„Helmut Markwort ist mein Leben!“

Großer Bahnhof für einen Großen aus der Branche. Am Mittwoch feierte der Burda-Vorstand, Erste Journalist des Hauses und Focus-Gründer Helmut Markwort mit rund 300 Kollegen, Freunden und Wegbegleitern seinen Abschied als Chefredakteur. Verleger Hubert Burda selbst rief in die Runde: "Helmut Markwort ist mein Leben!". Mit der Gründung des Focus hatte Burda viel riskiert und Markwort hat ihm viel gegeben. Von der Redaktion gab es neben vielen warmen Worten auch ein besonderes Geschenk.

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Sein langjähriger Vize und späterer Co-Chefredakteur Uli Baur bedankte sich stellvertretend für die gesamte Redaktion mit bewegenden Worten bei Markwort für die lange gemeinsame Zeit. Er hatte sich in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied auch in schwierigen Situationen immer vor seine Leute gestellt. Markworts schützende Hand über der Redaktion ist bei Burda in München legendär. Man findet keinen Focus-Mitarbeiter, der über ihn ein schlechtes Wort verliert. So etwas gibt es im Mediengeschäft eigentlich gar nicht. Helmut Markwort war und ist eben ein Unikat.

44 Jahre lang war er als Chefredakteur im Amt. Daneben sieht selbst Helmut Kohl mit seinen 16 Jahren Kanzler blass aus. Alt-Kanzler Kohl hat auch einen Beitrag zur Abschiedszeitung für Markwort beigesteuert. Genau wie der frühere Medienmogul Leo Kirch, Gerhard Schröder und Bild-Chef Kai Diekmann. Der in der Branche lange Zeit als Focus-Nachfolger gehandelte Diekmann überreichte Markwort bei der Feier als besonderes Geschenk ein Stück der Berliner Mauer.

Auch weitere Mediengrößen fanden sich zum Markwort-Abschied ein. Mit der Süddeutschen Zeitung lag Helmut Markwort manchmal über Kreuz. Der dort ebenfalls scheidende Chefredakteur Hans Werner Kilz machte ihm trotzdem seine Aufwartung. Kilz als gebürtiger Pfälzer und der gebürtige Hesse Markwort sind sich in ihren Befindlichkeiten wahrscheinlich ohnehin nicht ganz fern. ZDF-Intendant Markus Schächter war ebenso da, wie Wolf Dieter Ring, der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien und natürlich Uli Hoeneß vom FC Bayern München, wo Markwort Aufsichtsratsmitglied ist. Und weil Helmut Markwort, wie der FC Bayern, das Hofbräu-Haus und der ganze Burda-Verlag auch so eine Art bayerische Institution ist, durfte auch Uschi Glas nicht fehlen.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber erwies sich als Laudator einmal mehr als, nun ja, unkonventioneller Redner und sagte: "Der Focus ist Ihr Baby, und er wird es bleiben – egal, wer ihn wickelt." Harald Schmidt, der von Beginn an als Kolumnist beim Focus dabei ist, schlug Markwort als weitere Schauspiel-Rolle die des Polonius im Hamlet vor. Dazu passte eine Aufführung der gesammelten Focus-Chefredakteure, die den Faust-Prolog auf ihren Chef umgedichtet hatten. Ein weiterer Programmpunkt war Waldis “HM Club” mit dem Komiker Matze Knop, dem Stimmen-Imitator Wolfgang Krebs und Uli Baur.

Zum guten Schluss gab’s dann noch ein Bussi von einem Playmate und Schlagersängerin Nicki sang “Servus, machs guat.” So ganz geht Markwort freilich nicht. Er bleibt weiter Herausgeber des Focus (auch wenn er im Haus jetzt ein neues Büro beziehen muss) und er ist noch für den Rest des Jahres als Burda-Vorstand im Amt. Seine vielfältigen Radiobeteiligungen hat er natürlich auch noch. Abschiedsfeier ist also eigentlich ein ganz falsches Wort. Einen Ruheständler Markwort wird es vermutlich nie geben.

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