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Vom Klatsch-Reporter zum Talk-Millionär

Der britische Journalist Piers Morgan soll nach Medienberichten die Nachfolge von Larry King als Talkmaster antreten. Der englische People-Journalist und Talkshowmoderator könnte jüngere Zuschauer für das Talkformat bei CNN zurückgewinnen. Der Mittvierziger, der als People-Reporter beim Boulevard-Blatt Sun begann, schon mit 28 Jahren Chefredakteur wurde und als Meister des Promi-Journalistmus gilt, hat eine heikle Mission: Er soll junge Zuschauer, die der schrullige Altmeister vergraulte, zurück holen.

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Wie die Sun am Mittwoch meldete, soll Morgan bereits einen Vertrag über vier Jahre und umgerechnet gut 6,5 Mio. Euro geschlosen haben. Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung und der New York Times ist der Wechsel hingegegen noch nicht in trockenen Tüchern, auch wenn alles auf Morgan als Nachfolger hindeute. Spekulationen darüber gab es schon länger, entsprechende Berichte wurde jedoch Mitte Juni von CNN noch dementiert. Als Nachfolger von King hätte er die ebenfalls gehandelten Kandidaten, darunter die Talkmasterin Joy Behar, Ryan Secrest (American Idol) und Katie Couric (CBS Evening News), aus dem Rennen geschlagen.

Dem amerikanischen Publikum ist er bereits durch seine Auftritte als Juror in der Castingshow "America‘s Got Talent" bekannt, in der er die Rolle des überheblichen Richters einnimmt. Auch das britischen Publikum kennt ihn aus dem entsprechenden Schwesterformat. Ein Exklusivvertrag Morgans mit der NBC, auf deren Kabelangebot die Talentshow lief, stand bisher einem Vertrag mit Turners CNN entgegen. Komplikationen daraus scheinen nun aber aus dem Weg geräumt zu sein.

Der Erfolg des Wechsels wird sich daran bemessen, ob es CNN gelingt, die zuletzt deutlich gesunken Quoten wieder zu heben und jüngere Zuschauer zurückzugewinnen. Larry Kings Show hatte zuletzt, wie auch CNN ingesamt, mit deutlichen Abwanderungen an die Abendstrecken bei Fox und MSNBC zu kämpfen. Zu seinen Hochzeiten konnte Larry King mit Gästen wie Al Gore und Ross Perot Rekordquoten von 16 Mio. Zuschauern erreichen, zuletzt sank die Zahl beim dienstältesten US-Talkmaster auf unter 700.000. Gerade unter den werberelevanten jungen Zuschauern schalteten immer weniger den schrulligen Altmeister in Hosenträgern ein.

Tritt Morgan an, müsste er die aber zurückgewinnen. CNN setzt damit weiterhin auf eine lange Talkstrecke, wenn auch mit neuem Gesicht. Die Qualität seiner Interviews sei dabei ein ausschlaggebender Faktor gewesen, so die Sun. Tatsächlich gilt er vielen als Meister im Bereich des People- und Promi-Journalismus. Morgans Karriere begann als People-Reporter bei der Sun, schon mit 28 Jahren wurde er Chefredakteur beim Sonntags-Tabloid News of the World. Von 1995 bis 2004 war er Chefredakteur des Daily Mirror, wurde aber im Gefolge der Affäre um gefälschte Bilder angeblicher irakischer Misshandlungen entlassen.

Seit 2009 führt er durch die Interviewreihe "Piers Morgan’s Life Stories" beim britischen ITV, bei der Gäste wie Gordon Brown, Cliff Richard oder Boris Becker zu Gast waren. In seinem Feld gilt er als gewandter Interviewer, der selbst einem medienerprobten Politiker wie Nick Cleqq, dem Chef der britischen Liberaldemokraten, präzise Aussagen über seine Bettgeschichten zu entlocken verstand.

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