„Wembley heißt jetzt Bloemfontein“

Glücksgefühle und ein bisschen Schadenfreude: Am Tag nach dem grandiosen Sieg der deutschen Nationalelf gegen die "schlappen Steifböcke von der Insel" (SZ) bejubelt die deutsche Presse Jogis Jungs. Währenddessen entlädt sich der Fußball-Frust der Engländer auf den Titelseiten der britischen Boulevard-Presse. "Franks for nothing" titelte die Sun in Bezug auf das nicht gegebene Tor von Frank Lampard. Die Revanche für Wembley 1966 ist gelungen: "Gerechtigkeit siegt, mitunter auch spät" (Welt).

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FAZ, Michael Horeni

"Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hat beim 4:1 im Achtelfinale gegen England einen seiner schönsten Erfolge der vergangenen Jahre erzielt. (…) Der in Höhe und Schönheit ganz unerwartete Erfolg gegen die Meister aus der Premiere League mit Rooney, Lampard und Gerrard war der Triumph einer spielerisch mitunter vortrefflichen Vorstellung, angereichert mit herrlichen Kombinationen, wie man sie von einer deutschen Nationalmannschaft bei einer WM nicht oft erleben durfte. (…)Schon nach der ersten Halbzeit war klar, dass auch das Duell von Bloemfontein als weiteres unvergessliches Erlebnis in die deutsch-englische Fußballgeschichte eingehen würde. (…) das 4:1 war die Krönung eines grandiosen Auftritts eines jungen deutschen Teams, dem man nach seinem frechen und begeisternden Triumph einfach nur zurufen möchte: Cool, Germany!"

Süddeutsche Zeitung, Ludger Schulze
"In gewisser Weise aber war die Vorführung der schlappen Steifböcke von der Insel der Anti-Klassiker schlechthin, das Spiel setzte gleich zwei Legenden ein Ende. Denn seit dem 1. September 2001 glaubten die Engländer ernsthaft, auf der Insel könne man besser Fußball spielen als zwischen Flensburg und Berchtesgarden. (…) Die Engkänder werden erst dann wieder ein Spiel gegen Deutschland gewinnen, wenn sie sich entschließen, mit einem Torwart anzutreten."

Süddeutsche Zeitung, Thomas Hummel
"Die Engländer verlassen wie in den vergangenen 44 Jahren früh ein WM-Turnier. Ihr Spiel war so sehr auf den bulligen Stürmer ausgerichtet, dass sie seinen Ausfall nicht kompensieren konnten. Wayne Rooney war in Südafrika irgendwie auf Tauchstation."

Welt Online, Lutz Teske

"Es war ein Spektakel der Extraklasse. Deutschland führt. Zwei zu Null. Anschlusstreffer. Dann dieser Schuss an die Lattenkante, der diesen klaren Abdruck hinter der Linie hinterlässt. Ein spitzbübisch blickender Keeper Manuel Neuer, der den Ball schnappt, ihn wieder ins Feld spielt. Vorbei an entgeistert schauenden Engländern. War das die Rache für Wembley? Rache für jenes Tor der Engländer, das keines war und Deutschland 1966 den Titel kostete? Wer weiß. Gerechtigkeit siegt. Mitunter auch spät. (…) Der Glanz dieser Elf wird Platz in den Weisheitsbüchern des Fußballs finden. Deutschland hat es geschafft, der Welt nach der kunterbunten WM im eigenen Lande wieder einmal ein neues Gesicht zu zeigen. Fußball nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu spielen. (…) Da mag man tröstend nur noch sagen: Ja, es war ein Tor! Da habt ihr Euer Bloemfontein. Aber Wembley bleibt Wembley. Auf ewig."

Tagesspiegel von Michael Rosentritt
"Es wäre das 2:2 für die Engländer gewesen – nachdem sie bereits 0:2 zurückgelegen hatten. Vielleicht, vielleicht sogar wahrscheinlich hätte das Spiel einen anderen Verlauf genommen. So aber gewannen die Deutschen am Ende dank zwei perfekter Kontertore des jungen Thomas Müller 4:1 (2:1). Es war ein verdienter Sieg für die Nationalmannschaft, der jedoch wegen des nicht gegebenen Ausgleichs der Engländer einen Flecken hat."

11Freunde-Ticker fasst das Spiel zusammen:
"Und Schluss. Seltsam emotionslos. Aber vielleicht rollen die Deutschen sich auch nur zur Seite wie ein unsensibler Lover nach dem Orgasmus. 4:1. 4:1. 4:1. »Jeder Text ist ein Mosaik aus Zitaten«, sagte Roland Barthes. Dieses Spiel ist ein Mosaik aus Erinnerungen. Wembley, Netzer, Müller mit der Nummer 13. Rühren, nicht schütteln. Ein Bloemfontain für mich und meine englischen Freunde, bitte!“

The Sun
"Franks for Nothing“
 Frank Lampard-Wortspiel. Sein Ausgleichstor wurde nicht gegeben.

Kommentar von Terry Vanables (Sun)
"Während ich, wie der Rest der Nation, wie betäubt war von der gestrigen Niederlage, muss ich doch zugeben, dass ich es habe kommen sehen über die letzten Monate.(…) Wir hatten keine Antwort auf den deutschen Angriff, weil ihre Taktik und Formation einfach überlegen war."

Kommentar von Peter Shilton (Sun)
"Ich habe immer gesagt, dass man Technologie einsetzen sollte um festzustellen, wenn der Ball die Torlinie überschreitet. (…) Aber der Grund, weshalb wir verloren haben, war unsere Abwehr."

New York Times 
Über das Wembley-Tor
"Die Geschichte wiederholt sich, oder eher die Geschichte wischt die Tafel sauber. Natürlich liegen 44 Jahre dazwischen, eine Lebensdauer technologischer Entwicklungen die überall in der Welt aufgenommen wurden, nur nicht im Fußball."

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