bond: PR-Quatsch mit Macho-Soße

Was bei Gruner und Jahrs Business Punk noch frech daher kommt, wirkt bei bond großkotzig. Braungebrannt und die Kubaner lässig im Mundwinkel: Jovial wie ein Schönwettter-Segler auf der Außenalster blickt Chefredakteur Hendrik Birke den Leser im Editorial an, nachdem dieser die doppelseitige Anzeige für Bavaria-Boote überblättert hat. Damit ist alles gesagt, was man über das Männermagazin wissen muss. Was den echten Bond von diesem Heft unterscheidet, ist Charme. Doch charmant geht anders.

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"Männer waren und sind in jeder noch so widrigen Klimazone anpassungsfähig, Männer sind die Speerspitze der Diplomatie, Männer sind aufrichtige Krieger, die für eine Sache kämpfen, egal wie viel Federn sie dabei lassen." Sprüche wie dieser sind nicht einmal das größte Problem des "Lifestyle-Magazins für anspruchvolle Männer jeden Alters und Typs". Irgendjemand wird sich in dieser Zielgruppe schon finden, der sich von derartigem Chauvi-Geschwätz angesprochen fühlt. 
Ein viel größeres Problem ist der nachfolgende Inhalt selbst, denn eines muss man dem PR-Maga… – Entschuldigung – Männermagazin lassen: Die Werbeleute haben einen guten Job gemacht. Leider so gut, dass niemand mehr zwischen Werbung und redaktionellen Beiträgen unterscheiden kann. Nichts gegen Werbung, aber fünf Euro für ein Heft zu verlangen, das fast ausschließlich aus PR-Texten und Anzeigen besteht, ist nicht mehr nachzuvollziehen.
"Wir haben bewusst auf ein Inhaltsverzeichnis verzichtet, weil jede Seite für sich spricht," schreibt die Redaktion. Laut Birke sind Inhaltsverzeichnisse ohnehin etwas für Weicheier und "wir sind Kerle! Männer! Wir benötigen doch für einen automobilen Ritt über den guten alten Brenner Richtung Bella Italia auch keine zerknitterte Fahrkarte." Vielleicht liegt der Verzicht aber auch daran, dass es kaum Inhalt gibt, der verzeichnet werden könnte.

Es findet sich nahezu kein Beitrag, der nicht in irgendeiner Form mit Werbung oder PR verwoben ist. Ob der Leser auf den Seiten über die Pangea-Forschungsexpedition nun einen Artikel oder eine Mercedes-Kampagne vor sich hat, bleibt unklar – ebenso, warum in der Titelstorys eines Magazins für echte und anspruchsvolle Kerle Udo Walz zu seiner Haarpflegeserie befragt wird, "die es bei DM zu kaufen gibt."
Wenn ein Artikel, der mit guten Vorsätzen beginnt, mit dem Absatz "In liebevoller und privater Atmosphäre gelingt es gemeinsam mit der Klinik Pöseldorf ,schöne‘ Vorsätze zu erfüllen und mit dem zufriedenen Gefühl ,Ich habe es geschafft!‘ das neue Leben in vollen Zügen zu genießen" endet, und darunter eine Anzeige für genannte Klinik für Schönheitschirurgie folgt, dürfte der Bogen auch beim PR-freundlichsten Leser überspannt sein.

Immerhin der gute alte Friedrich Schiller wird vom Werbebombardement verschont. Die Frage, warum auf einmal ein Dichterporträt in der Heftmitte auftaucht, bleibt jedoch ungelöst.

Dass in den Interviews (Marcus Schenkenberg, Martin Wieland und besagter Star-Friseur) abwechselnd mal nach dem stilvollsten, mal nach dem besten Bond-Darsteller gefragt wird, macht das Heft auch nicht unbedingt spannender – passt aber immerhin zum Titel. Um es mit den Worten des bond-Chefredakteurs zu sagen: "Adiós muchachos." Dieses Heft braucht niemand.
Am Mittwoch, 1. September, erscheint die zweite Ausgabe des bond men’s magazin. Die Zeitschrift ist für einen Copypreis von 5 Euro in Flughäfen, Lounges, ausgewählten Hotels, bei Messen und im Bahnhofsbuchhandel erhältlich. Das Männermagazin erscheint viermal im Jahr in insgesamt zehn Europäischen Ländern mit einer Gesamtauflage von 47.500 Exemplaren (20.000 in Deutschland).

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