dpa-Rivale dapd startet im September

Es kommt, was jeder ahnte: Im September legen Deutscher Depeschendienst (ddp) und der ehemalige deutsche Dienst der Associated Press (AP, heute DAPD) ihre Meldungen und Fotos zusammen und schaffen ein neues, starkes Angebot. Dann startet die neue dapd-Nachrichtenagentur, die den Marktführer Deutsche Presse-Agentur (dpa) "verzichtbar" machen soll. dapd-Chef Cord Dreyer macht klar: "Mit diesem strategischen Neuantritt kommen wir aus der Ecke der Komplementäragenturen raus." Die Marke ddp wird dann dahin sein.

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Wie war das noch im Dezember 2009 als der einst noch arg angeschlagene
ddp den Kauf des deutschen AP-Ablegers verkündete? Da ließen sich die
Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw mit den Worten zitieren, sie würden die dpa "verzichtbar" machen. Eine Angriffsparole, die nun wahr werden könnte. Zumindest hat Cord Dreyer, seit April Chef beider Dienste, jetzt die konzeptionelle Grundlage für einen Frontalangriff auf den bis zuletzt unangefochtenen Marktführer gelegt: Am Donnerstag stellte er den neuen Dienst dapd (wichtig: Kleinschreibung im Gegensatz zum heutigen DAPD, dem AP-Nachfolger) vor. Der würde "die regionale, überregionale und weltweite Nachrichtenwelt lückenlos abbilden", sich also neben der dpa ein zweiter Vollanbieter entwickeln. Dreyer: "Der Markt braucht so einen zweiten Dienst."

Etwa 500 Meldungen aus Politik, Wirtschaft, Buntem und Boulevard will Dreyer also vom Herbst an in seinem neuen dapd-Basisdienst pro Tag anbieten. Die dpa kommt immerhin nach eigenen Angaben auf gut 800 im Schnitt, würde also weiter deutlich darüber liegen – und stellt sich unter ihrem neuen Chefredakteur Wolfgang Büchner ebenfalls neu auf. Doch Dreyer rüstet im Wettlauf der News-Dienstleister auf: Bis zum Start will er 220 feste Journalisten sowie 77 feste Fotografen beschäftigen. Die dpa gibt 451 Redakteure für Text und Foto an, setzt diese aber auch für ein umfassendes Sportangebot ein, das dem dapd als einziger wichtiger Baustein auch künftig fehlen wird. Neun neue Büros in den Bundesländern plant Dreyer, 31 Standorte sollen es dann sein – dpa: 50, also auch in Zukunft weiterhin viel mehr.

Und dennoch: Mit der Zusammenführung der beiden bisher stark getrennt geführten Dienste ddp und DAPD zum neuen dapd tut sich für dpa eine große Gefahr auf. Bisher stellten sich die Dienste von ddp, AP, der Agence France-Presse (AFP) und auch der wirtschaftsaffinen Reuters brav als sogenannte Komplementärdienste auf, ergänzend zur dpa und nicht als 100-prozentige Alternative. Das dürfte vom September an ganz  anders sein: Dreyer will, dass Redaktionen auf dpa verzichten können und auf sein Angebot zurückgreifen. Dass ihm der Sport fehlt, ist übrigens kein großes Problem: Der Sport-Informations-Dienst steht als Alternative zum dpa-Angebot parat – übrigens eine Tochter des hiesigen AFP-Ablegers.

Doch auf welchem Niveau kann der dapd die dpa angreifen? Dreyers großes Problem ist in dieser Hinsicht das Ausland: Er kann zwar eine umfassende Berichterstattung aus der Welt garantieren, weil die ddp-Eigner das Material der 3.000 AP-Korrespondenten exklusiv für den deutschen Markt lizensiert haben. Die aber recherchieren im Wesentlichen nicht auf Zuruf von Dreyers Team. Im Gegenteil: dapd wird nehmen müssen, was AP-International sowieso sendet. Dreyer sprach zwar davon, beide Häuser würden "zusammenarbeiten". Auf die Frage, ob seine Leute Informationen oder gar ganze Stücke für die Bedürfnisse deutscher Medien anfordern könnten, antwortete er indes auch auf mehrfache Nachfrage von MEEDIA nicht. dpa hat es da bedeutend einfacher: Während dapd nu eine Handvoll eigener Korrespondenten ins europäische Ausland entsendet hat, sind es mehrere Dutzend allein für den dpa-Basisdienst – weltweit. Hinzu kommen ein englischer, ein spanischer und auch ein arabischer Dienst der dpa, mit hunderten Reportern in der Welt. Auf sie wiederum hat die deutsche Redaktion von dpa vollen Zugriff.

Neu ist bei dapd eine Investigativ-Redaktion ("dapd Sources") mit erst einmal sechs Redakteuren. Sie sollen in investigativer Arbeit "das Nachrichtengeschehen in Deutschland mitbestimmen" und Hintergründe für die tagesaktuelle Arbeit der übrigen Kollegen liefern. Dreyer will zudem die People-Berichterstattung ausbauen, weil die "bei den Kunden äußerst beliebt ist", wie er sagt. Hier wiederum wird die AP-Kooperation sehr helfen: Promi-News sind ein großes Standbein der AP, viele Entwicklungen auf diesem Feld passieren zudem auf dem englischsprachigen Markt. Ein Plus für den dapd, der vom September an der dpa Marktanteile mehr denn je streitig machen will. Und dafür gar nicht schlecht aufgestellt ist.

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