Skype will an die Nasdaq gehen

Der Internet-Telefondienst Skype hat seine Pläne für einen Börsengang konkretisiert und einen Antrag für ein Listing an der Nasdaq eingereicht. Auf 100 Millionen Dollar werden die erhofften Erlöse taxiert, mit denen wohl auch Zahlungen für die P2P-Software an die einstigen Gründer bedient werden sollen. eBay hatte 2009 die Mehrheit seiner Anteile an Finanz-Investoren verkauft und dabei knapp 2 Milliarden Dollar erlöst. Angaben über einen Zeitplan des Börsengangs gibt es noch nicht.

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Sechs Jahre ist es her, als Google den völlig am Boden liegenden Markt für Neuemissionen mit seinem IPO wieder befeuerte. Einen ähnlichen Effekt vom Internet-Telefonanbieter Skype zu erwarten, wäre zu viel verlangt – dafür sind die Erlös-Größenordnungen einfach zu unterschiedlich. Aber ein Jahr nach der schweren Finanzmarktkrise ist der Skype-Börsengang ein erkennbares Zeichen, dass Unternehmen mit einer anhaltenden konjunkturellen Erholung rechnen.

Dass es sich nicht um irgendeinen Börsengang handelt, beweist schon die illustre Anzahl der konsortialführenden Banken, die Skype an die Technologiebörse Nasdaq führen sollen: Mit Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan hat Skype dann auch die Crème de la Crème der Wall Street engagiert.

Börsenbewertung und IPO-Zeitpunkt noch unbekannt

In anderen Worten: Dieser Börsengang muss gelingen. Erlöse in Höhe von 100 Millionen Dollar soll die Emission in die Kassen der früheren eBay-Tochter spülen, die nach dem Verkauf an eine Investorengruppe um das Beteiligungsunternehmen Silver Lake, den kanadischen Pensionsfonds und Netscape-Gründer Marc Andreessen  immer noch 30 Prozent am Internet-Telefondienst besitzt.

Dafür dürfte allerdings nur ein kleiner Teil des Unternehmens an der Technologiebörse Nasdaq platziert werden. Wie viele Anteile das Unternehmen, das nach der Rechtsform seinen Sitz in Luxemburg gewählt hat und deshalb American Depositary Shares (ADS) ausgibt, tatsächlich an der Börse platziert, ist ebenso unbekannt, wie die angestrebte Börsenbewertung als auch der Emissionszeitpunkt. Traditionell gilt das kommende vierte Quartal an der Wall Street als das beliebteste.

Emissionsprospekt: Skype arbeitet profitabel – Ebitda von 116 Millionen Dollar in den ersten sechs Monaten 2010

Ziel des Unternehmens ist laut Börsenprospekt die Erweiterung der zahlenden Kundschaft. Von den inzwischen über 560 Millionen registrierten Nutzern gelten etwa 100 Millionen als aktiv, während nur 8,1 Millionen Skype als Bezahldienst nutzen.

Trotzdem können sich die Unternehmensbilanzen sehen lassen: In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres verdiente Skype vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) immerhin  schon 115,8 Millionen Dollar bei Erlösen von immerhin 406,2 Millionen Dollar.

Ebenfalls aus dem Emissionsprospekt gehen hohe Abschreibungen im vergangenen Geschäftsjahr hervor. Hintergrund: Die Einigung mit den früheren Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis, die die Rechte an der P2P-Software "Global Index" hielten, die dem Internet-Telefondienst zugrunde liegt, kostete happige 343,8 Millionen Dollar. Ein Teil dieser Aufwendungen soll der Börsengang nun wieder in die Kassen spülen.

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