Telekom-Chef will Google & Co. abkassieren

Für datenintensive Internetdienste will die Telekom künftig Geld verlangen. "Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig", sagte Konzern-Chef René Obermann dem Manager Magazin in einem Interview, das am morgigen Freitag erscheint. Das könnte vor allem Anbieter wie Google oder Apple treffen, die mit ihren Websites und Online-Diensten weltweit Millionen Nutzer erreichen. Mit der Ankündigung scheint der Kampf um den gleichberechtigten Zugang zum Internet zu beginnen.

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Bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen schließt die Telekom eine Nutzungsgebühr für Anbieter, die viel Traffic verursachen, nicht aus. Wenn der Konzern besondere Netzsicherheit oder höchste Übertragungsqualität zum Beispiel für Musik oder Video biete, müsse dies laut Obermann "auch differenziert bepreist werden". Entsprechende Diskussionen mit Anbietern wie Google seien angestoßen. Auf Anfrage von MEEDIA wollte sich der Suchmaschinengigant zu dem Thema nicht äußern.

Bislang zahlten Google oder Apple nichts an den Provider für die Datenübertragung, während die Telekom ihr Netz für viel Geld ständig ausbauen musste. "Wir werden auch künftig sicherstellen, dass unsere hohen Investitionen ordentlich bezahlt werden", sagte Obermann.

Obermanns Äußerungen können für neuen Streit zwischen dem ehemaligen Staatskonzern und der Regierung in Berlin sorgen. Denn die schwarz-gelbe Koalition spricht sich in ihrem Koalitionsvertrag für die Netzneutralität aus, also für die Gleichberechtigung von Inhalten bei der Netz-Durchleitung unabhängig von Art oder Anbieter der Inhalte. Bezahlten manche Online-Dienstleister eine Nutzungsgebühr, wird befürchtet, dass sie bei der Erreichbarkeit ihrer Websites und Produkte bevorteilt werden.
Es kursieren schon seit fast zwei Jahren Gerüchte, dass Google mit Netz-Anbietern über privilegierte Zugänge verhandelt, schreibt der österreichische Standard auf seiner Internetseite. Im Gespräch sei es, den Nutzern einen schnelleren Zugriff auf die Internetseite der Suchmaschine und seine Dienste zu ermöglichen. Damit wäre die Netzneutralität auf anderem Wege unterlaufen. Der Telekom käme dieser Kampf um die Millisekunden sicherlich entgegen. Wer seine Interessen am Ende durchsetzen kann, bleibt vorerst noch offen.

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