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Sportjournalisten kämpfen für DFB-Sprecher

Eine ungewöhnliche Solidaritätsnote: Seit neun Jahren ist Harald Stenger Mediendirektor der Nationalmannschaft. Zum Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus und Theo Zwanziger will ihn nicht verlängern - zum Leidwesen der einheimischen Sport-Redaktionen. In einem wohl einmaligen Vorgang wurde dem DFB-Chef in Südafrika vor rund zehn Tagen ein Brief überreicht, der die Arbeit des Sprechern in den höchsten Tönen lobt. Unterzeichner des Schreiben: fast alle am Kap versammelten deutsche Sport-Reporter.

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"Wir haben in dem Brief keine Forderungen aufgestellt. Es war uns aber ein Anliegen einmal festzuhalten, dass Herr Stenger unserer Meinung nach seit rund zehn Jahren hinweg einen super Job gemacht hat und dass wir immer gut mit ihm zusammenarbeiten konnten", berichtet der erste Vizepräsident des Verbands deutscher Sportjournalisten (VDS), Hans-Joachim Zwingmann, gegenüber MEEDIA. "Es war den Kollegen einfach eine Herzensangelegenheit, den Brief für Herrn Stenger zu schreiben", sagt Zwingmann weiter. "Bereits beim Trainingslager in Sizilien sprachen mich drei Journalisten an, ob ich nicht ein entsprechendes Schreiben aufsetzen wolle."

Dem Wunsch kam der Funktionär gerne nach. Nachdem er den Brief formuliert hatte, wendete er sich an die am Kap versammelten Pressevertreter mit der Bitte um Unterschrift. Über 80 Redakteure und Reporter signierten daraufhin das Schreiben.

Alleine die Anzahl der Unterzeichner zeigt, welch hohe Wertschätzung der ehemalige Sportchef der Frankfurter Rundschau bei seinen ehemaligen Kollegen genießt. Dem 59-Jährigen aus dem hessischen Rossbach wird immer wieder hoch angerechnet, dass er alle Journalisten gleich behandelt. In Pressekonferenzen mit der Nationalmannschaft, die ihn vor allem bei der WM 2006 zu einer Art "Regierungssprecher" der DFB-Auswahl (MainEcho) machten, spricht er alle anwesenden Medienvertreter mit vollen Namen an.

Früher nannte er neben dem Namen noch das Medium, doch das hat sich Stenger abgewöhnt, weil er das Gefühl nicht mehr los wurde, dass einige Journalisten nur deshalb bei den live-übertragenden Pressekonferenzen Fragen stellten, damit der Name ihres Arbeitgebers vor einem Millionenpublikum genannt wird.

Die Gründe für die Nicht-Verlängerung des Stenger-Vertrags sind noch immer unklar. Die Gerüchteküche nennt unterschiedliche Szenarien: So ist es möglich, dass Stenger beim DFB-Chef in Ungnade fiel. Genauso gut könnte der Fußball-Funktionär auch der Meinung sein, dass jetzt ein Jüngerer als der 59-Jährige den Job machen soll.

Eine Reaktion auf das Schreiben gab es bislang noch nicht. Theo Zwanziger will sich jedoch nach der Weltmeisterschaft äußern. Dass der Verbands-Boss noch einmal umdenkt, gilt als nahezu ausgeschlossen. "Uns ist klar, dass wir an der Nicht-Verlängerung des Vertrages nichts mehr ändern können und auch bei der Neu-Besetzung des Posten des DFB-Mediendirektors natürlich kein Mitspracherecht haben", sagt Zwingmann. Für die Sport-Journalisten war es jedoch vor allem ein Gebot des Respekts und ein Zeichen von ihrer großen Wertschätzung, dass sie noch einmal für den scheidenden Mediendirektor Partei ergriffen. Ein größeres Lob kann ein Pressesprecher wohl kaum bekommen.

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