Presserat: Rügen für Kicker und Bravo Girl

Mit den 241 Beschwerden zur Berichterstattung über die Loveparade-Katastrophe beschäftigte sich der Presserat bereits Anfang der Woche. Nun veröffentlichten die Medienwächter weitere Ergebnisse ihrer Sitzung. Insgesamt spricht der Presserat diesmal sieben Rügen aus. Unter anderem gegen die Sächsische Zeitung wegen Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte einer Verstorbenen, gegen Welt Online und das Kicker WM-Sonderheft 2010, wo der Rat einen Verstoß gegen die Schleichwerbe-Richtlinien sieht.

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Die Sächsische Zeitung erhielt eine nicht-öffentliche Rüge, weil sie die Persönlichkeitsrecht einer Verstorbenen missachtet haben soll. Über die Ermittlungen zum Tod eines jungen Mädchens, bei dem die Mordkommission unter anderem zu klären hatte, ob die Tote Opfer eines Mordes ist oder bei einem Unfall im Laufe sexueller Aktivitäten starb, schrieb die Zeitung, dass der Fall für die Ermittler "…schon jetzt der Fall mit dem meisten Sexappeal" sei. Die Sächsische Zeitung nannte zwar einen abgekürzten Namen und druckte ein gepixeltes Bild, doch darauf blieb das Opfer – laut Presserat – "wegen besonderer äußerer Merkmale dennoch für einen nicht unbedeutenden Personenkreis erkennbar".

Die Bravo Girl erhielt eine öffentliche Rüge wegen eines Artikels über die Selbsttötung einer 15-jährigen US-Schülerin. "Die Jugendzeitschrift schilderte in dem Beitrag den Suizid so minutiös, als sei sie selbst Augenzeuge gewesen," heißt es in der Erklärung der Medienwächter. Die Redaktion soll die geforderte Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Suizide missachtet haben.

Die dritte öffentliche Rüge sprach der Presserat gegen das Kicker WM-Sonderheft 2010 aus. Die Spezial-Ausgabe enthielt Mannschaftsfotos alle Teams, die an der Weltmeisterschaft teilnahmen. "Auf den Fotos der von Puma ausgerüsteten Teams, insgesamt sieben, war in vier Fällen der Schriftzug ‚Puma‘ zu lesen", schreibt der Presserat. "Die anderen drei Bilder enthielten grafische Elemente, die auch in einer Anzeige des Ausrüsters enthalten waren." Im Namenszug und in den grafischen Elementen soll das Heft gegen die Schleichwerbe-Richtline verstoßen haben.
Bereits am Dienstag kommunizierten die Medienwächter eine öffentliche Rüge für Bild.de. Das Boulevard-Portal wurde für die Darstellung eines Einzelschicksals in einem Artikel zur Loveparade-Katastrophe kritisiert. Veröffentlicht wurde ein ungepixeltes Foto eines Opfers, dazu wurden die Details der Todesumstände genannt. "So wurde unter anderem durch einen Arzt beschrieben, wie das Opfer starb", heißt es in einer Erklärung der Berliner. Die Tatsache, dass es bezüglich der Berichterstattung zur Loveparade neben den weit über 200 eingereichten Beschwerden auch eine bundesweite Diskussion über den Umgang der Medien mit der Tragödie gegeben hatte, relativiert sich rückblickend. Lediglich eine Rüge, die auch noch eine Einzeldarstellung betraf: Damit signalisiert der Presserat auch, dass die weit überwiegende Zahl der Berichte nicht zu beanstanden und die Mediendebatte letztlich überhitzt war.

Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt die Online-Ausgabe der Nordwest-Zeitung. In der Berichterstattung über ein Familiendrama ließen sich alle drei Opfer sowie der Täter identifizieren.

Eine weitere nicht-öffentliche Rüge kassierte Welt Online für eine Geschichte über einen Vergewaltigungsprozess, weil das Tatopfer mit vollständigem Namen und Alter genannt wurde.

Die Fernsehwoche wurde gerügt, weil sie den Trennungsgrundsatz verletzt haben soll. Die Anzeige für ein medizinisches Präparat war in Form eines redaktionellen Beitrags gestaltet. Damit war die geforderte Abgrenzung zwischen Redaktion und Werbung nicht gegeben – laut Presserat "wegen besonderer äußerer Merkmale dennoch für einen nicht unbedeutenden Personenkreis erkennbar".

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