iPad-Kiosk: Jetzt braucht Apple die Verlage

Die Einrichtung eines Abo-Shops für Zeitungen und Zeitschriften auf dem iPad steht laut Wall Street Journal kurz bevor. Apple verhandelt mit den größten Medienkonzernen der USA noch über Preise, Umsatzbeteiligung und den Umgang mit den Kundendaten. Für das Internet und mobile Plattformen arbeiten viele Verlage an eigenen Plattformen, in Deutschland federführend Bertelsmann mit "Pubbles". In Branchenkreisen wird zudem spekuliert, dass Online-Medienabos im Bundle mit dem iPad angeboten werden.

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Eine eigene Plattform – gern "Online-Kiosk" genannt – für journalistische Inhalte auf dem iPad würde im Verhältnis zwischen Apple und den Verlagen einen Strategiewechsel einleiten. Bislang sind die Verlage auf Apps angewiesen, die – ob gratis oder in der Bezahlversion – digitalisierte Printerzeugnisse auf den Tablet-Computer bringen. Als digitales Pendant eines Abonnements sind Apps jedoch eher unhandlich.
Offenbar erfolgt der Schwenk im Umgang mit den Medienhäusern bei Apple nicht ganz freiwillig. Von deutschen Vertragshändlern ist zu hören, dass die Absatzsituation einer Reihe von Produkten der über Jahre gehypten Marke derzeit schwierig ist. Auch das Ziel, mit dem Tablet einen ganz neuen Markt zu erschließen, ist offenbar noch nicht erreicht. Die Verkaufszahlen des iPads sind vielerorts eher bescheiden, und immer mehr Konkurrenzprodukte erschweren das Geschäft in den nächsten Monaten noch. "Früher war Apple eine Kultmarke", sagt ein Händler, "heute hat fast jeder ein iPhone. Das ist nichts Besonderes mehr. Die Leute fangen an, Preise zu vergleichen und entscheiden sich häufiger für das billigere Konkurrenzprodukt."
Vor diesem Hintergrund ist es logisch, dass Apple sich bemüht, das Angebot an attraktivem Content zu unterstützen und die Entwicklung von Apps mit Medienpartner zu forcieren. Der in der Vergangenheit von vielen Verlagsmanagern im Umgang als arrogant empfundene Hardware-Konzern scheint sich in den Verhandlungen inzwischen wesentlich kooperativer zu geben.
Unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet das WSJ, wie zuvor der Nachrichtendienst Bloomberg, dass Apple den Verlagen verschiedene Softwarelösungen und Abrechnungsmodelle anbietet. Offensichtlich wäre es für Apple lohnend, nach Musik, Filmen und Büchern auch Zeitungen und Magazine für seine Geräte zu vertreiben. Erste Verhandlungen vor Einführung des iPads scheiterten jedoch an Apples Forderungen zur Umsatzbeteiligung (bei Musik und Büchern in der Regel 30 Prozent) und am Prinzip der Firma, alle Kundendaten und Informationen zum Kundenverhalten für sich zu behalten.
Dies ist laut WSJ immer noch ein kritischer Punkt, denn auch für Verlage sind diese Daten äußerst interessant. Dazu kommt die Sorge, dass der Distributor Apple – wie beim Thema Musik und iTunes geschehen – eine beherrschende Stellung einnimmt, die den Medienhäusern eigene geschäftliche Chancen verbaut. In den USA wie in Deutschland arbeiten die großen Verlage an Allianzen, um eigene Online-Kioske zu etablieren.
Laut dem WSJ-Bericht verhandle Apple mit Time Warner, Condé Nast, News Corp. und Hearst über eine Zusammenarbeit auf dem digitalen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt. Für die USA deutet das WSJ an, dass bislang nur Hearst die Kooperation mit Apple zugesagt habe. Vom Verlauf der Verhandlungen werde abhängen, ob der "iKiosk" schon im November den Betrieb aufnimmt; oder erst im neuen Jahr, dann zusammen mit einer neuen iPad-Version.

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