Zickenkrieg unter Qualitätsmedien

Medienmenschen sind auch nur Menschen. Diese Woche konnte man mal wieder beobachten, wie einigen Top-Leuten der Branche vor Ärger der Kamm schwillt. Spiegel und Zeit zankten weitgehend hinter den Kulissen um ein Stefan-Aust-Porträt. Die ARD und die FAZ zofften sich dagegen öffentlich. Bei Neon haben sich stattdessen Leser geärgert, und zwar über die übergroße Geburtstagsausgabe. Steve Jobs ärgert sich weiter über Antennagate. Nur die New York Times hatte echten Grund zur Freude.

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Diese Woche gab es mal wieder einiges Gezicke unter den hiesigen Qualitätsmedien. Zeit und Spiegel zankten sich vor allem hinter den Kulissen. Grund war ein Artikel über die geschäftlichen Aktivitäten des ehemaligen Spiegel-Chefs Stefan Aust. In dem Zeit-Artikel stand, dass Spiegel-Mitarbeiter beim Verkauf des Senders XXP die Hälfte der Verkaufssumme erhalten hätten. Die Behauptung hatte der frühere Woche-Chefredakteur Manfred Bissinger schon mal 2007 in der Zeit aufgestellt. Damals erwirkte der Spiegel dagegen eine Unterlassungserklärung. Jetzt tauchte die Behauptung wieder in einem Aust-Porträt in der Zeit auf. Diesmal gab es nach einigem hin und her eine Richtigstellung, die in dieser Woche bei Zeit Online veröffentlicht wurde.

Ganz offen aufeinander eingedroschen haben in dieser Wochen dagegen die ARD und die FAZ. Der FAZ-Medienressortleiter Michael Hanfeld giftete in einem Leitartikel gegen die Genehmigung aller ARD-Online-Angebote im Rahmen des so genannten Drei-Stufen-Tests. Hanfeld sah ein “Ende der freien Presse”, eine “Herrschaft des Staatsjournalismus” und einen “totalen Machtanspruch” der öffentlich-rechtlichen Sender heraufziehen. Da verlor der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust die Contenance und schimpfte in einem offenen Brief an Hanfelds Chef, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, zurück. Die Kritik sei unverhältnismäßig und “einer seriösen Zeitung unwürdig”. Kluge Köpfe sind nicht immer kühle Köpfe.

Und gleich noch ein Spruch: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Gut gemeint war die Aktion von Gruners Erfolgstitel Neon, zum siebten Geburtstag in einer übergroßen XXL-Ausgabe zu erscheinen. Die Neon-Leserschaft reagiert, wie man sie kennt: sehr, sehr kritisch. Bei Neon.de häufte sich das Kommentar-Gemaule, dass das Heft geknickt im Briefkasten lag, dass das große Format zu unpraktisch sei usw. Die Neon-Leserschaft ist halt auch ein bisschen zickig.

Gute geschäftliche Nachrichten von der  New York Times sind selten geworden. Darum sollte man sich über die gute Nachricht der “alten, grauen Dame” zum Ende der Woche auch ehrlich freuen. Die Anzeigen-Umsätze steigen wieder! Und zwar dank Online. Im zweiten Quartal 2010 wurden die rückläufigen Print-Anzeigen-Erlöse durch steigende Online-Werbung überkompensiert. Aber der Haken folgt auf dem Fuße: Die New York Times will trotzdem an ihren Pay-Plänen festhalten. Ab nächstem Jahr will die New York Times für Online-Inhalte Geld verlangen. Mal sehen, ob das auch dann noch so gilt, sollten sich die Online-Umsätze weiter positiv entwickeln…

Jetzt wurde der iPhone-Hersteller Apple von seinem Image der Unfehlbarkeit eingeholt. Die Pressekonferenz, auf der sich Apple-Chef Steve Jobs zur Problematik der iPhone 4 Antenne äußerte, geriet zum PR-Fiasko. Dabei hatte Jobs mit seinen Einlassungen zum “Antennagate” womöglich in der Sache sogar Recht. Wahrscheinlich haben andere Smartphones auch ein ähnliches Problem, wahrscheinlich tritt das Problem nur bei einem Bruchteil der Nutzer auf. Das ist aber nicht der Punkt. Was die Welt sah, war ein schlecht gelaunter Jobs, der die Konkurrenz schlecht redete, das eigene Produkt in gewohnter Manier in den Himmel lobte und nebenher noch die Kundschaft gönnerhaft mit einer Gratis-Hülle abspeisen wollte. Es gibt in dieser Sache zwei fundamental unterschiedliche Wahrnehmungen: Steve Jobs denkt, die Medien sind doof und er selbst ist großzügig. Die Medien denken, Steve Jobs ist arrogant und sturköpfig. Und der letzte Spruch für heute: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Online werden jetzt schon Antenn-Aid Pflaster im Apple Look-and-Feel angeboten. In sechs trendy Farben.

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