Google Instant: die nervige Flacker-Suche

Google hat die Anmutung seiner Websuche grundlegend verändert. Google Instant nennt sich der neue Service, der bereits während des Tippens Ergebnisse anzeigt und versucht zu “erahnen”, was der Nutzer suchen will. Google spricht davon, dass Suchanfragen mit Google Instant zwei bis fünf Sekunden schneller werden. Die Flacker-Suche Google Instant ist aber auch ein Schritt hin zur Bevormundung und Irritation der Nutzer. Für den Suchriesen birgt das Experimentieren mit dem Kernprodukt ein gewaltiges Risiko.

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Google Instant versucht permanent zu ermitteln, was der Nutzer vor dem Bildschirm als nächstes eintippen und somit suchen könnte. Das beginnt schon beim ersten Buchstaben. Tippt man ein “b” ein, schlägt Google Instant Bild.de vor, tippt man als nächstes ein “a” kommt die “Bahn”, tippt man daraufhin ein “l”, “denkt” Google Instant, man sucht nach “Ballack” und so weiter. Der untere Bildschirm ändert sich dabei ständig und auch das Eingabefeld passt sich permanent den neuen Erkenntnissen des Google-Algorithmus an. Die Folge ist eine nervige Flacker-Suche, bei der man bereits beim Eintippen ständig abgelenkt wird.

Bisher steht Google Instant Nutzern von Google.com und der russischen Version Google.ru zur Verfügung. In Deutschland kann man den Dienst bereits benutzen, wenn man mit einem Google-Konto angemeldet ist. In Kürze soll Google Instant aber auch ohne Anmeldung zur Standard-Suche werden. Kritiker wenden bereits ein, dass der neue Service eine permanente Daten-Verbindung zu Google herstellt. Die Suchmaschine “weiß” dank Google Instant nicht nur, was ich nach dem Druck auf den Such-Knopf suche, sondern bereits, was ich eintippe, wo ich mich vertippe oder wo ich es mir nochmal anders überlege.

Google Instant ist ein Produkt, das wie maßgeschneidert für die hektische, fragmentierte Web-Community scheint. Aber es ist auch eine radikale Abkehr von der frühen Erfolgsformel von Google. Zu Beginn gefiel die Suchmaschine gerade wegen ihrer Reduktion auf das Wesentliche. Ein Logo, ein Eingabefeld, ein Such-Button – sonst nichts. Google war die Zen-Suchmaschine, die Ruhe und Aufgeräumtheit in die wirre Web-Welt brachte. Keine Ablenkung, keine Reizüberflutung. Das ist schon lange Vergangenheit. Mit seinem Google-Konto steuert man mittlerweile eine ganze Phalanx an unterschiedlichen Web-Anwendungen – von der Web-Textverarbeitung (Google Docs) über die Bild-Verwaltung (Picasa) bis zum Routenplaner (Google Maps). Die Google Welt wurde und wird immer komplizierter. Viele Nutzer pflastern sich heute ihre iGoogle-Browser-Startseiten mit Miniprogrammen vom RSS-Reader bis zur Wettervorhersage und Börseninfos zu. Eine typische iGoogle-Startseite sieht genauso überladen aus wie eine Yahoo-Startseite. Google-Zen – das war einmal.

Google ist ohne Zweifel einer der größten Innovatoren des Internet. Kein Monat vergeht ohne neue Anwendungen oder Dienste des Such-Riesen. Die Websuche mit Such-Anzeigen blieb dabei stets das Kerngeschäft. Bisher das einzige Geschäft, mit dem Google gutes Geld verdient. Hier zeigte sich der Konzern bislang eher konservativ. Der Such-Algorithmus wurde zwar hinter den Kulissen ständig angepasst und verbessert. Man integrierte Ergebnisse aus Google News oder Google Shopping in die Trefferlisten. Die Änderungen geschahen für den Nutzer aber stets eher unmerklich. Der Look and Feel der Google-Suche blieb gleich. Das hat sich mit Google Instant nun fundamental geändert. Viele Konsumenten reagieren empfindlich, wenn ein vertrautes Produkt plötzlich radikal geändert wird. Coca Cola erlebte das größte Fiasko der Unternehmensgeschichte, als die Firma die Rezeptur der Standard-Coke änderte und den Geschmack einem vermeintlich neuen Zeitgeist anpassen wollte. Nach kurzer Zeit wurde die neue Coke wieder vom Markt genommen.

Man kann die Google Instant Flacker-Suche zwar abschalten, aber die Erfahrung zeigt, dass die meisten Nutzer bei voreingestellten Optionen bleiben. Für die Google-Konkurrenz, im wesentlichen Microsofts Suchmaschine Bing, könnte der neuste Google-Schritt eine echte Chance sein, Marktanteile zu gewinnen.

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