„Tatort“: Kuss und Schuss zum Abschied

Es ist der letzte Schuss, den Kommissar Fritz Dellwo abgibt: Der Frankfurter "Tatort" feiert am Sonntag in seiner Besetzung mit Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki als Kommissarin Charlotte Sänger Abschied vom TV-Bildschirm. In der Folge "Am Ende des Tages" führen die Spuren die beiden an den eigenen Arbeitsplatz: Die Geliebte ihres Chefs Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer) wird ermordet aufgefunden, Fromm steht unter Tatverdacht – eine gute Vorlage für einen Krimi, der jedoch weniger spannend daherkommt.

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Es ist der Tag, an dem Fromm sich von seiner Mannschaft in den Ruhestand verabschieden soll. Doch der Chef taucht nicht auf. Eigentlich nicht seine Art. Als Dellwo und Sänger zum Tatort in eine Privatwohnung gerufen werden, entdeckt die Kommissarin ein Foto von Fromm. Schnell ist für die beiden Kommissare klar: Die nackte Tote ist die Geliebte des Chefs, er ist auf der Flucht. Das Katz-und-Maus-Spiel beginnt, und die beiden erfahren bei den Ermittlungen Dinge über ihren Vorgesetzen, von denen sie bisher keine Ahnung hatten. Die persönliche Involviertheit bringt das Team an ihre Grenzen. Während Dellwo sich vehement gegen die Vorstellung wehrt, sein langjähriger Kollege und Freund Fromm könnte ein Mörder sein, schließt Sänger dies nicht aus.
Der Zuschauer weiß mehr: Getreu der Frankfurter "Tatort"-Linie bekommt der Mörder schnell ein Gesicht. Es ist Nikolaus Graf (Richard Sammel), der jüngst aus der Haft  entlassen wurde – er saß wegen einer Serie von brutalen Banküberfällen – und sich wegen des Todes seiner Frau Gina an Fromm rächen will. Fromm muss mit eigenen Augen mit ansehen, wie Graf seine Geliebte hinrichtet. Wie er dem gestandenen Polizisten dann in der Situation entwischen kann, ist unklar. In seinem Wahn nach Selbstjustiz macht sich Fromm in Unterhemd und Sakko auf die Suche nach Graf, während Sänger und Dellwo nach Fromm fahnden.
Dieses Konstrukt an Parallelgeschichten wirkt zwar sehr stimmig und lässt aufgrund der schnellen Mord-Aufklärung keine Fragen des Zuschauers offen, doch büßt der Krimi gerade dadurch ein hohes Maß an Spannung ein. Sänger bringt es während ihrer Ermittlungen auf den Punkt: "Dieser Fall fühlt sich komisch an." Erst die Endszene, in der Graf, Sänger, Fromm und Dellwo auf einer Brücke stehen, ist der Höhepunkt des Krimis. Was folgt ist der letzte Schuss von Dellwo, bevor er die Waffe an den Nagel hängt.
Der Abschied der beiden Kommissare vom TV-Bildschirm wird aber nur unterschwellig angesprochen. In fast schon philosophisch anmutenden Dialogen redet das latent verliebte Paar über die Zukunft, verspricht sich, nie aufeinander zu schießen und erwägt einen gemeinsamen Urlaub im nächsten Sommer. Küsschen inklusive, aber von Dienstabtritt keine Spur. Es ist ein fast schon sentimentales Ende für zwei Figuren, die in den vergangenen zehn Dienstjahren ihren doch recht anstrengenden Charakteren treu blieben.
Bis sich das neue Ermittlerteam um Joachim Król und Nina Kunzendorf in Frankfurt auf Tätersuche macht, dauert es noch ein wenig. Die Dreharbeiten beginnen in Kürze. Zuvor spielt die ARD-Reihe am 28. November 2010 erstmalig in der hessischen Provinz. Ulrich Tukur, der bereits einen Auftritt als Bösewicht im Frankfurter "Tatort" hatte – er verkörperte 2004 einen Serienmöder, der auch die Eltern von Kommissarin Charlotte Sänger umbrachte – wird dort den Ermittler Felix Murot geben. Damit startet das 40. Jubiläumsjahr der bekannten Krimireihe.  
"Am Ende des Tages", Buch und Regie von Titus Selge, um 20.15 Uhr in der ARD.

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