Heimat: Hörzu verlandlustelt die Republik

"So schön ist Deutschland": Unter diesem Claim schickt Hörzu-Chef Christian Hellmann sein neues Print-Projekt Heimat an den Kiosk. So unkritisch wie die Unterzeile präsentiert sich das Magazin tatsächlich an einigen Stellen, es heimelt ganz gewaltig. Doch unterm Strich ist es der Redaktion tatsächlich gelungen, ein Heft zu produzieren, das gemütlich und beschaulich daherkommt, auf eine ländliche Entschleunigung à la Landlust setzt und trotzdem nicht langweilig und unmodern wirkt.

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Gleich auf der ersten Seite schwingt Chefredakteur Hellmann allerdings arg den Emotionspinsel: "Der Duft von Großmutters Apfelkuchen, das Rascheln des Herbstlaubes, Familie, Kindheit, Geborgenheit. Schon bei der ersten Redaktionssitzung zu diesem Heft wurde deutlich: Heimat ist für jeden etwas anderes und für alle mehr als ein Ort. Die Erinnerung gehört dazu, eine Mischung aus Geräuschen, Gerüchen, Geschmack." Weiter schreibt der Multi-Blattmacher, der TV-Digital, Hörzu und Hörzu-Wissen verantwortet: " Heimat ist Sommerurlaub an der Nordsee, die Blaskapelle beim Trachtenumzug in Oberbayern, das Aroma von Lebkuchen, das Klackern der Pedale beim Tretboot-Ausflug auf dem Baggersee."

Aus all diesen Gefühlen und Bildern versucht Hellmann nun ein stimmiges Heft zusammenzurühren. Unterteilt ist Heimat in die Rubriken "Augenblicke", "Natur", "Leben", "Haus & Garten", "Heimatkunde", "Land & Leute", "Genuss" und "Meisterwerke".

In der "Heimatkunde" beispielsweise gibt es eine kleine Trachtenkunde, einen nostalgischen Blick zurück, wie in alten Zeiten gewaschen wurde, oder auch ein Stück über das "Wiesn-Wunder" des Münchner Oktoberfestes, das sich in 200 Jahren zum größten Volksfest der Welt entwickelt hat. Die Idee, in einem Deutschland-Heft über die Wiesn zu berichten, ist wenig originell – genauso wie eine Geschichte über das Leben auf einer Hallig zu schreiben oder ein Rezept für Großmutters Apfelkuchen zu drucken.

Auch wenn einige Einfälle wenig kreativ erscheinen, überzeugen doch auch ganz einfache Stücke wie elf Seiten über den deutschen Herbst – gemeint ist die Jahreszeit – , eine Wissensstrecke über Pilze oder eine Reportage über das Wendland, die Schäfer und Künstler vorstellt, die in dieser Region ihren "besonderen Unterschlupf" gefunden haben.

Zum Abschluss schreibt Hellmann in seinem Editorial, dass die Leser die "schönen Seiten Deutschlands entdecken und erkunden sollen". Ein nettes Wortspiel. Doch der Satz zeigt auch: Kritische Berichterstattung findet in dem Magazin kaum statt. Es ist vielmehr ein Wohlfühl-Produkt, das sein Heimatland bedingungslos abfeiert und dabei – zumindest gefühlt – die Grenze zum Corporte Publishing an einigen Stellen deutlich schrammt. Stünde im Impressum ein Fremdenverkehrsamt als Herausgeber, wäre dies wenig verwunderlich.

Unabhängig davon trifft der Springer-Neuling einen gesellschaftlichen Nerv, ist gut gemacht und hat mit der wohlsituierten Hörzu die ideale Marke im Rücken, um passgenau die richtige Zielgruppe zu treffen. Mit Heimat hat Hellmann und sein Team ein Magazin vorgelegt, das beste Chancen hat, kein Kiosk-Ladenhüter zu werden.

Heimat soll alle zwei Monate erscheinen. Die Startauflage liegt bei 300.000 Exemplaren und der Copypreis beträgt 3,50 Euro.

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