereits gelernt sei, auf diesen Geräten zu bezahlen. Die momentane Abhängigkeit von Geräten und Abrechnungsmodalitäten der Firma Apple sieht Döpfner dabei nur als Zwischenschritt. Der Wettbewerb werde schon dafür sorgen, dass es in Zukunft zahlreiche Anbieter von Tablet-PCs, Smartphones und App-Stores gebe, über die digitale Medien-Inhalte verbreitet werden können. Auch ein Gerät wie das iPad, bezeichne erst den Anfang einer Entwicklung, sagte Döpfner und gab sich ganz visionär: “Wie ein iPad in zehn Jahren aussieht wissen wir nicht. Vielleicht tapezieren wir unsere Wände dann mit elektronischen Bildschirmen." Eine interessante Idee.

Dann verteilte der Springer-Boss noch ein paar Watschen in Richtung des BDI, weil der das von Verlagen geforderte Leistungsschutzrecht als Kostenfaktor für Betriebe gegeißelt hatte. Döpfner: "Es erfüllt mich mit großer Überraschung, dass ausgerechnet der BDI sich öffentlich so leidenschaftlich gegen das Thema Leistungsschutzrecht positioniert hat." Das wäre ja so, als ob alle Verleger sich plötzlich fürs gratis Tanken einsetzen würden. Die Kritik des BDI am Leistungsschutzrecht müsse ja wohl ein Missverständnis sein, meinte Döpfner süffisant.

Auf klassische Medien, so das wenig überraschende Fazit des klassischen Medienmanagers Döpfner, werde man auch in der digitalen Zukunft weder verzichten können, noch wollen. In Zeitungen und Zeitschriften finde man, anders als bei Google und Co., Informationen von denen man noch gar nicht gewusst habe, dass sie einen interessieren. Nicht jeder Medienkonsument wolle sein eigener Programmdirektor sein, sagte Döpfner und zog einen Vergleich zu antiautoritären Kindergärten der 60er Jahre. Damals hätten die Kinder zu ihren Erzieherinnen gesagt: “Müssen wir heute schon wieder spielen, was wir wollen.” Analog zur Medienwelt würde das wohl heißen: “Müssen wir heute schon wieder lesen, was wir uns selber zusammengegoogelt haben?”

Ans Ende seiner, demonstrativ vor dem Pult frei gehaltenen, Rede setzte Döpfner dann, ganz Mann der Traditions-Inhalte, ein Zitat aus “Winnetou 3”. Als Winnetou und Old Shatterhand in dem Streifen einen neumodischen Zug fahren sahen, zeigte sich Old Shatterhand skeptisch ob der neuen Technik des Dampfrosses. Aber sein indianischer Blutsbruder beschied ihn weise: "Nur wer sich dem Fortschritt nicht verweigert, wird überleben." Dass der weise Winnetou am Schluss von “Winnetou 3” trotz dokumentiertem Fortschrittsglauben erschossen wird, ließ Döpfner lieber unerwähnt.

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