Anzeige

„Satire Gipfel“: Nuhr nur zweite Wahl?

Das ging schneller, als erwartet: Wie der rbb am Dienstagmittag mitteilte, übernimmt Dieter Nuhr ab Januar 2011 die Rolle des Gastgebers beim "Satire Gipfel" im Ersten. Gestern war bekannt geworden, dass Mathias Richling, der bisher durch die Show führte, die Moderation abgeben wird. Mit der Verpflichtung von Nuhr wird auch die Verjüngung der Satire-Sendung weiter vorangetrieben. Dennoch könnte der Stand-up-Comedian nur der Plan B sein, denn noch im August wurde Harald Schmidt als Nachfolger gehandelt.

Anzeige

Neu ist künftig nicht nur der Moderator, sondern auch, dass der Rundfunk Berlin-Brandenburg im kommenden Jahr die Sendung mit Unterstützung des Westdeutschen Rundfunks produziert. Bislang war der Bayerische Rundfunk Koproduktionspartner des rbb.
"Dieter Nuhr ist einer der profiliertesten deutschen Kabarettisten. Wir freuen uns, ihn künftig im ‚Satire Gipfel‘ zu sehen. Mathias Richling hat den ‚Satire Gipfel‘ gemeinsam mit der Redaktion mit viel Engagement aufgebaut und entwickelt", erklärte die rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle. Auch in Zukunft begrüße der Sender Richling gerne als Gast im Programm, so Nothelle.
Dass Richling den "Satire Gipfel" verlassen würde, war bereits abzusehen. Jedoch kommt es unerwartet, dass er – zumindest offiziell – freiwillig seinen Gastgeberposten aufgibt. Es heißt, der 57-Jährige wolle sich künftig intensiver um seine eigene Sendung "Studio Richling" für den SWR kümmern.
Richling hatte allerdings in der Vergangenheit mit der Satire-Konkurrenz aus dem ZDF zu kämpfen, das dem Ersten mit "Neues aus der Anstalt" und der "heute-show" mittlerweile den Rang abgelaufen hat. Die Sendung, die vor gut einem Jahr Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer" abgelöst hatte, ist aber nie aus dem Quoten-Tal gekommen. Die fünf Ausgaben vom "Satire Gipfel" hatten im ersten Halbjahr 2010 im Durchschnitt 1,40 Millionen Zuschauer, der Matktanteil lag bei 7,7 Prozent – für ARD-Verhältnisse ein ziemlich schlechter Wert. Die sechs "Neues aus der Anstalt"-Folgen sahen im selben Zeitraum durchschnittlich 3,23 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei guten 14,8 Prozent. Die "heute-Show" ist mit einem Marktanteil von sieben Prozent zwar weniger erfolgreich, hatte im ersten Halbjahr mit 1,58 Millionen aber ebenfalls mehr Zuschauer als der "Satire Gipfel".
Im August wurde ARD-intern bereits Harald Schmidt als Nachfolger des 57-Jährigen gehandelt. Damals berichtete der Spiegel, dass es im Ersten Pläne gebe, den Late-Night-Profi ab 2011 als neuen Gastgeber der Kabarettsendung zu installieren. Ein Senderverantwortlicher erklärte gegenüber dem Nachrichtenmagazin, man halte die Personal-Idee für "geradezu ideal". Dieser Traum der ARD-Verantwortlichen dürfte allerdings nach dem überraschenden Bekanntwerden von Schmidts Rückkehr zu seiner alten Wirkungsstätte Sat.1 geplatzt sein.
Die Verpflichtung von Nuhr könnte also nur die zweite Wahl, aber dennoch ein guter Schachzug der ARD sein. Zwar hatte auch Richling bereits damit begonnen, die Show zu verjüngen, indem er auch Comedians einlud. Doch von seinem Vorgänger Dieter Hildebrand handelte er sich damit Ärger ein – der entzog ihm deshalb sogar den Titel "Scheibenwischer". Dem neuen Gastgeber Nuhr dürfte die Entstaubung deutlich besser gelingen.
Nuhr bewegte sich immer auf einem schmalen Grat zwischen Stand-up-Comedian und Kabarettist. Er gilt als Bindeglied zwischen den beiden Humor-Welten. Einen seiner ersten Erfolge feierte er mit dem Programm "Nuhr weiter so", das 1998 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Kategorie "Kabarett" ausgezeichnet wurde. 2000 erhielt er den Bayerischen Kabarettpreis. Gleichzeitig ist er zweimal mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet worden und wurde dem ganz großen Publikum bekannt durch Auftritte in Fernsehsendungen wie "7 Tage, 7 Köpfe" oder dem "Quatsch Comedy Klub".
Auch die neuen Medien beherrscht Nuhr. Früh entdeckte er Twitter für sich und hat mittlerweile 64.213 Follower – 10.000 mehr als die Eilmeldungen von Spiegel Online. Kein Wunder, denn seine Postings sind durchaus lesenswert. Zur Ölkatastrophe kommentierte er: "BP nicht Schuld an der Ölpest. Sagt BP. Stimmt. Schuld hat im Grunde das Öl. Und die geteerten Vögel, die das Zeug auch noch verteilen". Sein aktuellster Tweet lautet: "Was passiert jetzt mit den Rekruten, die immer die schönen Lagerfeuer im Interregio gemacht haben? Wehrpflicht muss bleiben!"

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige