Journalisten: 7 Gründe für das miese Image

Journalisten sind manipulativ, unpräzise und abhängig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage der Akademie für Publizistik. Das Image eines ganzen Berufsstandes ist längst im Keller. Kein Wunder: Denn keine Branche redet ihre eigene Leistungen so klein und spart derart massiv an seinen wichtigsten Ressourcen wie die Medienhäuser in ihren Redaktionen. Zudem: Wie gut kann das Image eines Berufes sein, dessen mediale Rollenbilder schmierige Typen wie Horst Schlämmer oder Baby Schimmerlos sind?

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MEEDIA hat sieben Gründe zusammengestellt, warum das Image der Journalisten so mies ist:

1. Mangelnde Qualität
Sobald über das schlechte Image von Journalisten gesprochen wird, fällt unweigerlich der Vorwurf der mangelnden Qualität. Immer mehr Publikationen und vor allem Web-Portale produzieren immer billiger, immer schlechtere und beliebigere Inhalte. Gefühlt ist dieses Argument zutreffend, zudem bauen tatsächlich nahezu alle Verlage noch immer Stellen im Redaktionsbereich ab. Wahr ist allerdings auch: Schon immer gab es nur wenige wirkliche Qualitätsangebote. Das Problem ist vielmehr, dass "die Wirklichkeit zeigt, dass es nicht immer gleich schlechten, aber doch häufig nur durchschnittlichen Journalismus gibt", wie Journalistik-Professor und Qualitätsforscher Volker Lilienthal gegenüber MEEDIA sagte. Der Professor sagt aber auch: "Wenn man jetzt den durchschnittlichen Journalismus vom Qualitätsjournalismus unterscheidet, dann sollte man vom Journalismus mehr erwarten, als wir üblicherweise von den Medien bekommen."


2. Einige Privatsender helfen den Journalismus verzichtbar zu machen

Die meisten Privatsender beweisen, dass man heutzutage keinen Journalismus mehr braucht, um erfolgreiches Fernsehen zu machen. Die Folge: Immer mehr TV-Zuschauer haben ganz konkret das Gefühl, auch ohne Politik-Informationen und Hintergrund-Berichte gut leben zu können. Erschwerend kommt noch der Trend zu Scripted Reality hinzu: Immer mehr Reportagen und Schicksalsgeschichte sind nicht mehr recherchiert, sondern schlicht erfunden. Die Botschaft solcher Formate: Fiktion ist interessanter als die Realität.

3. Niemand startet eine Imagekampagne
Der Ruf der Presse leidet auch unter zu wenig Liebe der eigenen Interessensverbände. Sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmerverbände fallen überwiegend mit Negativ-Kampagnen auf. In der Wahrnehmung vieler interessierter Leser kämpft der VDZ hauptsächlich gegen Google oder gegen die öffentlich-rechtlichen Sender, anstatt die großartigen Produkte seiner Mitglieder zu feiern. Das Gleiche gilt für die Gewerkschaften: Anstatt die Leistung, das Handwerk und die Kreativität der eigenen Mitglieder in den Fokus zu rücken, ist der DJV oder auch Ver.di überwiegend immer "gegen" etwas, "fordert" mehr oder anderes und hält das Meiste für "unzureichend". Es wäre zumindest eine Überlegung, ob Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht einmal zusammen eine Image-Kampagne "Pro-Presse" starten, die nicht die Vermarktbarkeit, sondern die aufklärerischen Tugenden in den Mittelpunkt stellt.

4. "Autoflagellation" der Medienvertreter
Zur Ehrenrettung der Verbände sei allerdings angemerkt, dass auch die Journalisten sich nicht wirklich große Mühe geben, gut über sich, ihren Job und ihre Branche zu reden. Schon während des Volontariats wurde gelernt: schlechte Nachrichten verkaufen besser. Dieser Leitspruch ist den meisten Medienvertretern so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie im Zweifelsfall immer dazu Neigen die Probleme ihrer Branche zu übertreiben, statt mit viel Optimismus in die Zukunft zu schauen. Nörgeln gehört zum Handwerk. Für Werbe-Expertin und Jung von Matt-Strategie-Vorstand Karen Heumann fühlt sich dabei gar an mittelalterliche Praktiken der Selbstgeißelung erinnert und stellt die aktuelle Situation so dar: "Ich musste da spontan an Autoflagellation denken. Also an jemanden, der sich selbst auspeitscht. In der ganzen Diskussion um die Zukunft der Medien und vor allem der Print-Branche scheint bei den meisten Autoren das Bedürfnis vorzuherrschen, sich selbst wegzuschreiben."  

