„3nach9“: Rakers stellt die Höschenfrage

Aus dem Gastspiel wurde Ernst: Am Freitagabend feierte Judith Rakers an der Seite von Giovanni di Lorenzo zwar nicht ihr "3nach9"-Debüt, dennoch war es ihr erster Auftritt als feste Moderatorin neben dem Zeit-Chef. Der 34-Jährigen war die Aufregung nicht nur ins Gesicht geschrieben, sondern auch auf die Zunge gelegt. Verkrampft wirkte sie in Gesprächssituationen, zu unspontan reagierte sie auf die Gäste. Nur gegenüber Tom Jones nahm sie kein Blatt vor den Mund und fragte ihn über seine Sexphantasien aus.

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Auch wenn es erst den Anschein machte, dass di Lorenzo Rakers als Gast empfängt – seine erste Frage lautete, wie sie den Tumult um ihre Person in den letzten Wochen aufgenommen hatte – war der "Tagesschau"-Sprecherin in dieser Aufwärmphase ihre Nervosität anzumerken. Aber geschenkt! Schließlich war und ist es ihr täglich Brot, Nachrichten vorzulesen. Nur bei ihrer Tätigkeit als Moderatorin des "Hamburg Journal“ sammelte sie bisher Talk-Erfahrung auf dem Bildschirm. Und neben Giovanni di Lorenzo zu bestehen, ist nicht gerade eine kleine Herausforderung für eine Anfängerin. Doch wurde eines klar: Kritiken prallen an ihr ab. "Die seriösesten Zeitungen haben mir die dümmsten Fragen gestellt", resümierte sie kurz den neuen Hype um ihre Person.
Sie selbst fiel nun nicht durch die schlauesten Fragen auf, aber auch nicht wegen der dümmsten. Sie hatte sich auf die Gesprächspartner – zu denen Foodwatch-Gründer Thilo Bode, Sänger Tom Jones, Verleger Wolfgang Hölker und Schauspieler Moritz Bleibtreu gehörten – vorbereitet. Doch über das aktuelle Album oder den aktuellen Film ging es meistens nicht hinaus. Das Stückchen Persönlichkeit und Tiefe, das sie als Moderatorin in der Talkshow aus den Gästen zutage fördern sollte, blieb sie den Zuschauern schuldig. Einzig di Lorenzo konnte mit seinen zwischenmenschlichen Beobachtungen und richtig getimten Fragen dazu beitragen, dass eine heimelige Atmosphäre in der Runde entstand.
Für Tom Jones, der als Höhepunkt der Sendung angekündigt wurde, hatte Rakers den "ultimativen Tiger-Test" vorbereitet. Fünf Fragen stellte sie dem Sänger, mithilfe derer sie herauszufinden versuchte, ob der Sänger mit zunehmendem Alter sein "Sexbomb-Image" abgelegt habe. Es ging es um weite Hosen, Sex als natürliche Droge, Lesben-Verkehr, Unterhosen werfende Fans und darum, ob Jones seinen Schweiß noch mit den geschenkten Wäsche-Stücken wegwischen würde. Die Antworten waren – wie erwartet  – tiger-like. Halbwegs interessanter war dann aber doch die Plauderei von Rakers über ihren Kollegen. Di Lorenzo habe auch mal einen Slip zugesteckt bekommen, den er "erschrocken angenommen" habe. Der Talker verstummte grinsend. Ein Höhepunkt für Rakers, ein Tiefpunkt für di Lorenzo.
Insgesamt war es eine Sendung ohne Konfrontationen, ohne schwierige Gäste. Rakers hatte sich im Vorfeld geäußert, sich Thilo Sarrazin als Gesprächspartner zu wünschen, auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad würde sie reizen. Nach dieser  Performance der Journalistin kann man sich solche Skandal-Politiker nicht wirklich neben ihr vorstellen. Zwar schlug sie sich tapfer, doch es war di Lorenzo zu verdanken, dass die Show ihren Charme behielt.
Rakers gehörte zu einer der sechs „Freundinnen von 3nach9“, die jeweils gemeinsam mit di Lorenzo im vergangenen halben Jahr durch die Bremer Talkshow führten. Darunter waren auch ARD-Talkerin Sandra Maischberger, die Köchin Sarah Wiener sowie die Schauspielerin und Ehefrau von Medienunternehmer Hubert Burda Maria Furtwängler. Zuvor hatte "Feuchtgebiete"-Autorin Charlotte Roche ihre Talk-Tätigkeit nach nur fünf Ausgaben überraschend beendet.

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