iPhone: Abo-Fallen in App-Werbung

Die alten Tricksereien aus der Netz-Vorzeit feiern ein Comeback im mobilen Web und gefährden das sonst als so sicher gepriesene iPhone. Erste Fälle zeigen: Hinter Werbebannern in Apps für das Apple Smartphone können sich Abo-Fallen verstecken. Noch ist der angerichtete Schaden überschaubar. Doch sollten die Abzocker erst einmal Blut lecken und ernsthafte Einnahmen erzielen, könnte sich die Masche schnell zu einer ernsthaften Gefahr für die Nutzer und die Werbebranche entwickeln.

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Frank Pohl* aus Köln schildert seinen Fall: Im Juli tauchen auf seiner Telekom-Rechnung für das iPhone 11,97 Euro auf, die er sich nicht erklären kann. Hinter der Summe steht lediglich “Leistungen Ericsson IPX”

Per Mail und Einschreiben bittet er bei dem Unternehmen mit Sitz in Stockholm um Auskunft, wofür diese Summe eingezogen wurde. Der Helpdesk von Ericsson IPX schreibt zunächst per SMS, man sei nicht zuständig. Später kommt ein Brief, in dem auf das Unternehmen Cellfish Media verwiesen wird. Dieses Unternehmen hat seinen Sitz in Frankreich. Allerdings bekommt Pohl eine deutsche Mailadresse genannt, über die er nachfragt. Aber auch Cellfish ist nur Mittelsmann und nicht für die Gebühr verantwortlich. In der Mail heisst es:

“Hierbei handelt es sich um einen Dienst der Firma MyDoo GmbH, welche mobile Entertainment Produkte anbietet. Diese Produkte werden über Werbeeinblendungen in unterschiedlichsten iPhone Apps angepriesen. Dort werden Klingeltöne, Videos und Bilder zu einem wöchentlichen Preis von 3,99 EUR angeboten. Jede Woche erhalten Sie eine bestimmte für das jeweilige Abo entsprechende Menge an Guthaben, welches Sie dann über das kko Mobile Portal nutzen können.”

“Ich habe nie ein Abo abgeschlossen”, sagt Frank Pohl zu iPhone-Fan. Seine Erklärung: Mit einem Fingertipp auf eine Anzeige bzw. ein Bild kam der Abo-Vertrag zustande, ohne dass ihm dies angezeigt wurde. In welcher App die Werbung platziert war, kann er nicht mehr nachvollziehen. Das taucht auch in keinem der diversen Schriftstücke auf.

Nach Auffassung von MyDoo kommt mit dem Antippen des Banners bereits ein Abo-Vertrag zustande. Dieses Vorgehen ist sicherlich anfechtbar, doch das Geld ist erstmal weg. Etlichen Betroffenen dürfte auf dem Recherche-Weg die Puste ausgehen. Ganz bewusst verläuft das Inkasso über mehrere Unternehmen, die in unterschiedlichen Ländern sitzen.

Pohl hat über die Telekom-Hotline seinen iPhone-Vertrag für Mehrwertdienste (Value Added Services) der Kategorien Entertainment, Business und Erotik sperren lassen. Die Telekom kann wahlweise eigene Mehrwertdienste oder die Dreier-Kombi fremder Dienste blockieren. Wer die Abo-Fallen definitiv umgehen will, dem bleibt nur ein Ausweg: Auf keinen Banner mehr tippen.

* Name geändert

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