„Wir wollen keine Hochglanzwelt“

Burdas neues People-Blatt Chatter ist eine Kampfangsage an den lukrativen Markt der Womens Weeklies. Das neue wöchentliche Chatter kommt in einer Massen-Auflage (1,3 Mio.) zum Billigst-Preis (50 Cent) am Mittwoch erstmals in Zeitungspapier auf den Markt und definiert eine neue Untergrenze in Sachen Copypreis. MEEDIA sprach mit Reinhold G. Hubert, dem Chef der Medien Park Verlage in Offenburg, sowie Chatter Chefredakteur Boris Hächler über den Massenstart am Mittwoch.

Anzeige

Chatter ist ein People-Magazin auf Zeitungspapier – dabei kommt einem sofort das etwas missglückte Experiment Talk to go aus der WAZ Gruppe in den Sinn. Was wollen Sie anders machen, damit aus Chatter keine Eintagsfliege wird?

Reinhold G. Hubert: Ich will es mal so formulieren: Ich glaube, dass wir die Idee etwas früher hatten als die WAZ Gruppe, aber dass wir länger daran gearbeitet haben.

Zeitung steht im Printgeschäft immer noch für Aktualität und Schnelligkeit aber nicht unbedingt für Haptik und Hochwertigkeit, Punkte mit denen Magazine glänzen. Wie wollen Sie die Hochglanzwelt der Promis auf Zeitungspapier rüberbringen?

Hubert: Wir wollen gar keine Hochglanzwelt rüberbringen, wir wollen pur sein und auf den Punkt kommen. Das Papier unterstützt diese Anmutung, schneller zu sein, purer zu sein. Sie können heute einen Espresso aus einem Pappbecher trinken, sie können einen Espresso aber auch aus einer Espresso-Tasse trinken. Entscheidend ist der Geschmack.

Und wie wird der Geschmack, die Tonalität von Chatter sein?
Boris Hächler: In jedem Fall sehr authentisch. Wir wollen Stars so zeigen und begleiten, wie sie wirklich sind und keine Kunstwelt schaffen.

Das heißt, es gibt die berühmten Fotos von ungeschminkten Schauspielerinnen mit Schlabberhose beim Einkaufen?

Hächler: Die wird es geben, die sind auch wichtig. Aber diese Fotos sind nicht Mittel zum Zweck. Es geht nicht darum, Stars grundsätzlich durch den Dreck zu ziehen, sondern sie so zu zeigen, wie sie wirklich sind. Und manchmal sehen sie eben etwas schlechter aus, manchmal etwas besser. Wie das echte Leben eben.

Herr Hächler, Sie waren vorher u.a. bei Bauers InTouch und bei dem Online-Klatschportal Smash24/7 – was können sie von dort für Chatter an Erfahrungswerten mitnehmen?

Hächler: Das tiefere Verständnis, wie Online funktioniert.

Und inhaltlich? Smash24/7 geht ja eher in Richtung Trash…

Hächler: Um es ganz deutlich zu sagen: Das war Trash. Da habe ich aber auch dazu gestanden. Smash24/7 ist dazu da, sich über Stars ein bisschen lustig zu machen und sie in peinlichen Situationen zu zeigen. Da wird in gewisser Weise ein lustiger Voyeurismus befriedigt und auch eine gewisse Form von Schadenfreude.

Wird es so etwas bei Chatter auch geben?

Hächler: Nein, das wird es bei Chatter in dieser reinen Form nicht geben.

Ist das nicht ein Widerspruch, wenn in dem eigentlichen Heft die Stars authentisch, pur und ungeschminkt gezeigt werden und in der Hochglanz-Beilage Star Style sieht man dann doch wieder die geschönten Traumbilder?

Hubert: Wir empfinden das nicht als Widerspruch. Und die Leser, denen wir Chatter vorab gezeigt haben, empfanden das auch nicht so. Wir zeigen in Star Style, wie die Stars sich kleiden und wie man dieses Styling für jeden Geldbeutel anpassen kann. Das ist ein absoluter Nutzwert für die Leser.

Star Style war eine Marke, die immer mal wieder Umfeld von Bunte herumwaberte. Da gab es Sonderhefte, auf der Bunte.de Website gibt es ein bisschen versteckt jetzt auch noch das Format Starstyle TV – warum dieser Marken-Transfer vom Bunte Entertainment Verlag nach Offenburg?

Hubert: Bunte Entertainment hatte den Namen schon aber wir hatten den Namen auch schon. Das ist nichts Neues, das ist aber auch völlig egal. Wir finden den Namen Star Style einfach passend. Star Style ist ein Begriff, der in den 90er Jahren hochkam, als Mode zum ersten Mal von Stars geprägt wurde.

Der Verkaufstag von Chatter liegt genau einen Tag vor Bunte. Ist das Absicht?

Hubert: Die Masse der unterhaltenden wöchentlichen Zeitschriften kommt Mittwochs auf den Markt. Das ist also genau der Tag, den wir auch favorisieren. Die Weeklies sind mit rund fünf Millionen das größte Segment. Davon wollen wir ein Stück.

Sie versprechen für den Anfang 500.000 verkaufte Exemplare bei einer Druckauflage von 1,3 Millionen. Auf welche Auflage hoffen sie langfristig?

Hubert: Über meine Hoffnungen will ich hier nichts sagen. Da gehe ich ganz alleine in eine Kirche und spende eine Kerze. Ich denke, wenn wir 500.000 garantieren, dann wissen sie, in welcher Größenordnung wir denken.

In der Mitte zwischen 500.000 und 1,3 Millionen…

Hubert: Wir garantieren 500.000.

Wie groß ist denn die Redaktion?

Hächler: Wir haben zwölf Festangestellte.

Wie wollen sie Chatter online umsetzen, die Website wird ja zeitgleich starten?

Hächler: Die Verzahnung ist ganz, ganz wichtig. Wir werden viele Votings machen und Diskussionen anstoßen. Das, was Klatsch und Tratsch wirklich bedeutet, soll aktiv auf der Website stattfinden. Es wird viel Interaktivität geben.

Wieviel Zeit hat Chatter, um sich am Markt zu etablieren?

Hubert: Ein ehemaliger Vertriebschef von Axel Springer hat einmal gesagt, bei einem Wochenobjekt weiß man nach neun Wochen, wo die Reise hingeht. Dann ist die Redaktion im Alltag angekommen, die Werbung hört auf. Man weiß dann in etwa, wo man steht. Heute weiß man das alles vielleicht ein bisschen früher, aber ungefähr diesen Zeitrahmen haben wir uns gesteckt.

Sind die 50 Cent beim Verkaufspreis das letzte Wort?

Hubert: Billiger wollen wir auf keinen Fall werden.

Und teurer?

Hubert: Nein. Die 50 Cent stehen erst einmal. Auf alle Ewigkeit weiß man das natürlich nicht, aber in diesem Jahr bleibt es dabei.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige