Weimer und die „urbane Führungselite“

Wolfram Weimer will mit dem Focus "einer urbanen Führungselite einen Resonanzboden für ihre Lebenswelt liefern": Mit dieser klingenden Sentenz bekräftigt der ab dem 1. Juli offiziell amtierende Chefredakteur des Münchner Magazins im Interview mit der Frankfurter Rundschau sein Ziel, wieder als Gegenspieler des Spiegel wahrgenommen zu werden. Weimer möchte "das Ambitionierte, Angriffshafte, das den Focus groß gemacht hat", wieder mehr pflegen.

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Ähnlich angriffsfreudige Töne hatte Weimer schon bei seiner Münchner Antrittsrede in der vergangenen Woche angeschlagen. Was der Gründer des konservativen Ringier-Magazins Cicero nun als "lustvollen Wettbewerb um die Deutungsmacht in wesentlichen gesellschaftlichen und politischen Fragen" ankündigt, versuchen die Interviewer von der FR näher einzugrenzen, mit eher geringem Erfolg. Weimer erwähnt "bewusst unpolitisch" die Gentechnik:  "Der Mainstream ist besorgt, fragt nach ethischen Konsequenzen künstlichen Lebens. Hier setze ich stattdessen beim Faszinosum eines technischen Durchbruchs an: Was jetzt alles möglich wird!"

Auf dem politischen Feld wählt Weimer die Sparmaßnahmen der Regierung: "Stimmt es wirklich, dass dieses Sparpaket der Regierung so grausam ist, oder sollten wir nicht endlich damit aufhören, den Staat über Generationen systematisch zu verschulden? Der gesunde Reflex des Bürgertums sagt: Genau, das kann nicht gut sein."

Auf Berichte über mögliche Kooperationspartner auf europäischer Ebene nimmt Weimer indirekt und sicher nicht unabsichtlich Bezug: "Vom Economist hätte ich gern den Witz und die analytische Schärfe, von Paris Match die visuelle Präsenz und von der Zeit die Klugheit." Abzüglich der Hamburger Zeit hat Weimer damit die Titel genannt, mit denen nach Branchenberichten ein Austausch vorbereitet wird.

Natürlich zeigt sich Weimer von der Zukunft des Print-Journalismus überzeugt ("gegen die Flüchtigkeit und Jahrmarkthaftigkeit der elektronischen Medien hat Print eine Gravitation der Positionen"), für die Strategien der Branche hat er einen hübschen Vergleich: "Stellen Sie sich vor, die Autoindustrie hätte auf Branchenkrise und Existenzbedrohung mit der Entscheidung reagiert: Wir machen keine neuen Modelle mehr, und in den Sparwellen nehmen wir erst das Navi raus, dann die Klimaanlage oder die Ledersitze."

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