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US-Medien: Hulu geht an die Börse

Die ohnehin schon boomende Videoplattform Hulu.com arbeitet am nächsten großen Kapitel der eigenen Geschichte: Wie diverse belastbare US-Medien übereinstimmend berichten, plant das unter anderem von den US-Giganten News Corporation, Disney und NBC Universal gestartete Portal den Gang an die Börse. Die Hoffnung ist, dass der bis zu zwei Milliarden US-Dollar in die Kassen spült. Geld, damit es sich Hulu leisten kann, den eigenen Dienst mehr und mehr zu einem Pay-Angebot zu wandeln.

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Offiziell ist dieser Schritt noch nicht, aber die Anzeichen verdichten sich schon sehr: Sowohl der belastbare Finanzdienst Bloomberg als auch New York Times und Financial Times stützen sich auf Hulu-Insider. Die geben an, von konkreten Vorbereitungen eines Börsengangs erfahren zu haben – und das mit klarem Ziel: Mit einem sogenannten IPO (Initial Public Offering) soll sich Hulu bis zu zwei Milliarden US-Dollar an frischem Kapital beschaffen. Das Problem, wie es etwa die FT beschreibt: Mehrere Hulu-Beteiligte kämpfen gegen die Kostenlosmentalität im Netz, allen voran Rupert Murdoch. Auch Jeff Zucker, der Chef von NBC Universal, habe sich deutlich gegen freie Angebote ausgesprochen.

Die größten Hulu-Finanziers wollen also offensichtlich, dass sich Hulu weiter auf Pay-Angebote beschränkt. Die Plattform führt dazu gerade eine "Hulu Plus"-Variante ein. Ihr Abo soll zunächst 9,99 US-Dollar im Monat kosten und den Zugang zu weiteren Inhalten ermöglichen, die nicht im freien Bereich der Plattform stehen, etwa ältere Staffeln von TV-Serien oder Folgen, die im Netz schon vor der Ausstrahlung im Livefernsehen gezeigt werden. Ein Börsengang würde Hulu helfen, sich auch dann noch aktuelle und teure Sendungen und Filme leisten zu können, wenn es lange dauern sollte, die Nutzer davon zu überzeugen, für die bisher allein werbefinanzierten Inhalte zu bezahlen. Viacom (Comedy Central, MTV und Nickelodeon) hatte bereits erste Sendungen wieder aus der freien Hulu-Seite genommen, weil die Werbeeinnahmen zwar stiegen, aber noch nicht an die Erlöse klassischer TV-Werbung heranreichten.

Ein Börsengang wäre eine Stärkung gegen den Konkurrenten Netflix, einen zuletzt stark wachsenden Onlineverleih, der für 8,99 US-Dollar im Monat Kino- und Spielfilme wie auch TV-Serien per Flatratetarif bietet. Während Netflix seine Inhalte lange bloß auf klassischen DVDs verschickte, bietet der Dienst inzwischen an, sie auch über mit dem Netz verbundene Hybrid-Fernseher oder aber Spielekonsolen wie die Wii, Playstation oder Xbox abzurufen – und ist damit auf einen Schlag zu Hulus Topkonkurrenten aufgestiegen, das früher eher gegen Googles YouTube ankämpfte. Die New York Times berichtete zudem von Gerüchten, dass das eingeschlafene Apple TV ähnliches vorhabe. Ebenfalls ein Grund für Hulu, sich anzustrengen. Ein Börsengang könnte zweifelsohne für das nötige Spielgeld sorgen.

Derzeit lassen die Mediengruppen RTL-Deutschland und ProSiebenSat.1 von der EU-Kommission prüfen, ob sie nach dem US-Vorbild eine gemeinsame Video-Plattform aufziehen dürfen. Sollte Brüssel ihren Plan durchwinken, wollen sie für den Betrieb eines deutschen Hulu-Klons eine gemeinsame Servicegesellschaft gründen und auch andere Sender beteiligen, sogar ARD und ZDF. Ein Pay-Modell sieht diese avisierte Zentralmediathek deutscher TV-Sender indes nicht vor – vorläufig jedenfalls.

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