Die großen Traffic-Verlierer des Jahres

Die Zeiten, in denen Websites fast automatisch Monat für Monat Publikum hinzu gewannen, weil die Nutzerschaft des Internets wuchs und wuchs, sind lang vorbei. Längst hat ein Verdrängungswettbewerb eingesetzt, in dem es darum geht, den Konkurrenten Publikum abzujagen. Dabei bleiben einige Anbieter auf der Strecke. MEEDIA hat mit Hilfe des Google-Research-Tools Ad Planner nachgeschaut, welche Websites in den vergangenen 12 Monaten besonders stark verloren haben - zum Teil über 90% ihrer Nutzer.

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Für unsere Liste haben wir die deutschen Unique-Visitors-Zahlen aus dem Juni 2010 mit denen aus dem Juni 2009 verglichen. Unser Ranking zeigt dabei nicht die 15 größten Verlierer, sondern 15 ausgewählte Verlierer. Kleine Websites wurden beispielsweise ebenso ausgesiebt, wie Websites, die nur ihre Adresse geändert haben.

An der Spitze des Rankings finden sich zwei Websites, die in diesen 12 Monaten sage und schreibe 97,1% ihrer Besucher verloren haben. Der Grund ist in diesen beiden Fällen aber recht eindeutig: Die ursprünglichen Inhalte von Lycos.de existieren nicht mehr und der Onlineshop von Quelle.de wurde wegen der Insolvenz ebenfalls geschlossen. Noch existent ist hingegen Mininova.org, ehemals ein starker Vertreter aus den dunklen Ecken des Internets, der Torrents zu urheberrechtlich geschützter Musik, Software, Filmen und Fernsehserien auflistete. Nach der Umstellung auf komplett legale Inhalte haben die Nutzer Reißaus genommen: Von 460.000 Besuchern blieben in Deutschland 32.000 übrig.

Bitter sieht es derzeit auch für einige Start-Ups aus. So verlor Community Joinr.de 89% ihres Traffics aus dem Juni 2009, Nachrichten-Netzwerk Yigg.de 86,7% und Bookmark-Plattform Mister-Wong.de 86,6%. In den beiden letzteren Füllen dürfte der freie Fall mit verlorener Liebe der Suchmaschine Google zu tun haben. Ob es sich um Bestrafungen für übertriebene Suchmachinen-Optimierungen seitens Yigg und Mister Wong handelt oder ganz einfach um Weiterentwicklungen des Such-Algorithmus lässt sich allerdings schwer sagen. Ebenfalls kräftig verloren hat die Netzeitung, nachdem die Redaktion durch eine Aggregator-Software ersetzt wurde, sowie Pennergame.de. Das Browserspiel, das Mitte 2009 zu den großen Hypes gehörte, verlor 80% seines Publikums. Offenbar sind Bauernhöfe im Jahr 2010 angesagter als die Penner-Laufbahn.

Ebenfalls stark an Popularität eingebüßt hat neben der Community Netmoms.de auch Spickmich.de, das nach Klagen einiger Lehrer und der damit verbundenen massiven Berichterstattung etwas aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. PCWelt.de verlor ebenfalls 67,4%. Zwar wird der Großteil dieses Verlustes damit zu tun haben, dass im vergangenen Jahr in einigen Monaten Download-Kooperationen mit Software-Herstellern existierten, die den Nutzer z.B. bei einem Update einer Viren-Software direkt auf PCWelt.de führte, doch auch ohne diese Kooperation geht es Stück für Stück nach unten. Bei der IVW rutschte die Website im Juni z.B. erstmals seit fast zwei Jahren unter die 10-Mio.-Visits-Marke. 62,5% verloren hat unterdessen Giga.de – ohne TV-Sender hat es die Website einfach schwer.

Kein echter Verlierer ist hingegen RTL.de. Das Minus von 61,3% kam dadurch zustande, dass nach und nach Bestandteile des Angebotes ausgegründet wurden. So werden Websites wie VIP.de, Sport.de und vor allem Wetter.de nicht mehr als vip.rtl.de, sport.rtl.de und wetter.rtl.de angeboten, sodass auch der Traffic eigenständig gezählt wird und nicht mehr automatisch zu RTL.de hinzugerechnet wird. Interessanterweise gehört auch Kino.to zu den großen Verlierern der vergangenen 12 Monate. Nutzten im Juni 2009 noch 4,2 Mio. Unique Visitors aus Deutschland die umstrittene Plattform, auf der aktuelle Kinofilme als – natürlich nicht ganz legaler – Stream angeboten werden – waren es im Juni 2010 nur noch 2 Mio. Abgerundet wird unser Ranking schließlich durch Microsofts Suchmaschine Bing, die nach dem starken Start mit 4,6 Mio. Unique Visitors inzwischen nur noch bei der Hälfte der Nutzerschaft liegt.

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