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Schwarzer für Bild beim Kachelmann-Prozess

Medien-Überraschung vorm Start des Kachelmann-Verfahrens: Feministin Alice Schwarzer wird für die Bild-Zeitung vor Ort vom Prozess gegen den ARD-Moderator berichten. Dies machte Schwarzer am Freitag in ihrem Blog öffentlich. Zur Begründung erklärte die Emma-Gründerin, ihr sei es in diesem Fall wichtig, "dass in einem tagesaktuellen, meinungsprägenden Blatt auch die Sicht des mutmaßlichen Opfers ernst genommen wird". Der Prozess wegen schwerer Vergewaltigung ist bis November angesetzt.

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Der Vorwurf der Anklage lautet auf "besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung". Schwarzer schreibt dazu: "Ich werde in Mannheim dabei sein und einige der Verhandlungen im Saal 1 des Landgerichtes mitverfolgen. Denn manchmal muss man etwas selber erleben und darf sich nicht nur mit Informationen aus zweiter Hand begnügen." Vom ersten Prozesstag an wird sie nicht nur für Emma, sondern auch für Bild wöchentlich kommentieren.

Zur Rechtfertigung schreibt Schwarzer: "Bevor es nun wieder losgeht mit Bild (‚Wie können Sie nur…‘) ein paar Worte dazu. Erstens bin ich grundsätzlich der Meinung, dass rund 12 Millionen Bild-LeserInnen ernstzunehmen sind. Zweitens ist die Einteilung der Medien in hie Gut und da Böse, hie objektiv und da verantwortungslos schon lange nicht mehr so einfach, wie viele es gerne hätten. Das sehen wir nicht zuletzt am Fall Kachelmann." Und drittens gehe es ihr, wie erwähnt, um die Opfer-Perspektive.
Kritik übt die Frauenrechtlerin an den Wochen-Titeln: "Die Leitmedien der Republik – wie Spiegel oder Zeit – waren bisher in einem solchem Maße parteiisch pro Kachelmann, dass von diesen Seiten eine voreingenommene Berichterstattung zu befürchten ist." Für Schwarzer ist der Prozess-Ausgang völlig offen: "Ob die drei Berufsrichter und zwei LaienrichterInnen allerdings je die Wahrheit herausfinden werden, das ist keinesfalls garantiert. Noch steht Aussage gegen Aussage. Nur noch nicht bekannte Fakten könnten wohl die Waagschale der Justitia zugunsten Kachelmanns senken – oder zugunsten der Ex-Freundin."

Ihr gehe es um eine Grundsatzfrage: "Unabhängig von der Wahrheit dieser Nacht ist schon jetzt eines klar. Hier verhandelt eine ganze Nation anlässlich dieses einen Prozesses über die Frage: Ist sexuelle Gewalt in Beziehungen Privatsache? Oder ist sie ein Verbrechen?"

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