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n-tv-Chef: „ARD-Reporter unterbeschäftigt“

Zurückhaltung scheint keine besondere Stärke von n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel zu sein. In Köln hat er die gebührenfinanzierte Konkurrenz angegriffen und blaffte: "Viele Korrespondenten der ARD leiden unter einer Unterbeschäftigung." Die Retourkutsche folgte allerdings prompt, denn auf seinem Panel saß auch "Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke. Der konterte dem Kommerz-TV: "Mit Nachrichten können Sie in Deutschland kein Geld verdienen."

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Ja, sagte Demmel, die ARD habe viele Büros und könne von dort aus "alle Orte der Welt schnell erreichen". Das Problem aber sei: "Dort passiert oft nichts. Mein Neid hält sich deshalb in Grenzen." In den drei Jahren, die er inzwischen den RTL-Nachrichtensender führe, habe es jedenfalls "kein Ereignis gegeben, bei dem es uns geschadet hat, nicht sofort vor Ort zu sein". Ein klares Plädoyer für die Wirtschaftlichkeit von TV-News und das Prinzip der Fallschirm-Korrespondenten.
Während die "Tagesschau" laut Gniffke außerhalb Deutschland auf 25 ARD-Studios zurückgreifen kann, sind es bei n-tv nur etwa zehn, wie Demmel MEEDIA am Rande der Veranstaltung sagte. Bekannt ist, dass sein Sender deshalb häufig Reporter ad-hoc aus Deutschland entsendet, wenn sich ein Ereignis auftut. Eines seiner Argumente, neben dem finanziellen Aspekt: "Jemand, der als Reporter eingeflogen wird, bringt eine stärkere Brille mit dem deutschen Blick mit."
Aussagen, die Gniffke provozierten – von wegen viele ARD-Reporter litten an Unterbeschäftigung. Gniffke: "Der Auslandskorrespondent, der nicht ausgelastet ist, muss noch erfunden werden." Schließlich müssten auch abseits der Aktualität Sendeflächen mit Berichten und Reportagen aus der Welt bedient werden, im Ersten wie in den Dritten. "Es hilft zudem", so Gniffke, "dass unsere Leute lange vor Ort sind und Landeserfahrungen sammeln statt nur den Flughafen zu sehen".
Schützenhilfe leistete Gniffke der Fernsehchef des steuerfinanzierten Auslandsrundfunk Deutsche Welle, Christoph Lanz. Er sagte: "Sie würden doch heilfroh sein, wenn Sie viele Korrespondenten hätten. Sie würden auch 30 gerne nehmen, wenn Ihnen das Ihre Frau Schäferkordt bezahlen würde. Das tut sich nur nicht." RTL-Chefin Schäferkordt setzt indes auf Synergien: Schon seit zwei Jahren arbeiten knapp 500 Mitarbeiter der RTL-Sender (auch VOX und RTL2) in der infoNetwork GmbH – und teilen sich Kamerateams, Material und Reporter weitgehend miteinander. n-tv-Mann Demmel betonte im MEEDIA-Gespräch, das habe zusätzlichen Freiraum für die Berichterstattung geschaffen: Während n-tv bisher separat ein USA-Studio in Washington D.C. betrieb und RTL sein USA-Studio in New York, würden jetzt beide für die gesamte Gruppe arbeiten.
"Sie können in Deutschland mit Nachrichten kein Geld verdienen. Das bekommen Sie nicht finanziert, weil das der Werbemarkt nicht hergibt", hielt ihm indes Gniffke in der Diskussion vor. "Deshalb müssen Sie Ihr Programm auch mit Inhalten anreichern, die mit News nichts zu tun haben." Ein so erzielter Break-even und Gewinne schafften natürlich auch "inhaltliche Bewegungsfreiheit", sagte wiederum Demmel – und kritisierte die Zuschauerforschung der GfK, die für n-tv bisweilen sehr ungünstige Kriterien ansetze, was sich durchaus auf Werbeerlöse auswirken könne: "Unsere Zuschauer und Nutzer kommen zu beträchtlichen Teilen aus Büros und Hotels zu uns. Die weist aber kaum einer aus."

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