RTL II: „Tatort Internet“ wird zum Problem

Die umstrittene Reihe "Tatort Internet - Schützt endlich Eure Kinder" könnte für den Sender RTL II nach hinten losgehen. Wie das Blog netzpolitik.org berichtet, seien erste von der Sendung belastete Männer im Internet "geoutet" worden - offenbar wegen der genauen Beschreibungen in der Sendung. Sollte dies der Fall sein, sehen Anwälte rechtliche Probleme. So gelte das Persönlichkeitsrecht auch für potenzielle Straftäter. Zudem würde das RTL-II-Format das von ihr angeprangerte "Grooming" fördern.

Anzeige

netzpolitik.org berichtet am Dienstag davon, dass inzwischen zwei in der RTL-II-Sendung beschuldigte Männer durch Internet-Recherchen geoutet wurden. Möglich geworden sei das durch die "zahllosen Details, die in der Sendung zur permanenten Konfrontation mit dem eigenen Ekel dienen". Offenbar würden entsprechende Suchbegriffe bei Google inzwischen schnell zum Klarnamen und der Postadresse eines Beschuldigten führen.

Das Blog stellt die Fragen: "Nehmen die Veranwortlichen Lynchjustiz, oder zumindest die Zerstörung von Existenzen jenseits rechtsstaatlicher Strafverfahren billigend in Kauf?" Und in der Tat könnten nicht nur auf die Beschuldigten, sondern auch auf RTL II rechtliche Probleme zukommen. So schreibt Fachanwalt Thomas Stadler in seinem Blog Internet-Law: "Sollte aufgrund der Angaben, die zu der Person der gefilmten Täter gemacht werden, eine Identifizierbarkeit möglich sein, kommt außerdem eine Persönlichkeitsrechtsverletzung hinzu.". "Außerdem", weil der Anwalt auch andere rechtliche Bedenken hat. So würde die Journalistin, die in "Tatort Internet" das Grooming, also das Ansprechen von Kindern mit sexuellem Hintergrund, anprangert, diese Taten sogar fördern.

Bereits vor einigen Tagen hatte Medienrechtlerin Dorothee Bölke Probleme bei "Tatort Internet" gesehen. Ihrer Meinung nach sei "das Mitschneiden der Stimme vermeintlicher Sexualtäter grundsätzlich strafbar", auch wenn der Ton für die Ausstrahlung verfremdet werde. Es sei fraglich, "ob ausgerechnet das Filmen der einzelnen Verdächtigen zur journalistischen Bearbeitung und Aufdeckung des Themas unerlässlich sei – oder ob das auch mit geringeren Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte gelingen könnte."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige