taz-Streit: die Argumente der Korrespondenten

Auslandskorrespondenten gegen Chefredaktion: Bei der taz ist durch die Angleichung der Honorare und Gehälter ein Streit ums Geld entbrannt. Gerhard Dilger, Sprecher der internationalen Berichterstatter, schickte MEEDIA eine Gegenrede zu den Plänen seines Hauses. Er sieht "Reformbedarf" bei der Bezahlung und fordert, "die Kündigungen zurückzunehmen". Am Samstag steht das Thema bei der Genossenschaftsversammlung in Berlin auf dem Programm.

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14 ihrer global agierenden Reporter will die Berliner Zeitung entlassen, um sie zu neuen, niedrigeren Konditionen wieder einzustellen. So sollen alle Auslandskorrespondenten, die zurzeit sehr unterschiedlich bezahlt werden, die gleiche Pauschale erhalten, begründete Chefredakteurin Ines Pohl die Reform. Am morgigen Samstag entscheiden die taz-Genossen über das Vorhaben. Gerhard Dilger, taz-Südamerikakorrespondent und einer der beiden Sprecher der Auslandskorrespondenten, bezog nun Stellung zu den Plänen der Chefredaktion:
"Ich hätte nichts gegen eine vernünftige Einheitspauschale für alle Korrespondentinnen und Korrespondenten einzuwenden – unter der Bedingung, dass zeitgleich auch in der Rudi-Dutschke-Straße der1991 abgeschaffte taz-Einheitslohn wiederbelebt wird. Zuallerest fordern wir die Rücknahme der Kündigungen. Zugleich sehe ich durchaus ‚Reformbedarf‘ – aber nicht im neoliberalen Sinn.
Seit März haben wir immer wieder unsere Gesprächsbereitschaft demonstriert. Noch am letzten Freitag haben wir ein differenziertes und gerechtes Drei-Stufen-Modell für die PauschalistInnen vorgeschlagen.
Wir begrüßen die Einrichtung des Recherchefonds nach dem Vorbild der Schweizer Wochenzeitung. Damit greift die taz eine unserer Forderungen vom Juni 2009 auf. Wir sind sicher, dass viele der 10.000 taz-GenossInnen bereit sind, sich der Finanzierung relativ teurer Auslandsrecherchen zu beteiligen.
Damit entfällt aber auch ein wichtiges Argument, mit dem die ‚Flexibilisierung‘ begründet wird: die fehlenden Mittel für Reisen und Recherchen. Bislang haben wir dies immer wieder über die Kofinanzierung durch andere Kunden ausgeglichen.

Mit der Absicht, die Berichterstattung aus dem globalen Süden zu stärken, rennt die Chefredaktion bei uns offene Scheunentore ein. Auch dies haben wir im Juni 2009 gefordert und dabei auf folgenden Passus im Redaktionsstatut verwiesen: ‚In der Überzeugung, dass aus deutscher und auch aus europäischer Sicht allein die Welt nicht adäquat beschrieben werden kann, haben Inlands- und Auslandsthemen in der Berichterstattung den gleichen Rang‘
In Zeiten, wo allerorten an der Auslandsberichterstattung gespart wird, muss gerade die taz gegensteuern. Das strukturelle Defizit des Auslandsetats kann nur durch eine spürbare Erhöhung beseitigt werden."

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