Sechs Fragen zur Koran-Verbrennung

Gibt man bei Google News den Begriff "Koran-Verbrennung" ein, findet die Suchmaschine mehr als 1.137 Treffer, die über den Plan von Terry Jones am 11. September 2010 handeln. Der US-Pastor und seine 50 Mitglieder starke Gemeinde rufen für Samstag zur Verbrennung der Heiligen Schrift des Islam auf und sind damit zum Topthema in den Medien geworden. MEEDIA klärt auf, was die radikale Gruppe mit der Aktion bezweckt, ob sie Verbindungen nach Deutschland hat und welche Rolle die Medien dabei spielen.

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1) Wer steckt hinter der Idee der Koran-Verbrennung?
Terry Jones hat den "Internationalen Tag der Koran-Verbrennung" ausgerufen. Der 58-Jährige ist Pastor der evangelikalen Freikirche mit dem Namen Dove World Outreach Center, einer 50-köpfigen Gemeinde in Gainseville, Florida. Im vergangenen Jahr geriet der ehemalige Hotelmanager Jones schon einmal in die Schlagzeilen, weil er auf dem Grundstück seiner Kirche ein Schild mit der Aufschrift "Islam is of the Devil" (Der Islam ist des Teufels) aufstellte und Fanartikel mit dem Spruch verkaufte. Im August 2010 veröffentlichte Jones das gleichnamige Buch. Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, ordnete gegenüber Spiegel Online Terry Jones als Fundamentalist ein. 
2) Was bezweckt die Gemeinde mit der Koranverbrennung?
Die Gemeinde plant, am 11. September, dem neunten Jahrestag der Terroranschläge auf das World Trade Center, auf dem Grundstück ihrer Kirche mehrere Koran-Exemplare zu verbrennen. Jones und seine Anhänger wollen mit der Aktion dem "radikalen Islam" klarmachen, dass sie "sein Verhalten nicht tolerieren werden". Dabei zielt Jones vor allem gegen die Gewalt, die seiner Meinung nach von der Religionsgemeinschaft ausgehe. Ihm soll es angeblich nicht darum gehen, Muslime zu kränken, sondern nur darauf hinzuweisen, dass der Koran Jesus nicht als Erlöser anerkenne, schreibt Spiegel Online. Demzufolge handele es sich bei dem Koran nicht um eine heilige Schrift, so dass diese verbrennt werden dürfe.
3) Hat die Gruppe Verbindungen nach Deutschland?
In Deutschland ist der Islam-Hasser kein Unbekannter: Jones war lange in Köln Seelsorger. Dort gründete er 1982 die "Christliche Gemeinde Köln". Doch zwischen der Gemeinde und Jones kam es vor zwei Jahren zum Bruch, wie ihr derzeitiger zweiter Vorsitzender Stephan Baar, bekannt gab. "Wir sind genauso schockiert wie der Rest der Welt", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Des Weiteren distanzierte er sich und seine Gemeinde von der Aktion: "Wir möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden." Jones geriet zudem auch mal ins Visier der deutschen Behörden: Wegen Führung eines falschen Doktortitels hatte ihn das Kölner Amtsgericht 2002 zu einer Geldbuße von 3.000 Euro verurteilt. Ob Jones aktuell noch Verbindungen nach Deutschland pflegt, ist nicht bekannt.
4) Wieso unterbinden die Behörden die geplante Verbrennung nicht?
Auch wenn weltweit viele Menschen auf die geplante Koran-Verbrennung empörend reagieren, können weder die Regierung in Washington noch die Regierung Floridas oder der Stadt Gainesville juristisch dagegen vorgehen: Nach Angaben von amerikanischen Rechtsexperten fällt die umstrittene Aktion unter den Schutz der Meinungsfreiheit, solange Jones nicht beabsichtige, Menschen damit zur Gewalt anzustiften. Was dem US-Pastor aber in jedem Fall blühen könnte, ist, dass er mit den örtlichen Behörden wegen des Feuers im Freien Ärger bekommen könnte.
5) Welche Rolle spielen die Medien bei der Eskalation?
US-Außenministerin Hillary Clinton hatte bereits in ihrer Rede am Dienstag empört auf die Pläne von Jones reagiert. Dennoch wünsche sie sich, dass die Medien kein so großes Interesse an dem Pastor zeigen würden, weil die Gemeinde gerade mal aus 50 Mitgliedern bestehe.
Auch in Deutschland gibt es kritische Stimmen. Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer äußerte sich gegenüber der Leipziger Volkszeitung ähnlich: "Alle stürzen sich auf 50 Idioten in den USA. So wird aus einem Furz eine Bombe gemacht." Die Medien spielten das idiotische Spiel von Jones mit und würden dabei die fatalen Folgen ausblenden. Die Koranverbrennung ist dennoch das Topthema in den Medien. Allein bei Google News gibt es zum Begriff "Koran-Verbrennung" mehr als 1.137 Treffer. Zudem äußern sich immer mehr Personen des öffentlichen Lebens empört über den Vorfall, was von den Medien aufgenommen wird.
6) Gibt es eine Chance, dass die Koran-Verbrennung doch nicht stattfindet?
Nach Lage der Dinge kann nur die radikale Gruppe selbst dafür sorgen, dass es nicht zu einer unkalkulierbaren Eskalation kommt, in dem diese auf die geplante Aktion verzichtet. Aufgrund der mangelnden Einsicht und Sturheit des Cheforganisators Jones stehen die Chancen denkbar schlecht.

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