5. Auch das Web prügelt ständig auf Journalisten ein
Das Netz ist voller Blog-Postings, Kommentare, Tweets oder Facebook-Meldungen, die Journalisten, Artikel oder die Medien im Allgemeinen kritisieren bzw. regelrecht auf sie einprügeln. Das ist im Einzelfall natürlich fast immer gerechtfertigt. Gleichzeitig finden sich aber kaum lobende Worte, über Texte, Storys oder Recherchen. Auch so entsteht der Eindruck, dass die Presse als solche faul, tendenziös und unpräzise ist. Lustig: Viele bloggende Medienkritiker sind selbst Journalisten, womit wieder auf den Punkt "Autoflagellation der Medienvertreter" verwiesen sei.

6. Es fehlen Film- und Fernsehvorbilder
Heutzutage gilt: Ein Job ist erst dann wirklich angesagt, wenn sich zumindest ein cooles TV-Format mit ihm beschäftigt. Im Fernsehen wimmelt es von Ärzten, Anwälten und Köchen, die Kranke, das Essen oder Unschuldige retten. Filme, Serien oder Dokus über Journalisten als Helden sind Mangelware. Es fehlt der Presse an medialen Vorbildern. Baby Schimmerlos aus Helmut Dietls Kult-Serie "Kir Royal", Till Schweiger als Klatsch-Reporter in "Keinohrhasen" oder Hape Kerkelings "Horst Schlämmer" gehören noch immer zu den bekannteren TV-Journalisten. Alle drei geben nur den schmierigen Reporter, dem der nächste Drink näher als eine weitere Stunde Recherche ist.  

7. Die gefühlte Presse-Politik-Abhängigkeit
Der Eindruck ist fatal, scheint sich jedoch immer wieder zu bestätigen: Wenn die Politik bestimmt, wer Chefredakteur beim ZDF wird, dann ist das Gift für das Image der Presse als Kontrollinstanz für das Wirken von Ministern und Abgeordneten. In diesen Kontext passen auch die Personalien, das ein Nachrichtenmoderator auf einmal für Angela Merkel spricht und ihr alter Komunikator nun Intendant einer vermeintlich unabhängigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt wird. Zuletzt machte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gestern in einem Vergleich der US-amerikanischen und deutschen Gepflogenheiten politischer Journalisten den hiesigen Medienvertretern den Vorwurf, im Umgang mit den Politikern eher handzahm aufzutreten.

Lösungs-Ansätze:
Mittelfristig können vor allem vier Dinge das Image der Medien verbessern: Die Verbände müssen sich darauf verständigen, gemeinsam eine Image-Kampagne auf die Beine stellen. Die Verleger müssen noch stärker in Qualität investieren, und ihre Redakteure, Reporter und Ressortleiter sollten wieder anfangen, ihre Leistung und ihre Produkte in den Vordergrund zu stellen.  Motto: Produziere gute Storys und rede darüber.

Darüber hinaus müssen die einzelnen Titel endlich anfangen, sich gegenseitig stärker zu verlinken. Völlig zurecht fordert Konstantin Neven DuMont in der Frankfurter Rundschau: "Um der verbreiteten Praxis eines wechselseitigen Verschweigens entgegenzuwirken und Missständen mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, sollten alle Qualitätsmedien neben ihren eigenen großen investigativen Beiträgen die verdienstvolle Arbeit anderer Medien würdigen – mit kollegialem Respekt und ohne Berührungsängste." Weiter schreibt er in dem Text "Orientierung in der digitalen Welt": "Auf diese Weise wird die Reichweite investigativer Recherche erhöht." Am Ende würde alle davon profitieren: Die Autoren, die Reichweite und das angekratzte Image der Presse.

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