Starkes Quartal: Microsoft trotzt Apple

Redmond schlägt zurück: Nach dem jüngsten Rekordquartal wurde Apple von der Wall Street bei den Umsätzen schon vor Microsoft gesehen. Doch der Software-Riese rückt mit Vorlage seiner Geschäftszahlen die Verhältnisse wieder zurecht: Der zweitwertvollste Technologiekonzern erlöst weiterhin mehr als die neue Nummer eins an der Börse – verdient hat Microsoft ohnehin deutlich mehr als Apple. Aktionäre sind davon dennoch unbeeindruckt: Anteilsscheine von Microsoft können nachbörslich nicht profitieren.

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Redmond schlägt zurück: Nach dem jüngsten Rekordquartal wurde Apple von der Wall Street bei den Umsätzen schon vor Microsoft gesehen. Doch der Software-Riese rückt mit Vorlage seiner Geschäftszahlen die Verhältnisse wieder zurecht: Der zweitwertvollste Technologiekonzern erlöst weiterhin mehr als die neue Nummer eins an der Börse – verdient hat Microsoft ohnehin deutlich mehr als Apple. Aktionäre sind davon dennoch unbeeindruckt: Anteilsscheine von Microsoft können nachbörslich nicht profitieren.

Man könnte es ein Paradoxon nennen: Apple ist an der Börse mehr wert als Microsoft, obwohl der Software-Riese in der Vergangenheit deutlich mehr verdient und noch immer mehr erlöst hat als der Hardware-Konzern aus Cupertino. Doch der Wind hat zumindest an der Börse gedreht: Apple wächst schneller und bringt alle paar Jahre Innovationen auf den Markt, von denen der Windows-Hersteller nur träumen kann – deswegen bewilligen Aktionäre dem Computerpionier aus dem Silicon Valley seit Ende Mai einen höheren Börsenwert.

Zumindest nach dem Umsatz könnte Apple nun auch zu Microsoft aufschließen, dachten viele Marktbeobachter nach Apples Rekordzahlen vom vergangenen Dienstag. Der iPhone- und iPad-Hersteller hatte im abgelaufenen Quartal Erlöse von 15,7 Milliarden Dollar vermelden können – "ein phänomenales Quartal, welches unsere Erwartungen in allen Bereichen übertroffen hat", wie Apple-CEO Steve Jobs frohlockte.

Die alte Weltordnung bleibt intakt: Microsoft erlöst und verdient mehr als Apple
    
Das sollte eigentlich reichen, um den ewigen Rivalen Microsoft nun auch nach Fundamentaldaten zu überflügeln, dachten Analysten, die im Durchschnitt mit Erlösen des Windows-Herstellers von 15,27 Milliarden Dollar rechneten – schließlich hatte Microsoft im Vorjahresquartal lediglich 13,1 Milliarden Dollar umgesetzt.      

Doch Steve Ballmer hatte einen Tag nach seinem dreißigsten Firmenjubiläum bei Microsoft einen weiteren Grund zur Freude: Mit 16,04 Milliarden Dollar Umsatz übertraf der Redmonder Software-Riese die Analystenerwartungen deutlich und konnte eben Erzrivalen Apple noch einmal distanzieren.

Nach Gewinnen dürfte der jahrzehntelange Abstand ohnehin noch ein paar Quartale gewahrt bleiben: Apple verdiente zwischen Anfang April und Ende Juni 3,25 Milliarden Dollar, Microsoft fuhr unterm Strich indes happige 4,52 Milliarden Dollar oder 51 Cents je Aktie ein – und überbot damit die Konsensschätzungen der Volkswirte deutlich, die von nur 46 Cents je Anteilsschein ausgegangen waren. Der Gewinn explodierte damit um fast 50 Prozent.

Verkaufsschlager Windows 7: 175 Millionen Lizenzen in einem Jahr
    
Treiber der starken Entwicklung waren erneut das Betriebssystem Windows und die Geschäftskundensparte, die zusammen operative Gewinne von mehr als sechs Milliarden Dollar einfuhren. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch auch, dass Microsoft weiterhin mit seiner Internetsparte, zu der etwa die Suchmaschine Bing zählt, Geld verliert.

COO Kevin Turner zeigte sich davon unbeeindruckt und kommentierte im Conference Call erfreut die Geschäftsentwicklung: "Wir haben starke Verkäufe in all unseren Geschäftsfeldern gesehen, besonders im Firmenkunden-Bereich mit Windows 7 und Office 2010", erklärte Turner. Aktionäre waren trotz der 175 Millionen verkauften Lizenzen der neusten Windows-Version im abgelaufenen Geschäftsjahr von Microsofts Geschäftspräsentation wenig begeistert.   

Microsoft zerredet die guten Ergebnisse im Conference Call

"Sie haben einen lausigen Conference Call abgehalten", ordnete der Vermögensverwalter Gary Dvorchak die Bilanz-Kommentierung von Finanzchef Peter Klein ein. "Der Call dauerte ganze 30 Minuten, und sie haben nur eine Handvoll von Fragen zugelassen." So gewinnt man das Vertrauen von Anleger offenbar nicht zurück: Die Microsoft-Aktie, die seit Januar um mehr als 15 Prozent zurückliegt, gab im nachbörslichen Handel ihre Gewinne schnell wieder ab und endete sogar leicht im Minus.

Die Käuferzurückhaltung liegt offenbar auch an den mangelnden Wachstumsperspektiven – womit der Abschlag zu Apple wieder offenbar wird. "Die Aktie ist billig, und die Barreserven sollten Value-Investoren anlocken, doch Microsoft erschließt keine neuen Märkte wie Apple", analysiert Dvorchak. "Microsoft ist nun der dickliche Mann mittleren Alters der Technologiebranche. Er hat Geld, kann im Ferrari herumfahren, aber er ist fett, bekommt eine Glatze und trägt Dockers. So wird es schwer, Mädchen anzulocken." Eine härtere Analyse für ‚unsexy’ kann es an der Wall Street kaum geben.

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