Bilanzen: die Medienkrise ist Geschichte

Welch ein Unterscheid ein Jahr machen kann: Rund zwölf Monate ist es her, als erste Hoffnungsschimmer einer konjunkturellen Erholung aufglimmten, während die meisten Bilanzen der Medienkonzerne einem Schlachtfeld glichen. Im Sommer 2010 ist alles anders: Dies- und jenseits des Atlantiks verblüffen die jüngsten Zahlenwerke Anleger und Analysten – die Krise ist überwunden. Doch wie viel nachhaltige Stärke steckt in den Bilanzen – sind die Gewinne Ergebnis einer Rosskur?

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Welch ein Unterscheid ein Jahr machen kann: Rund zwölf Monate ist es her, als erste Hoffnungsschimmer einer konjunkturellen Erholung aufglimmten, während die meisten Bilanzen der Medienkonzerne einem Schlachtfeld glichen. Im Sommer 2010 ist alles anders: Dies- und jenseits des Atlantiks verblüffen die jüngsten Zahlenwerke Anleger und Analysten – die Krise ist überwunden. Doch wie viel nachhaltige Stärke steckt in den Bilanzen – sind die Gewinne Ergebnis einer Rosskur?   

Es passt alles zusammen: Am Tag, als der Dax neue Jahreshöchststände erklommen hat, vermelden die beiden wertvollsten börsengelisteten Medienkonzerne der Republik Quartalsbilanzen, an die wohl vor zwölf Monaten kaum jemand im Traum gedacht hatte.

"Print ist sehr viel stabiler als viele dachten, und Online wird viel schneller profitabler als viele dachten", erklärte Axel Springer-CEO Mathis Döpfner bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen voll Selbstbewusstsein. Dazu gibt es auch allen Grund: 146,6 Millionen Euro hat Springer in den ersten sechs Monaten des Jahres verdient – nach 77,5 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Gewinnzuwachs von 89 Prozent!

Aktien haussieren: Springer- und P7S1-Papiere so hoch wie seit 2008 nicht mehr

Auch in München herrscht Feierlaune. Der Nettogewinn von ProSiebenSat.1 explodierte um 63 Prozent von 45,5 auf 74,5 Millionen Euro – die Umsätze zogen von 694 auf 760 Millionen Euro an.  "Wir haben von der besseren Konjunkturlage profitiert und sind in nahezu allen Märkten auf Wachstumskurs", kommentierte Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG, das Ergebnis ebenfalls erkennbar erfreut.

Die neue Aufbruchstimmung sprang auch auf Anleger über. Die Aktien von ProSiebenSat.1 verteuerten sich um weitere 4 Prozent auf 14,55 Euro und markierten im Tagesverlauf sogar ein neues Zweijahreshoch. Das gilt auch für die Axel Springer-Aktie, die zwar im Tagesverlauf größtenteils unverändert tendierte, da die Ergebnisse im Vorfeld weitgehend bekannt waren, aber bei knapp 95 Euro so hoch notiert wie seit Anfang 2008 nicht mehr.

Springer und P7S1 trumpfen auf: Mehr verdient als vor der Krise

Aber sind die Unternehmen auch schon wieder so gut aufgestellt wie vor der großen Finanzmarktkrise? "Ein Teil der Gewinne, die gerade verkündet werden, geht auf die redaktionellen Einsparungen zurück", erklärte etwa DJV-Chef Michael Konken gestern im MEEDIA-Interview.

Bei Axel Springer ist das nicht der schlagende Gewinn-Treiber – im Gegenteil: 113 Millionen Euro verdiente der SDax-Konzern unterm Strich in den ersten sechs Monaten 2008, als der Gezeitenwandel der Finanzmarkt-Krise noch nicht am Horizont ersichtlich war. 146,6 Millionen waren es wie beschrieben in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres.

Auch im Falle von ProSiebenSat.1 fallen die jüngsten Gewinne höher aus als im Vorkrisenquartal 2008, als der Münchner TV-Sender 59,5 Millionen Euro einfuhr (diesmal: 74,5 Millionen Euro). Allerdings wird anhand der Umsatzentwicklung auch deutlich, wie sie zustande kamen: Heute verdiente der MDax-Konzern 760 Millionen Euro, im zweiten Quartal 2008 aber 802 Millionen Euro – die Einsparmaßnahmen haben entsprechend ihre Wirkung entfaltet.  

US-Medienriesen noch nicht auf Vor-Krisenniveau

In den USA, wo der Werbemarkt allerdings noch erdrutschartiger weggebrochen war, ist das Vorkrisenniveau trotz der zuletzt starken Unternehmensergebnisse noch nicht wieder erreicht worden: TimeWarner-CEO Jeff Bewkes etwa freute sich Mittwoch über einen Gewinn je Aktie in Höhe von 45 Cent (1,2 Milliarden Dollar) – im zweiten Quartal 2008 waren es allerdings noch 70 Cent je Anteilsschein gewesen.

Dasselbe Bild beim australo-amerikanischen Medienriesen News Corp: Das seit Jahrzehnten von Rupert Murdoch geführte Unternehmen fuhr im Dreimonatszeitraum von Anfang April bis Ende Juni 33 Cent je Aktie (875 Millionen Dollar) ein, vor zwei Jahren waren es allerdings noch 43 Cent je Anteilsschein (1,1 Milliarden Dollar).  

Dennoch: Der Trend zeigt klar nach oben. Wie lang er anhält und welch luftige Höhen dabei noch erklommen werden können, ehe die nächste Krise vor der Tür steht – das bleibt die Multimilliarden-Dollar-Frage, die Analysten und Anleger derzeit rund um den Erdball umtreibt.

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