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me.style: Berlin schwärmt von sich selbst

Berlin, sonst nüscht: Musiker, Galeristen, Clubbetreiber und andere hippe Hauptstädter wurden für Springers neues Modeheft me.style abgelichtet. Am Donnerstag erscheint die erste Ausgabe und zeigt eine 90-seitige Modestrecke – mehr nicht. Kein einziger Artikel. Nur die trendy Promimodels dürfen mit Sätzen wie "Berlin ist anders" ihre Szene-Stadt beweihräuchern. Als Ableger des Musikexpress dürfte das Modeblatt zudem vor allem für Männer gedacht sein. Kann das funktionieren? Höchstens am Kreuzberger Kiosk.

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Mode und Musik gehören seit jeher zusammen: Punk, Rave und Hip Hop sind nicht nur Sounds, sondern auch Looks. Daher war es keine schlechte Idee der Musikexpress-Macher, die bisher 8-10-seitige Modestrecke der Musikzeitschrift auf ein ganzes Magazin auszuweiten.
Doch einiges Potenzial hat me.style mit dem Experiment – nur Fotos, kein Text – buchstäblich auf der Strecke gelassen. Viele Leser aus der wohl vorwiegend männlichen Zielgruppe des Musikzeitschriften-Ablegers hätten sich Hintergrundberichte zur wechselseitigen Beeinflussung von Pop und Fashion sicher gewünscht – und bei einem Heftpreis von 5,90 Euro wohl auch erwartet.

Keine Frage: Die Fotos der renommierten Fotografen Kate Bellm (American, Vogue, Esquire, Tatler) und Daniel Josefsohn (Zeit Magazin, Jetzt, Monopol, Herr von Eden) sind erstklassig und auch die Models können sich sehen lassen. Zu den prominentesten gehören: DJ Hell, Karoline Herfurth, Jana Pallaske, Michael Michalsky, Peaches und natürlich Klaus Wowereit. Dazu kommen einige unbekanntere, aber unglaublich hippe Berliner – Künstler, Clubbetreiber und Clubgänger.

In den einzigen Texten im Heft dürfen die Abgelichteten ausgerechnet erzählen, wie toll ihre Heimat ist: "Ein kreatives Gesamtkunstwerk", "Elektrisch. Enthusiastisch. International", sagen sie. Und man darf befürchten, dass diese Aussagen völlig ironiefrei gemeint sind.
Das Heft will den "Mode-Spirit der Hauptstadt einfangen", heißt es im Editorial und das mag sicherlich gelungen sein. Doch leider wurde auch jene Berliner Selbstgefälligkeit eingefangen, die jedem der nicht Teil der Hipster-Metropole ist, ganz gehörig auf den Geist geht.
Man darf gespannt sein, worum sich die nächste Ausgabe, die in einem halben Jahr erscheinen soll, drehen wird. Die Erstausgabe wird wohl in erster Linie von Hauptstädtern gekauft werden. Der Rest der Republik wird das Hipness-Gehabe weniger dufte finden.
Andererseits könnte es sein, dass Springer der Verkauf des Hefts auch nur am Rande interessiert: me.style riecht sehr nach Imageprojekt und wenn schon nicht beim Leser, dann dürfte die Idee des Laufstegs auf 90 Seiten zumindest bei den verschiedenen Magazin Awards gut ankommen.

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