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Schiedsrichter wollen Zeitlupe abschaffen

Bislang hatte nur der italienische Sender RAI angekündigt, bei Fußball-Übertragungen auf Zeitlupeneinstellungen zu verzichten. So sollen die Unparteiischen besser vor Streit und Polemik geschützt werden. Doch jetzt wird es auch für die einheimischen Fans ernst, denn via Tagesspiegel hat der DFB-Schiri-Boss Herbert Fandel auch eine ähnliche Regelung für Deutschland gefordert. Die TV-Sender sind alarmiert und die Bild wählte den Ex-Referee schon mal zum Verlierer des Tages.

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In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagte Fandel: "Ich würde es begrüßen, die Zeitlupen ganz entfallen zu lassen." Der neue Leiter der DFB-Schiedsrichterkommission ist der Meinung, dass es seinen ehemaligen Kollegen helfen würde, wenn in kritischen Situationen die verlangsamten Detaileinstellungen weggelassen werden würden. "Das würde den Schiedsrichtern den Druck nehmen."

Der 46-Jährige Pianist und ehemalige Bundesliga-Referee ist davon überzeugt, dass die Zeitlupe nicht das zeigt, "was viele Fernsehanstalten oder Moderatoren glauben: Sie zeigt nicht die Wahrheit." Die Wiederholung stellt nicht dar, was wirklich auf dem Platz stattfinde. Sie biete lediglich einen Blick von der anderen Seite. "Was ihr fehlt, ist die dritte Dimension – die Tiefe ist nicht da. Der Schiedsrichter hat eine eigene Perspektive und beurteilt daraus die Situation. Deswegen ist die Zeitlupe nicht immer fair."

Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Zeitlupe ist aus Italien nach Deutschland geschwappt. Dort hat die TV-Station RAI angekündigt, bei Fußballspielen künftig weitgehend auf die "Moviola" zu verzichten. Lediglich Tore und die Fouls, die zu roten Karten führten sollen noch extrem verlangsamt gezeigt werden. Der Rai-Chefredakteur Eugenio de Paoli hofft so, die ständige Polemik über Entscheidungen der Schiedsrichter vermeiden zu können. Denn die penible Kontrolle von heiklen Szenen nähre Streit, ohne dass man Einfluss auf den Ausgang nehmen könne.

Italien gilt offenbar als Mutterland der Zeitlupe. Seit 1967 zeigt der öffentlich-rechtliche Sender RAI einzelne Spielausschnitte im Instant-Replay-Verfahren. Die Privatsender Sky und Mediaset wollen sich allerdings nicht an der RAI-Initiative beteiligen.
Bei den Deutschen TV-Machern stößt der Vorstoß des ehemaligen Top-Schiedsrichters auf Unverständnis und Widerstand. "Das ist der völlig falsche Weg. Schiedsrichterentscheidungen gehören genauso wie Tore oder Torwartparaden zur Fußballkultur und müssen diskutiert werden", zitiert Sport1 den ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Für den Fernsehmann kommt es vor allmn auf die begleitende Analyse an: "Wir wollen keinen Schiedsrichter mit einer Zeitlupe vorführen, sondern dem Fan strittige Entscheidungen erklären."

Fandel selbst glaubt nicht, dass sein Vorschlag umgesetzt wird. Im Tagesspiegel sagt er deshalb: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zeitlupen hierzulande abgeschafft werden." Sie sind Teil der Berichterstattung geworden. "Für den Fernsehzuschauer macht es auch mit den Reiz aus, eine Szene aus verschiedenen Einstellungen serviert zu bekommen. Dass dies auf dem Rücken der Schiedsrichterei ausgetragen wird, müssen wir leider akzeptieren."

Obwohl der DFB-Funktionär seinen eigenen Plan wenig Chancen einräumt, läuft die Aufregungs-Maschine bereits auf vollen Touren. Die Bild erklärte Fandel gleich schon einmal zum "Verlierer" des Tages. "Bild meint: Wer gut pfeift, muss auch keine Zeitlupe fürchten!".

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