Loveparade: Strafanzeigen gegen Pleitgen

Nachdem bei der Staatsanwaltschaft Duisburg Strafanzeigen gegen die Stadt und ihren Oberbürgermeister eingereicht sowie erste Ermittlungen gegen Veranstalter Rainer Schaller angestrengt wurden, wird nun auch die Verantwortung von Fritz Pleitgen und der Ruhr.2010 GmbH an dem Loveparade-Unglück geprüft. Wie das Blog Ruhrbarone berichtet, sollen gegen den Ex-WDR-Intendanten und Geschäftsführer des Projektes mehrere Strafanzeigen eingereicht worden sein, die sich insbesondere gegen seine Person richten.

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Die Ruhr.2010 GmbH ist Veranstalter der "Metropole Ruhr", die in diesem Jahr als "Kulturhauptstadt Europas" ausgezeichnet wurde. Im Rahmen dieses Projekts wurde auch die Loveparade unterstützt. Veranstalter war zwar in diesem Fall die Firma Lopavent von Rainer Schaller, dennoch lief die Techno-Party auch unter dem Label von Ruhr.2010. Nach Bekanntwerden des Unglücks mit 21 Toten und über 500 Verletzten hatte Pleitgen als Chef der Ruhr.2010 GmbH bereits verkündet, eine moralische Mitverantwortung zu übernehmen.
Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp sagte gegenüber Ruhrbarone, dass alle gegen Pleitgen und die weiteren Mitarbeiter der Ruhr.2010 gerichteten Strafanzeigen nun auf ihre strafrechtliche Relevanz hin geprüft werden. Gegebenenfalls würden die Ergebnisse dann in die Ermittlungsarbeit der Sonderkommission der Polizei in Köln einfließen. Die Strafanzeigen würden dabei von der Staatsanwaltschaft "genau so bewertet, wie alle anderen Anzeigen auch", so Haferkamp.
Was Pleitgen vorgeworfen wird und wie viele Anzeigen bereits gestellt wurde, ließ Haferkamp offen. Sollte sich herausstellen, dass die Ruhr.2010 GmbH Unterlagen besitze, die für die Ermittlungen notwendig sind, würde man sich diese beschaffen, so der Oberstaatsanwalt weiter. Bei der Firma Lopavent, dem Veranstalter der Loveparade, waren vor einigen Tagen in unterschiedlichen Städten Razzien durchgeführt worden.
Ein Sprecher der Ruhr 2010 erklärte auf MEEDIA-Anfrage. "Wir machen uns wegen den Strafanzeigen keine Sorgen, denn strafrechtlich haben wir nichts zu befürchten. Wir haben die Veranstaltung zwar in unser Programm aufgenommen, aber weder mit finanziert noch organisiert. Etwas zu präsentieren, ist schließlich etwas anderes als Fehler bei der Organisation zu machen. Von daher bleibt es bei der moralischen Verantwortung, die Herr Pleitgen bereits direkt nach dem Unglück übernommen."
Dass es trotzdem zu einer Ansammlung von Strafanzeigen gegen Fritz Pleitgen und die Ruhr.2010 gekommen ist, erklärt er sich durch die immer noch unbefriedigenden Ermittlungserfolge. Bisher gebe es schließlich niemanden der eindeutig als Schuldiger zur Verantwortung gezogen werden könne. Es sei daher sogar ein Stück weit verständlich, dass die Menschen erst einmal gegen jeden, der mit der Loveparade zu tun hatte, eine Anzeige erstatten.

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