G+J-Chef: „Herz des Journalismus schützen“

Im Vorfeld der am Abend in der Hauptstadt stattfindenden Jubiläums-Gala von Bertelsmann hat Bereichsvorstand Bernd Buchholz bei einer Präsentation im Berliner Tempodrom die Fokussierung von Gruner + Jahr aufs Zeitschriftengeschäft betont. "Print lebt und ist hoch profitabel", sagte der 48-Jährige. Es sei nun wichtig, "das Kerngeschäft neu zu erfinden". Und: "Es geht darum, das Herz des Journalismus zu schützen." Back to the Roots heißt die Devise: Am Baumwall wird man das erleichtert registrieren.

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Buchholz bezeichnete es als seine Aufgabe als Magazin-Verleger, "die Meinungsvielfalt zu sichern und konkurrierende Kräfte in einer Demokratie zu überwachen". Noch vor gut einem Jahr hatte es anders geklungen, wenn der seit Anfang 2009 amtierende Vorstandschef über die Zukunft des Mediengeschäfts redete. Seine damaligen Aussprüche über das "rezessive" Printgeschäft mit langfristig sinkenden Erlösen und Exkursen über die Marktchancen im bei Gruner + Jahr bis dato unbekannten Feld des Professional Publishing hatten viele im Zeitschriftenhaus verunsichert. Davon ist spätestens seit der Präsentation der Jahresbilanz im März nichts mehr zu spüren.
Der Vorstandschef sieht nun seine Hauptaufgabe darin, die "ökonomische Unabhängigkeit" des Qualitätsjournalismus zu sichern. Angesichts einer verstärkten Digitalisierung und struktureller Veränderungen stehe ein traditionelles Medienunternehmen wie G+J allerdings einer Reihe von neuen Herausforderungen gegenüber. Das Kerngeschäft dabei neu zu erfinden, so Buchholz, bedeute, "existierende Strukturen zu verändern, die Nutzung von Ressourcen zu optimieren sowie die Effizienz und die Innovationsfähigkeit zu erhöhen". Dazu gehöre auch, neue Werbe- und Cross-Media-Formate zu entwickeln. All diese Maßnahmen seien auch deshalb erfolgt, weil G+J fest an die Zukunft der Printmedien glaube.
Verhaltener waren die Aussagen hinsichtlich der digitalten Entwicklung. Es müsse, so Buchholz, "die Frage eines soliden und profitablen Geschäftsmodells gelöst werden", wenn G+J sein Digitalgeschäft ernsthaft steigern solle. Daher dürfe die Branche nicht die gleichen Fehler wie im traditionellen Internet wiederholen, wo die Inhalte umsonst verfügbar gemacht wurden. "Wir besitzen einen großen Schatz – unsere exklusiven Inhalte."

Was den Ausbau des Kerngeschäfts angeht, den zweiten Punkt der G+J-Strategie, sieht Bernd Buchholz Wachstumsmöglichkeiten vor allem beim Corporate Publishing, in der Vermarktung von Online-Werbung und bei der kontinuierlichen Internationalisierung mit einem Fokus auf China. Bei der Online-Werbung habe G+J EMS mit seiner Tochter, dem Performance Marketing-Unternehmen Ligatus, das Kerngeschäft stetig ausbauen können, unter anderem durch neue Ligatus-Niederlassungen in Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Das China-Geschäft habe zudem allein in der ersten Jahreshälfte um 26 Prozent zugelegt.
Dass es dennoch wichtig sei, neue Märkte zu erschließen, sei dadurch bedingt, dass der Verlag auf "hochprofitablen, aber schrumpfenden" Geschäftsfeldern agiere. Erneut stellte Buchholz namhafte Investitionen im Bereich des datenbankgestützten Professional Publishing in Aussicht, aber das war eben nur Punkt drei der Ziele-Hierachie. Fazit des Vorstandschefs: "G+J ist wieder auf Kurs."

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