BDZV: Zeitungsgeschäft weiter rückläufig

Die deutschen Zeitungsverleger haben angesichts der Anzeigenrückgänge im Jahr 2009 ein Umsatz von minus sieben Prozent erwirtschaftet. Das gab der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf seiner Jahrespressekonferenz bekannt. Der Gesamtumsatz 2009 lag damit bei 8,46 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 640 Millionen Euro entspricht. Zudem sanken die Auflagen um 2,5 Prozent. BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff erklärte unterdessen Tablets zu den "Hoffnungsträgern" der Branche.

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Durch die Einführung des iPad von Apple habe das Publizieren auf elektronischen Displays eine neue Dimension erreicht, so Wolff. In den Verlagen werde intensiv an Inhalten, Design und Vermarktungsmodellen gearbeitet. Die gesamte Branche bewege sich in einer wichtigen Experimentierphase. Es bestehe Konsens, dass die neuen Tablets große Chancen böten, das klassische Geschäftsmodell der Zeitung, nämlich Vertriebserlöse plus Werbeerlöse, in die digitale Welt zu übertragen.
Jörg Laskowski, Geschäftsführer Verlagswirtschaft des BDZV, führte aus, dass die Zeitungen europaweit unter der anhaltenden schwierigen Entwicklung der Gesamtwirtschaft litten. Besonders hart getroffen habe es eine Reihe von Gratiszeitungen, die ohne Vertriebserlöse die Werbekrise nicht überleben könnten. Die Entwicklung im deutschen Zeitungsmarkt sei im ersten Halbjahr 2010 zwar nicht mehr so dramatisch wie im Jahr zuvor, doch von einer Erholung könne noch keine Rede sein. Bis einschließlich Mai ging die Menge der Zeitungsanzeigen im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent zurück.
Deutlich negativer sieht die Bilanz für 2009 aus: Das Anzeigengeschäft verbuchte ein Minus von 15,9 Prozent. Die Auflagenrückgänge konnten durch Preiserhöhungen überkompensiert werden, das Plus liegt hier bei insgesamt 2,3 Prozent (101 Millionen Euro). Erstmals generierten die Zeitungshäuser mehr Einnahmen aus dem Vertrieb (4,47 Milliarden Euro) als aus dem Anzeigengeschäft, auf das 3,9 Milliarden entfielen (plus 82 Millionen im Bereich Supplements).

In Bezug auf die Online-Aktivitäten der Verlage hob Wolff hervor, dass eine ausreichende Refinanzierung durch Werbung in diesem Bereich von "existenzieller Bedeutung" sei. Daher müsse man im Internet künftig auf Bezahlinhalte setzen. Angesichts dessen kritisierte der BDZV-Hauptgeschäftsführer das Mitwirken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Sie würden mit ihren gebührenfinanzierten Onlineauftritten jeder Marktentwicklung zuwiderlaufen. Dabei nannte er die Beispiele Tagesschau.de und Heute.de. Deren Inhalte-Verbreitung habe nichts mehr mit Rundfunk zu tun, vielmehr sei es ein "Skandal", das sie für ihre Angebote von den Rundfunkräten grünes Licht bekämen. Wolff kündigte an, dass man mit juristischen und politischen Mitteln dagegen angehen werde.
Zudem äußerte Laskowski Kritik in Richtung Deutsche Post. Mit ihrem Gratis-Produkt Einkauf aktuell würden sie für Wettbewerbsverzerrungen sorgen: "Es ist eine Chuzpe, wie der Staat seine schützende Hand über ein Monopolunternehmen hält, bei dem er immer noch der größte Aktionär ist, statt die wirklich freie Wirtschaft und den Mittelstand zu fördern", so Laskowski. Dass der ADAC als staatlich anerkannter gemeinnütziger Verein ab September 2010 das Post-Produkt mit redaktionellen Inhalten bestücken soll, sei der Gipfel. Diese Fehlentwicklungen gingen einher mit einem "rabiaten und illegitimen Geschäftsgebaren" der Deutschen Post AG im Briefgeschäft, in dem sich Zeitungsverlage ebenfalls engagierten. Mit Rabatten von fast 40 Prozent für Geschäftskunden versuche die Deutsche Post AG, die privaten Briefdienste aus dem Markt zu drängen. Der BDZV werde diesen Missstand vor dem Bundeskartellamt und vor der EU-Kommission in Brüssel aufzeigen.
Als weiteren Eckpfeiler für eine neue Positionierung der Verlage in der digitalen Medienkultur bekräftigte Wolff die Forderung nach einem umfassenden Leistungsschutzrecht für Presseprodukte. Dabei gehe es einzig um das Ziel, die teuer produzierten und mit einem hohen Aufwand vom Verlag präsentierten Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften vor dem gewerblichen Zugriff Dritter zu schützen. "Dass unsere Inhalte ohne jede Legitimation und Gegenleistung gewerblich genutzt werden, ist kein Zukunftsmodell für die deutsche Verlagsindustrie", so der BDZV-Hauptgeschäftsführer.
Wolff betonte, dass die private Nutzung der Zeitungsinhalte im Netz auch in Zukunft uneingeschränkt möglich sein wird. Das Zitieren aus Presseinhalten sei ebenfalls weiterhin erlaubt. Wolff machte klar, dass Verleger und Journalisten von einem gesetzlich verankerten Leistungsschutz profitieren würden. Über die Beteiligung der Journalisten an künftigen Erträgen aus dem Leistungsschutzrecht werde bereits mit den Journalistengewerkschaften gesprochen.

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