Bild-Leserreporter liefern kaum News

Die Leserreporter der Bild sind meist nur für Buntes gut, nicht aber für harte Fakten. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Uni München, die zwei Jahre lang das Projekt von Kai Diekmann unter die Lupe genommen hat. Wissenschaftlerin Ilona Ammann sagte MEEDIA zu ihren Ergebnissen: "Fotos, die wirklich einen hohen Wert haben und sehr aktuell sind, sind die Ausnahme." Häufig lieferten die Amateur-Reporter lediglich Kuriositäten.

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Zwei Jahre lang, nämlich seit dem Start des Leserzeitungs-Projekts 2006 und bis 2008, haben drei Wissenschaftler Tag für Tag die Münchener Ausgabe analysiert – nicht nur die regionalen, sondern auch die überregionalen Seiten: Wie häufig waren Fotos von Lesern im Blatt und was zeigten sie eigentlich? Amman, angesiedelt beim Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität München, sagte MEEDIA, Fotos von Prominenten hätten "extrem abgenommen". Zum Start der "1414"-Aktion hätten sie noch etwa 20 Prozent der veröffentlichten Bilder ausgemacht, am Ende nur noch etwa fünf. Ein Niveau, das sie auch bei der Bild-Lektüre heute noch feststelle.

"Vielleicht hat so etwas einfach seinen Reiz verloren", spekuliert Ammann. Ob bei Bild aber tatsächlich weniger Fotos von Promis beim Shoppen, Urlauben oder Sporteln aufgelaufen sind oder Bild bloß weniger vom eingereichten Material dieser Art druckte, wisse sie aber nicht. "Wir haben nicht mit der Redaktion gesprochen, sondern uns auf eine Inhaltsanalyse beschränkt und dafür die Veröffentlichungen ausgewertet", sagte die Wissenschaftlerin, die dem Phänomen der Leserreporter zusammen mit ihrem Münchner Kollegen Benjamin Krämer und Sven Engesser nachspürte. Krämer forscht am Medieninstitut der Uni Zürich.

Wie MEEDIA bereits im Juli berichtete, liefen bei Bild bislang insgesamt 686.000 Fotos von Lesern auf. 13.500 wanderten ins Blatt, viele davon auf Regionalseiten. Zum Material, das in München zu sehen gewesen sei, sagte Ammann: Fotos mit wirklich nachrichtlichem Wert seien die Ausnahme. "Vieles, was die Bild-Zeitung veröffentlicht, ist einfach nur kurios – sei es der Polizist beim Pinkeln oder einer seiner Kollegen, dem das Benzin ausgegangen ist." Kuriosität sei dabei zugleich "ein eigenes Charakteristika der Leserfotos" und fülle "eine Lücke, die der professionelle Journalismus nicht abdecken kann".

Anderen Redaktionen voraus ist Bild allein mit dem Instrument ihrer Leserreporter also nur äußerst selten – Erfolge feierte sie wenige Wochen nach dem Start mit ersten Aufnahmen vom Transrapid-Unglück oder auch später vom Beinahe-Absturz des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering. In der Studie, die unter anderem in der Fachpublikation Medien & Kommunikationswissenschaft (1/2010) veröffentlicht wurde, heißt es jedenfalls zusammenfassend: "Es stellt sich heraus, dass bei der Selektion ‚weiche‘ Nachrichtenfaktoren dominieren und im Zeitverlauf zunehmen."

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