5 Gründe gegen ein deutsches TechCrunch

Auch in der deutschen Web-Szene ist das US-Blog TechCrunch ein Star. Seit Beginn des Web-2.0-Booms war es die größte Ehre für ein einheimisches Start-up, von den US-Amerikanern wahrgenommen zu werden. Keiner hat bessere Insider-Infos als das Team um Chefredakteur Michael Arrington, kein Rivale ist schneller und kein Blog-Konkurrent verdiente mehr Geld. Schon immer heißt es auf Kongressen und in Teeküchen: Es fehlt ein deutsches TechCrunch. Eine verlockende Vision. Doch fünf Gründe sprechen dagegen.

Anzeige
Auch in der Deutschen Web-Szene ist das US-Blog TechCrunch ein Star. Seit Beginn des Web 2.0-Booms war es die größte Ehre für ein einheimisches Start-up von den US-Amerikanern wahrgenommen zu werden. Keiner hat bessere Insider-Infos als das Team um Chefredakteur Michael Arrington, kein Rivale ist schneller und kein Blog-Konkurrent verdiente mehr Geld. Schon immer heißt es auf Kongressen und in Teeküchen: Es fehlt ein deutsches TechCrunch. Eine verlockende Vision. Doch fünf Gründe sprechen dagegen.
  1. Der Markt ist zu klein
    Zuerst der beruhigende Fakt: Es liegt nicht nur an den lahmen einheimischen Gründern und Journalisten, dass es kein einheimisches Tech-Blog bislang in den Mainstream geschafft hat. Der Markt zwischen Flensburg und Passau ist wohl zu klein. Nur eine überschaubare Gruppe von Menschen arbeitet im Web- bzw. Technologiesektor. Zudem sind noch nicht einmal alle diese Personen derart im Web unterwegs, dass sich ein solches Portal profitabel vermarkten ließe. 

  2. Es fehlten die nötigen Werbeeinnahmen
    Es gibt hierzulande kaum Blogs, die sich ausschließlich über Werbung finanzieren. Um allerdings ein Angebot wie TechCrunch zu realisieren, braucht man eine Vollredaktion, die mit mehreren Profis bestückt ist. Ein paar Hobby-Blogger reichen nicht aus. Die Autoren und Reporter müssen so gut bezahlt werden, dass sie ihr komplettes Leben über diesen einen Job bestreiten können. Denn der Aufbau und Betrieb eines erfolgreichen Tech-Portal erfordert einen Einsatz von mindestens zwölf Stunden pro Tag. Zudem müssen die Profis wissen, wie das Business funktioniert, gut vernetzt sein und die nötige Zeit und Geduld mitbringen ihr Informanten-Netzwerk entscheidend auszubauen. Das alles kostet Geld und das lässt sich noch nicht mit Web-Werbung erlösen. Denn die Kernzielgruppe von Start-ups hat im Moment keine großen Werbe-Budgets zur Verfügung. Lediglich ein Mann, zwei Autoren oder ähnlich kleine Gruppen können sich in diesem Segment aktuell durch Werbung finanzieren.

  3. Es fehlt der Chef-Wahnsinnige
    TechCrunch-Gründer Michael Arrington gilt als eine Art Klaus Kinski unter den US-Chefredakteuren. Der Mann wird als cholerisch, dominant, diktatorisch, macht- und geldgeil beschrieben. Aber auch als jemand, der immer bestens informiert ist, die richtigen Leute kennt, sein eigenes Energiekraftwerk ist und einen untrüglichen Riecher für Storys hat. Nur solch ein Wahnsinniger oder ähnlich extremer Charakter wird auch hierzulande in der Lage sein und die Kraft haben, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass es aus einem klassischen Verlag heraus kaum möglich sein wird solch ein Angebot zu aufzuziehen.

  4. Die deutsche Web-Szene ist zu dezentral
    TechCrunch sitzt im Silicon Valley und damit Mitten im Herzen der US-Technologie-Wirtschaft. Die Blog-Redakteure besuchen dieselben Bars und Fitnessclubs, wie die Geeks über und für die sie schreiben. Enger kann eine Verbindung kaum sein. Das garantiert ein Höchstmaß an Insider-Informationen. Die deutsche Technologie-Branche ist weit dezentraler. So gesehen haben Arrington und sein Team einen großen Standortvorteil.

  5. Die Web-Szene und ihre Berichterstatter sind nicht kreativ genug
    Einer der Hauptgründe, warum die deutsche Web-Szene oftmals noch ein Nischendarsein fristet liegt auch daran, dass ihr die Produkte fehlen, die die ganze Gesellschaft beschäftigen, über die auch die Mainstream-Medien streiten und berichten. Es ist zwar längst eine Phrase, aber es kommt wirklich zu wenig originäres und originelles aus Berlin, München und Hamburg. Das trifft aber nicht nur auf die Produkte der aktuellen Gründergeneration zu. Auch publizistisch kann es gerade kein deutsches TechCrunch geben, weil es den potentiellen Machern aktuell offenbar an Mut oder Kreativität mangelt. 
Alle fünf Gründe sind nur eine Standortbestimmung. Ich bin der Erste, der begeistert und möglichst schnell einen zweiten Text-Teil nachschiebt. Diesmal sollte die Überschrift lauten: Fünf Gründe, warum das deutsche TechCrunch funktioniert hat.
Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige